Haben Bischöfe zu viel Macht? In Limburg empörten sich die Menschen über einen 31 Millionen teuren "Protzbau" und fordern Aufklärung. Doch Franz-Peter Tebartz-van Elst ist kein Einzelfall. Kirchenreformer fordern deswegen Konsequenzen aus dem Skandal: "Wir brauchen mehr Transparenz und eine effektivere Kontrolle."

Die Untersuchung über den teuren Bau der Bischofsresidenz in Limburg ist abgeschlossen. Papst Franziskus hat den Prüfbericht bereits erhalten und muss jetzt entscheiden, ob Franz-Peter Tebartz-van Elst weiter im Amt bleiben darf. Wann er seine Entscheidung bekannt gibt, ist noch offen.

Der Mainzer Bischof Karl Lehmann rechnet aber nicht mehr mit der Rückkehr seines Amtsbruders Franz-Peter Tebartz-van Elst an die Spitze des Bistums in Limburg. "Es gibt viele Gründe, warum er nicht zurückkommen kann", sagte der Kardinal dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er hoffe sehr, dass Papst Franziskus "sehr bald" eine Entscheidung treffen werde. Lehmann forderte zudem die Offenlegung des Berichts, den eine kirchliche Untersuchungskommission zu den ausufernden Kosten erstellt hat.

Für Christian Weisner, Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche", geht es bei der Entscheidung des Papstes aber um mehr als die Zukunft des Skandal-Bischofs.

Herr Weisner, wie wird jetzt Ihrer Meinung nach im Fall Bischof Tebartz-van Elst entschieden?

Papst erhält am Mittwoch Bericht über Tebartz-van Elst.

Christian Weisner: Das ist ein dicker Knoten, der endlich gelöst werden muss. Wenn es sich als wahr erweisen sollte, dass Stiftungsgelder entgegen dem sozialen Stiftungszweck für das Bauvorhaben verwendet wurden und dies nur mit der Unterschrift des Bischofs möglich sein konnte, wäre das noch mal eine Zuspitzung. Tebartz-van Elst könnte dann wirklich nicht mehr Bischof bleiben. Der Fall ist eine große Belastung für die katholische Kirche insgesamt, aber auch für Papst Franziskus. Alle blicken nach Rom und erwarten eine salomonische Entscheidung.

Hat der Papst überhaupt noch die Möglichkeit, ihn im Amt zu lassen?

Die Bischofsweihe ist unauslöschlich. Das ist das Amtsverständnis in der römisch-katholischen Kirche. Bischöfe können natürlich von der Ausübung des Hirtenamtes entpflichtet werden. Aber dafür gibt es hohe Hürden, für die schwerwiegende Gründe vorliegen müssen. Man hat im Fall von Tebartz-van Elst sicher gehofft, dass er selber von seinem Amt zurücktritt, so wie es der Eichstätter Bischof Walter Mixa 2010 tat, aber erst nach viel zu langer Zeit.

Wie könnte die Zukunft von Tebartz-van Elst aussehen?

Es gibt sicher eine Reihe von Tätigkeiten die er weiter ausüben kann. Er ist ja Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft, also könnte er zum Beispiel wieder in der Wissenschaft arbeiten. Es gibt aber auch viele Positionen in Rom und in der katholischen Weltkirche, in denen Bischöfe in der Kirchenverwaltung oder gar als Nuntius tätig sind. Allerdings sehe ich kaum noch die Möglichkeit, dass er wieder Bischof in Limburg, irgendwo in Deutschland oder sonstwo auf der Welt wird.

Skandale wie der um den Protz-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst werfen Fragen auf: Wie reich sind die Kirchen? Woher kommt ihr Geld und mit welchem Recht erhalten sie es?

Was glauben Sie, wie lange wird es dauern, bis sich Papst Franziskus entschieden hat?

Bei früheren Entscheidungen hat Rom manchmal innerhalb von Tagen entschieden. Franziskus geht überlegter vor. Jetzt wird es sicher noch ein oder zwei Wochen dauern. Die Entscheidung sollte aber möglichst schnell getroffen werden. Zum einen für das Wohl der Gläubigen und um die katholische Kirche endlich aus den negativen Schlagzeilen herauszubringen. Leider haben wir aber nicht nur den Fall in Limburg. Wie jetzt bekannt wurde, gab es beispielsweise auch beim Haus am Dom in Köln Unklarheiten bei der Finanzierung. Wir brauchen insgesamt mehr Transparenz und eine effektivere Kontrolle: Woher bekommt die katholische Kirche ihre Gelder, wofür gibt sie sie aus und wer überwacht das?

Führt die Struktur der Kirche dazu, dass sich Konflikte so ausweiten können?

Das ist genau die kirchenrechtliche Situation des Bischofsamtes. Einerseits gibt es einen gewissen Schutz, gerade wenn der Bischof unpopuläre Entscheidungen für das Wohl des Bistums treffen muss, dass er nicht so schnell zurücktreten muss wie ein Minister. Aber in diesem Fall zeigt sich, dass die Hürden, um einen Würdenträger aus dem Amt zu entfernen, doch vielleicht zu hoch sind. Allerdings ist die Entscheidung von Papst Franziskus sicher gut, dass er die Untersuchung der Deutschen Bischofskonferenz abwarten will. Auch wenn es den Gläubigen in Limburg sicher viel Geduld abverlangt.

Haben Bischöfe zu viel Macht?

Auch für einen Bischof gilt natürlich das Kirchenrecht und in Deutschland muss er sogar einen Eid auf das Grundgesetz ablegen. In der Kirche gibt es allerdings keine Gewaltenteilung zwischen Judikative, Legislative und Exekutive. Das ist das eine Problem, das andere ist meiner Meinung nach die persönliche Einstellung. Der Wille zur Macht und Repräsentation hat im Fall von Tebartz-van Elst wohl eine wichtige Rolle gespielt. Das zuständige Kontrollgremium hat versagt. Auch Generalvikar Franz Kaspar ist wohl in den Fall verwickelt. Generalvikare sind normalerweise für die Organisation des Bistums und für die Finanzen zuständig. Ein Bischof soll ja eigentlich mehr der geistige Oberhirte sein.

Was fordern Sie, damit so etwas nicht mehr passiert?

Wir haben ja jetzt erst gelernt, über wie viele verschiedene Geldquellen die Kirche verfügt. Da gibt es ja nicht nur die Kirchensteuermittel, sondern auch die Staatsleistungen, die Bischöflichen Stühle und Stiftungen. Ich fürchte einfach, dass dies über die Jahre zu unübersichtlich geworden oder gar gewollt ist. Unser Vorschlag wäre: Wir brauchen ein einheitliches Bewertungssystem, wie es auch bei öffentlichen Haushalten angewendet wird. Außerdem brauchen wir effektive Kontrollgremien, die Entscheidungen treffen können und nicht nur abnicken. Der Bischof muss gegenüber diesem Kontrollgremium, den Gemeindemitgliedern und der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig sein.

Christian Weisner, 1951 geboren, gehört zu den Gründern der Laienbewegung "Wir sind Kirche". Die Bewegung setzt sich seit 1995 für eine Reform der römisch-katholischen Kirche ein. Der Stadt- und Verkehrsplaner lebt bei München.