Die bewegte Geschichte der Nato

Die Nato wurde 1949 gegründet, um die Sowjetunion abzuschrecken. Spätestens seit 1990 hat sich die Funktion des Militärbündnisses stark gewandelt. Wie die Nato wurde, was sie ist:

Der 4. Apirl 1949 ist das Geburtsdatum der Nato. An diesem Tag schließen sich zehn europäische Staaten, die USA und Kanada zur "Nord-Atlantischen Vertragsorganisation" zusammen. Die Organisation sollt eine Antwort auf das Expansionsstreben der Sowjetunion geben.
Der erste sowjetische Atombombentest erfolgt 1949. Damit ist klar: Die USA ist nicht mehr die einzige Macht, die über die Nuklearwaffen verfügt. Die Fronten des Kalten Krieges verhärten sich.
Der erste Stellvertreterkrieg folgt. Im Koreakrieg (1950-53) unterstützt die USA den Süden des Landes, während die Sowjetunion und China den Norden unterstützen. Keine Partei gewinnt, die Spaltung des Landes dauert bis heute an. Die europäischen Nato-Staaten befürchten, die USA könnten ihre schützenden Hand künftig über Asien statt über Europa halten, jedoch ...
Ab 1955 liegt der Fokus wieder auf Europa. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl die Gründung des Warschauer Pakts als Gegenpol zur Nato. Russland und acht Satellitenstaaten schließen sich zusammen. Es ist eine Antwort auf die Aufnahme Westdeutschlands in die Nato.
Mit dem Mauerbau 1961 werden die Fronten des Kalten Krieges zementiert. Und eine Krise reiht sich an die nächste.
1961 lachen John F. Kennedy (r.) und Nikita Chruschtschow noch miteinander. Ein Jahr später steht die Welt durch die Kubakrise am Rand des Atomkriegs. Die Nato bereitet sich auf den Ernstfall vor.
Die USA entwickelt sich mehr und mehr zur wirtschaftlichen und militärischen Übermacht innerhalb der Nato. Ab 1965 engagiert sie sich mit Bodentruppen im Vietnamkrieg, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren wütet.
Manchen ist die militärische Dominanz der USA zu groß. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle beschließt 1966 den Austritt aus dem militärischen Teil der Nato. Das Hauptquartier wird daraufhin von Paris nach Brüssel verlegt.
Der Stellvertreterkrieg in Vietnam entwickelt sich indes zum nationalen Trauma der USA. Jahrelanges Engagement in Vietnam zeigt keinen Erfolg. In den USA demonstrieren die Massen gegen den Krieg. Es ist die Zeit der 1968er Bewegung in der westlichen Welt.
Die Intensität des kalten Krieges schwankt über die Jahrzehnte. Sind die späten 70er-Jahre noch von einer Annäherungspolitik gekennzeichnet, hat in der Präsidentschaft Ronald Reagans (1981-1989) der Kampf gegen den Kommunismus wieder oberste Priorität.
1983 führt die Nato mit dem "Able Archer"-Manöver eine zehntätige Probe für den Ernstfall eines Atomschlags in Europa durch. Doch immer mehr ziviler Widerstand regt sich in der Bevölkerung. Tausende Menschen gehen vor allem in Deutschland auf die Straßen.
Ab 1985 entspannt sich die Lage. Der sowjetischen Generalsekretär Michael Gorbatschow leitet die Glasnost-Politik (Offenheit) und die Perestroika (Umbau) ein. Die Sowjetunion zieht Waffen aus der DDR ab.
1989 fällt die Berliner Mauer, 1990 folgen die Wiedervereinigung Deutschlands und der Zerfall der Sowjetunion. Damit ist die eigentliche Existenzgrundlage der Nato verschwunden. Tatsächlich überlegt man, das Bündnis aufzulösen, entscheidet sich allerdings dagegen.
Im Jahr 1997 treten Polen, Tschechien und Ungarn der Nato bei. Sie fürchten sich vor einer erneuten Expansion Russlands. Doch Russland und die Nato bezeichnen sich ab diesem Jahr nicht mehr als "Gegner". Die Nato soll von einer militärischen in eine politische Organisation umgewandelt werden.
Am 11. September 2001 entführen Terroristen von al-Quaida drei Flugzeuge und steuern diese in die beiden Türme des World Trade Centers in New York und in das Pentagon in Virginia. 3.000 Menschen sterben. Kurz darauf rufen die USA zum ersten Mal den Nato-Bündnisfall aus.
George W. Bush beginnt den "Krieg gegen den Terror". Auf die Besetzung Afghanistans mit UN-Mandat 2001 folgt der Irak-Krieg 2003 - ohne UN-Mandat und Nato-Hilfe. Stattdessen schmiedet Bush an einer "Koalition der Willigen" mit 43 anderen Staaten. Der Einmarsch mündet im größten militärischen Desaster für die USA seit dem Vietnam-Krieg.
2004 treten Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien der Nato teil. Russland fasst dies als direkte Bedrohung auf, weil fortan etliche Nachbarstaaten Russlands Mitglied des Bündnisses sind.
Das Ende der 2000er Jahre ist geprägt von weiteren Spannungen zwischen der Nato und Russland. Zahlreiche Manöver und Übungen beider Seiten verschlechtern das Verhältnis zusehends.
Im Zuge des Ukraine-Kriegs stellt die Nato im Jahr 2014 die militärische Zusammenarbeit mit Russland ein. Politische Kontakte bleiben allerdings nach wie vor bestehen. Beide Seiten verlegen immer mehr Raketenstellungen an die Grenzen Osteuropas. Die militärische Aufrüstung dauert bis heute an.
Besonders die stetigen Militärübungen der Nato in Osteuropa, wie das Großmanöver 2016 in Polen, führen zu Spannungen in der Beziehungen zu Russland.
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