Ein Brief von Ex-Papst Benedikt an den Vatikan sorgt für Ärger. Nicht wegen des Inhalts, sondern weil die Kommunikationsabteilung des Kirchenstaates einige Bemerkungen unkenntlich gemacht hat.

Die Presseabteilung des Vatikan veröffentlichte zum fünften Amtsjubiläum von Franziskus einen Brief von Papst Benedikt zu einem Bücher-Band über die theologische Ausbildung von Papst Franziskus.

Benedikt schreibt darin, er begrüße diese Initiative, die sich gegen die "törichten Vorurteile" wehren möchte, "für die Papst Franziskus nur ein praktischer Mann ohne besondere theologische oder philosophische Bildung und ich nur Theoretiker wäre, der wenig vom konkretem Leben eines Christen heute verstanden hätte."

Vatikan macht Passage unkenntlich

Allerdings machte der Vatikan in einem Foto von dem Brief, das die Pressestelle Anfang der Woche verschickte, eine entscheidende Passage unkenntlich: Nämlich dass der 90 Jahre alte Benedikt bekannte, er habe die Bücher gar nicht gelesen.

Er habe aus körperlichen Gründen und wegen anderer Verpflichtungen die elf Bücher nicht gelesen und könne daher keine theologische Beurteilung von Franziskus abgeben, so Benedikt. Medien beschuldigten den Vatikan der "Manipulation".

Eine Sprecherin des Vatikans erklärte am Donnerstag, man habe nichts verschwiegen. Denn bei der Präsentation des Briefes im Vatikan habe der Chef des Mediensekretariats, Dario Vigano, das Schreiben in voller Länge vorgelesen. (dpa/af)


Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version dieses Artikels erweckte den Eindruck, Benedikt XVI. habe seinen Nachfolger Franziskus kritisiert. Tatsächlich aber kritisierte er die Vergleiche zwischen den beiden, die ihn als den realitätsfernen Theologen und Franziskus als den Praktiker ohne tiefere Bildung darstellen. Wir entschuldigen uns für den Fehler.


Der ehemalige Papst Benedikt XVI. bereitet sich nach seinen eigenen Worten auf den Tod vor. "Während meine physischen Kräfte langsam schwinden, pilgere ich innerlich nach Hause."