Oslo (sal/dpa) - Das Urteil ist gefallen: Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik ist von den Osloer Richtern für zurechnungsfähig erklärt worden und muss für 21 Jahre hinter Gitter - mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Urteil will der 33-Jährige nicht anfechten.

Er erkenne das Gericht nicht an, sagte der 33-Jährige nach der Urteilsverkündung in Oslo. Daher könne er den Richterspruch weder akzeptieren noch in Berufung gehen. Breiviks Anwälte hatten zuvor gesagt, sie hielten es für unwahrscheinlich, dass ihr Mandant in Berufung gehe. "Ich denke, er wird sagen, dass er den Richterspruch nicht anficht", sagte Breiviks Anwältin Vibeke Hein Baera im norwegischen Fernsehen.

Breivik hatte auf Freispruch plädiert. Der 33-Jährige hatte seine Taten vor Gericht zugegeben, aber keine Reue gezeigt. In seinem Geständnis bezeichnete er die Morde als "grausam, aber notwendig" und nannte als Tatmotiv Hass auf den Islam und die regierenden Sozialdemokraten. Dennoch hörte Breivik den Urteilsspruch mit einem zufriedenen Lächeln. Der 33-jährige Islamhasser hatte auf keinen Fall zum Geisteskranken erklärt werden wollen. Die Einweisung in die Psychiatrie sei für ihn schlimmer als der Tod, hatte er gesagt. Breivik ist nach den Worten seiner Verteidiger nicht erstaunt über den Richterspruch. "Er hat gesagt, das Urteil sei keine Überraschung", sagte sein Anwalt Odd Ivar Gron in einer Gerichtspause der Osloer Tageszeitung "VG" (Online-Ausgabe).

Auch die Staatsanwälte gehen nicht in Berufung. Das sagte Staatsanwalt Svein Holden. Die Beweisführung sei gründlich gewesen, es gebe keinen Grund, den Fall weiterzutragen. Holden sagte, damit könne der Richterspruch jetzt rechtskräftig werden.

Wie die fünf Richter - zwei Berufsrichter und drei Schöffen - in der Frage der Zurechnungsfähigkeit entscheiden würden, war mit Spannung erwartet worden. Das Urteil sei einstimmig gefallen, sagte die Vorsitzende Richterin Wenche Elizabeth Arntzen.

Arntzen hat unter Verweis auf die Schuldfrage begründet, warum Breivik nicht für geisteskrank erklärt hat. Sie halte es für "prinzipiell bedenklich, Verbrecher von Schuldfähigkeit freizusprechen, indem man ihre Gesinnung für krankhaft erklärt", sagte Arntzen am Freitag vor Gericht. Gleiches gelte für Verbrecher, "die keine Behandlung nötig haben".

21 Jahre Haft sind in Norwegen das höchste Strafmaß. Die dazu verhängte Sicherungsverwahrung ("forvaring") kann allerdings alle fünf Jahre verlängert werden. Mit dem Urteilsspruch vom Freitag könnte Breivik also bis zum Tod hinter Gittern bleiben, obwohl das norwegische Rechtssystem kein Lebenslänglich kennt. Verteidiger Geir Lippestad hatte die Norweger dennoch vorab gewarnt: "Wir müssen uns vorbereiten, dass Breivik eines Tages wieder freikommen kann."

Der 33-Jährige wird seine Haftstrafe in Norwegens einzigem Hochsicherheitsgefängnis Ila antreten, wo er auch während der Untersuchungshaft einsaß. Unter anderem hat er einen Zugang zu einem Computer, aber nicht zum Internet. Fotos zeigen, dass der Laptop auf dem Schreibtisch festgeschraubt ist. Laut norwegischen Medien hat er Zugriff auf eine Offline-Version des Lexikons Wikipedia.

Mit dem Richterspruch geht ein zehnwöchiger Mammutprozess zu Ende, der rund um den Erdball verfolgt wurde. Mehr als hundert Zeugen sagten aus, darunter rund 40 teils schwer verletzte Jugendliche, die das Blutbad auf Utøya überlebt hatten. Viele Norweger hatten an den Prozess hohe Erwartungen geknüpft, hofften, dass er das nationale Trauma heilen helfe.

Breivik hatte zuerst eine Autobombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und so acht Menschen getötet. Wenig später nahm er in einem wahren Blutbad auf der Fjordinsel Utøya 69 meist jugendlichen Sozialdemokraten das Leben. 42 Menschen wurden schwer verletzt. Die kaltblütige Tat hatte ganz Norwegen erschüttert. Die Anklageschrift legte ihm Terrorismus und vorsätzlichen Mord zur Last.