Nach der blutigen Tat in Münster mit drei Toten gehen die Ermittler nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Bei dem Mann am Steuer des Kleintransporters, der am Samstag in Münster in eine Menschenmenge gerast war, soll es sich laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul um einen deutschen Staatsbürger handeln. Gegenwärtig gebe es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

Entgegen ersten Informationen sind bei dem Zwischenfall insgesamt drei Menschen ums Leben gekommen. Es handele sich um zwei Opfer und den Täter, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Samstag. "Es sind in der Summe drei." Zuvor hatte das Bundesinnenministerium von insgesamt vier Toten gesprochen.

Die Identität der beiden getöteten Opfer war am späten Samstagabend weiter unklar. Sie habe dazu keine Informationen, sagte eine Polizeisprecherin.

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Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde die Wohnung des mutmaßlichen Täters am Abend nach Sprengstoff durchsucht. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Bericht: Tatverdächtiger psychisch labil

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat der Mann keinen Migrationshintergrund.

Demnach soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter "um einen Deutschen namens Jens R. handeln", schreibt die "Süddeutsche" und berichtet weiter: "Er wurde 1969 geboren und soll in den Jahren 2014 und 2016 psychisch auffällig gewesen sein. Es gibt keinerlei Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund."

Nach Informationen von "FAZ.NET" habe der Mann schon lange in Münster in einer Wohnung in der Nähe des Tatorts gelebt.

Türkischer Präsident instrumentalisiert die tödliche Attacke für seine eigenen Zwecke.

Es spreche "im Moment nichts dafür, dass es irgendeinen islamistischen Hintergrund gibt", erklärte auch NRW-Innenminister Reul.

Der Mann sei "willkürlich" in eine Menschenmenge gerast. Es sei aber wirklich noch sehr früh, um Details zu nennen, so Reul. Ein mögliches Motiv werde noch untersucht.

Es werde in alle Richtungen ermittelt. "Sobald gesicherte Informationen vorliegen - und nicht nur Gerüchte oder Hinweise - werden sie bekanntgegeben."

Der Täter hatte am Nachmittag in der Altstadt von Münster einen Kleintransporter in eine Menschenmenge gesteuert und dabei zwei Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Er erschoss sich nach Polizeiangaben in dem Wagen.

Von den rund 30 Verletzten seien sechs schwer verwundet, einige von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Die Einsatzkräfte untersuchten zudem am Nachmittag einen verdächtigen Gegenstand im Auto und prüften, ob er möglicherweise Sprengstoff enthielt.

Unklar war nach der Tat zunächst, ob der Mann alleine handelte oder ob ihm geholfen wurde.

Polizei bittet: Keine Gerüchte verbreiten

Laut Polizei gab es Gerüchte, wonach zwei weitere Menschen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet seien könnten. Das sei aber nicht sicher und müsse nun verifiziert werden, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei bat die Menschen, die Innenstadt weiträumig zu meiden, damit die Rettungskräfte ihrer Arbeit ungestört nachgehen können.

Hubschrauber kreisten über der Stadt. Feuerwehr und Rettungsdienst waren vor Ort.

Im MDR beschreibt ein Augenzeuge die Szene als der Kleintransporter in die Menschenmenge fuhr: "Ich habe einen lauten, dumpfen Schlag gehört und mit einem Mal schrien die Leute auf: 'Oh, mein Gott!' Alle liefen nach vorne. Eine Minute später waren schon Streifenwagen da."

Betroffene des Geschehens in Münster sind schnell seelsorgerisch betreut worden. Zufällig sei eine Gruppe Notfallseelsorger aus Paderborn zu einem Ausflug in der Stadt gewesen, sagte der Sprecher des Bistums Münster, Stephan Kronenburg. Die Gruppe habe sich dann mit um Augenzeugen gekümmert.

Auch der Polizei kam zugute, dass zum Tatzeitpunkt wegen einer angekündigten Demonstration von Kurden viele Polizisten in der Innenstadt waren. Die Demo wurde abgesagt.

Kurz nach der Tat hatte die Uniklinik Münster die Bevölkerung zu Blutspenden aufgerufen. Später hatte die Krankenhausleitung aufgrund der enorm großen Resonanz den Aufruf wieder gestoppt und sich bedankt.

Bundesregierung drückt Beileid aus

Der Kiepenkerl ist bei Einheimischen und Touristen beliebt und liegt mitten in der historischen Altstadt der 300.000 Einwohner zählenden Stadt mit ihren vielen schmalen Gassen. Bei gutem Wetter sitzen und stehen dort oft zahlreiche Menschen im Freien.

Die Bundesregierung sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere Politiker haben den Betroffenen ihr Beileid ausgesprochen.

"Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen", schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer bei Twitter. Weitere Reaktionen lesen Sie hier. (mcf/ska/mwo/fte/dpa)

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Münster in Bildern: Tote und Verletzte bei Bluttat am Kiepenkerl

Schock für Münster: Ein offenbar psychisch labiler Mann hat dort einen Kleintransporter in eine Menschengruppe gesteuert. Es gibt Tote und Verletzte. In der Nacht gehen die Ermittlungen weiter. Ein Überblick in Bildern.


Teaserbild: © picture alliance / Bernd Thissen