"Ballon" von Michael "Bully" Herbig: Die spektakulärsten Fluchten aus der DDR

In seinem neuen Film erzählt Regisseur Michael "Bully" Herbig die Geschichte einer spektakulären Flucht aus der DDR. Beispiele für außergewöhnliche Fluchten aus dem Osten gibt es einige. (jono)

Am 27. September kommt Michael „Bully“ Herbigs neuer Film „Ballon“ in die deutschen Kinos. Ein Film über die Familien Strelzyk und Wetzel, die im Sommer 1979 mit einem selbstgebauten Heißluftballon aus der DDR flohen.
Anlässlich der anstehenden Filmpremiere wurde Anfang September ein 32 Meter großer Heißluftballon vor dem Berliner Reichstag aufgebaut. 39 Jahre zuvor hatten die beiden Familien aus rund 1.000 Quadratmetern Stoff ihre Ballonhülle genäht.
Auch die Bethke-Brüder gelangten auf dem Luftweg von Ost nach West: Nachdem Ingo und Holger Bethke bereits per Luftmatratze und Seilwinde geflohen waren, holten sie ihren Bruder Egbert per Ultraleicht-Flugzeug aus der DDR.
In der Morgendämmerung des 26. Mai 1989 flogen sie zunächst aus West-Berlin in den Treptower Park. Nach dem Rückflug ließen sie ihre Maschinen auf der Wiese vor dem Reichstag zurück - und sorgten so für Rätselraten, bis sie sich am Tag darauf der Polizei stellten.
Der Tunnel 57 ging als eine der aufwendigsten Fluchtaktionen in die Geschichte ein. Ein halbes Jahr lang gruben 35 West-Berliner einen rund 145 Meter langen Tunnel unter der Mauer hindurch.
Schließlich holten sie 57 Menschen in die Freiheit. Beim Rückzug der Fluchthelfer kam es jedoch zu einer Schießerei, bei der ein DDR-Grenzsoldat im Kugelhagel ums Leben kam.
Mit einem geklauten Panzerwagen floh im April 1963 Wolfgang Engels aus der DDR. In Treptow raste er gegen die Berliner Mauer, rettete sich trotz einer Schusswunde und durchbohrter Lunge in den Westen - und überlebte schwer verletzt.
Zu drastischen Mitteln griff 1978 auch Hans Tiede, der einen Flieger von Danzig nach Ost-Berlin kurz vor der Landung mithilfe einer Spielzeugpistole entführte und zur Landung in West-Berlin zwang. Sieben weitere DDR-Bürger nutzten die Gelegenheit ebenfalls zur Flucht. Tiede wurde im Westen zu neun Monaten Haft verurteilt.
Im James-Bond-Stil gelang 1968 dem damaligen Studenten Bernd Böttger die Flucht: Er bastelte sich aus einem Fahrradhilfsmotor eine Art Tauchscooter. 22 Kilometer schwamm er durch die Ostsee in die Freiheit, bis ihn ein dänisches Feuerschiff auflas.
Etwas klassischer, aber nicht weniger spektakulär schafften im Jahr 1988 zwei Brüder von Rostock aus die Flucht über die Ostsee. Nach 28 Stunden im Paddelboot erreichten sie die Nordküste Fehmarns.
Doch längst nicht alle Fluchtversuche auf dem Seeweg waren erfolgreich. Mehr als 5000 Menschen versuchten zwischen 1961 und 1989, über die Ostsee zu fliehen. Nur rund 600 erreichten ihr Ziel, mindestens 189 ertranken auf der Flucht.