• Die derzeit vielerorts überfüllten Züge stellen Menschen mit Behinderung vor Probleme.
  • So müssten sie angesichts besetzter Plätze im Eingangsbereich bleiben oder hätten Schwierigkeiten, zur Toilette zu kommen, heißt es seitens des Fahrgastverbands Pro Bahn.

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Der Ansturm auf die Bahnen durch das 9-Euro-Ticket stellt Menschen mit Behinderungen vor große Herausforderungen. So hätten Rollstuhlfahrer mehrfach im Einstiegsbereich bleiben müssen, da Radler die Plätze im Mehrzweckabteil belegten, erklärte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Dadurch gelang es Reisenden mit Rollstühlen nicht, zur Toilette zu kommen.

"Solidarität ist bei den Mitreisenden nicht mehr zu erwarten", sagte ein Sprecher der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, einer Organisation von Menschen mit Behinderungen. Demnach berichteten mehrere betroffene Menschen, aktuell Angst zu haben, mit dem Nahverkehr zu reisen.

Auch Sabine Kohls vom Sozialverband (VdK) bestätigte, dass viele Mitglieder ihres Vereins aufgrund überfüllter Züge nicht wie geplant verreisen konnten. "Viele haben schon im Vorfeld aus Sorge ihre Reise abgesagt." Außerdem seien Bahnen in Stoßzeiten ohnehin schon überfüllt, was den Pendlerverkehr besonders schwierig gestalte. "Mit dem 9-Euro-Ticket hat sich die Problematik verschärft", betonte sie. Nach Angaben des Verbands gibt es etwa 7,9 Millionen Menschen mit schweren Behinderungen in Deutschland (Stand 2019).

Förderung nach barrierefreiem Ausbau des ÖPNV

Die Verbände und der Verband fordern daher einen barrierefreien Ausbau des Nahverkehrs. Dabei müsse vor allem Geld in Rampen, Aufzüge und zusätzliches Personal fließen. Außerdem würde eine höhere Taktung der Bahnen dafür sorgen, dass alle Fahrgäste pünktlich ankämen, sagte Kohls.

Das 9-Euro-Ticket wird in den Monaten Juni, Juli und August angeboten und gilt deutschlandweit je einen Monat lang für Fahrten mit Bussen, Straßen- und Regionalbahnen in der 2. Klasse. (dpa/tar)