• Ende einer monatelangen Suche: Die Kinder, die von einem Auswanderer-Paar nach Paraguay verschleppt wurden, sind wieder bei ihren Eltern.
  • Deren Anwalt rechnet damit, dass die Familie bald wieder aus Südamerika nach Deutschland zurückkehren wird.

Mehr Panoramathemen finden Sie hier

Nach dem Ende des Dramas um die Kindesentziehung in Paraguay rechnet Rechtsanwalt Ingo Bott mit einer baldigen Rückkehr der beiden Mädchen aus Südamerika nach Deutschland.

"Es ist zu erwarten, dass alle Beteiligten, die Kinder, die bisherigen Kindesentzieher und unsere Mandanten, zeitnah zurückkehren. Wir befinden uns in durchgehendem Austausch mit den deutschen Behörden. Alles geht seinen guten und richtigen Weg", teilte Botts Düsseldorfer Kanzlei Plan A am Freitagmittag mit.

Die monatelange Suche nach den zwei deutschen Mädchen war am Donnerstag (Ortszeit) erfolgreich zu Ende gegangen. Das wegen Kindesentziehung in Paraguay gesuchte deutsche Auswanderer-Paar stellte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in dem südamerikanischen Land im Grenzgebiet zu Argentinien den Behörden und übergab die Kinder. "Beide (Mädchen) sind in gutem Zustand", wurden die Ermittler in der Mitteilung zitiert.

"Die Suche ist zu Ende"

"Jetzt ist alles in Ordnung. Die Suche ist zu Ende. Die Flucht ist zu Ende", hieß es in einem Schreiben des Anwalts Stephan Schultheiss in Paraguay. "Jetzt sind alle glücklich."

Das Paar sei freiwillig vor Polizei und Staatsanwaltschaft erschienen und habe die Kinder übergeben. Die zehn und elf Jahre alten Mädchen befänden sich jetzt in der Obhut der paraguayischen Behörden. Die Polizei veröffentlichte Bilder der Geflüchteten mit Beamten und dem Anwalt. Die Zeitung "ABC Color" zitierte den Polizeikommissar Mario Vallejos mit den Worten: "Das gewünschte Ziel wurde erreicht."

Die von den Anwälten Bott und Schultheiss vertretenen und zunächst in Deutschland zurückgebliebenen Elternteile waren ebenfalls involviert und waren ebenfalls noch in Paraguay, um dort ihre Kinder wieder in die Arme zu schließen. Wann und wo die Beteiligten in Deutschland ankommen, war noch unklar und wird dem Vernehmen nach wohl auch nicht vorher kommuniziert.

Der Vater des einen Mädchens und die Mutter des anderen Mädchens sind in zweiter Ehe miteinander verheiratet und waren im November vergangenen Jahres mit den beiden Kindern ohne die Zustimmung ihrer jeweiligen Ex-Partner nach Paraguay ausgewandert.

Gegen das Paar lag nach Angaben der paraguayischen Staatsanwaltschaft ein über die internationale Polizeibehörde Interpol verbreiteter Haftbefehl vor. Sollten sie - wie angekündigt - ebenfalls nach Deutschland zurückkehren, droht ihnen ein Verfahren, das federführend von der Staatsanwaltschaft Essen geführt wird.

Ein halbes Jahr kein Kontakt

Schultheiss sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, er habe sich an einem nicht genannten Ort mit dem gesuchten Paar und den Mädchen getroffen. Nachdem es zuvor mehr als ein halbes Jahr keinen Kontakt und auch kein Lebenszeichen von den Flüchtigen und den Kindern gegeben habe, hätten die Gesuchten vergangenen Freitag verschlüsselt Kontakt über einen Messengerdienst mit ihnen aufgenommen, hieß es. "In vielen Gesprächen reifte die Erkenntnis, dass eine Beendigung der Flucht die einzige Option darstellt - insbesondere für das Kindeswohl", erklärten die Anwälte weiter.

Zuletzt hatte es den Anwälten zufolge "fruchtbare Gespräche gegeben". Die Mutter des einen und der Vater des anderen Mädchens, die aus Essen und München kommen, hätten mit ihren Kindern telefonieren können.

Die im Ruhrgebiet lebende Mutter des zehnjährigen Mädchens hatte in einer emotionalen Pressekonferenz vor Ort um Hilfe bei der Suche nach ihrem verschwundenen Kind gebeten. "Ich bin eine verzweifelte Mutter", sagte sie in der paraguayischen Hauptstadt Asunción. "Habt ein Herz für unsere Mädchen und helft uns bei der Suche."

Flüchtiges Paar wanderte aus, weil es die Mädchen nicht gegen Corona impfen lassen wollte

Das flüchtige Paar hatte bei seiner Abreise im November 2021 der suchenden Mutter zufolge einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin schrieben sie demnach, dass es in Deutschland keine Zukunft für die Mädchen mehr gebe, dass sie sie nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen.

Paraguay hat eine lange Tradition von Einwanderung aus Deutschland. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts kamen viele Deutsche in das fruchtbare Land, um sich ein neues Leben aufzubauen. Während der Corona-Pandemie entwickelte sich Paraguay dann zu einem Dorado von Impfgegnern, Querdenkern und rechten Verschwörungsideologen.

Allein im vergangenen Jahr ließen sich nach Angaben der Migrationsbehörde 3440 Deutsche in Paraguay nieder. Die deutsche Botschaft in Asunción schätzt, dass insgesamt etwa 26 000 Deutsche in Paraguay leben. (dpa/tar)

Querdenker-Vater verschleppt eigene Tochter: Mutter bittet verzweifelt um Hilfe

Der Deutsche Andreas Rainer Egler hält sich offenbar mit seiner neuen Frau und zwei Mädchen aus Deutschland in Paraguay versteckt, weil er sich auf der Flucht vor einer "Impf-Diktatur" in Deutschland wähnt. Nun appelliert die Mutter von einem der Mädchen bei einer Pressekonferenz in Asuncion an den Vater, sich bei ihr zu melden. Die Suche der Polizei nach den beiden Kindern blieb bislang erfolglos.