Die Ermittler haben keinen Zweifel, dass Copilot Andreas Lubitz vor zwei Jahren den Germanwings-Linienflug 4U9525 absichtlich abstürzen ließ. Sein Vater schon. Seine Sicht der Dinge hat er nun in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Zum Zeitpunkt des Absturzes sei Andreas Lubitz nicht depressiv gewesen.

Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz hat der Vater des Copiloten Andreas Lubitz, Günter Lubitz, in einer Pressekonferenz in Berlin erläutert, warum er nicht an eine Selbsttötung seines Sohnes als Absturzursache glaubt.

Vertreter der Opfer hatten den Zeitpunkt als "unverantwortlich" und "geschmacklos" kritisiert.

"Natürlich wussten wir, dass sich das Unglück heute zum zweiten Mal jährt", sagte Günter Lubitz. "Natürlich wussten wir, dass das auf wenig Verständnis stößt. Doch egal welchen Tag wir gewählt hätten, es hätte immer dieselben bösen Reaktionen hervorgerufen."

Der Familie sei es darum gegangen, Gehör zu bekommen. "Wie alle anderen Angehörigen sind wir auf der Suche nach der Wahrheit." Sein Sohn habe zum Zeitpunkt des Absturzes nicht an Depressionen gelitten.

Es gehe ihm selbst seit zwei Jahren wie allen anderen Angehörigen. "Ich stehe fassungslos dieser Tragödie gegenüber. Dafür gibt es keine Worte und keinen Trost", sagte Lubitz.

Günter Lubitz: Sohn zu Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv

Die Familie sieht sich selbst in einer speziellen Trauersituation. "Wir müssen damit leben, dass wir nicht nur unseren Sohn und Bruder verloren haben", sagte Lubitz.

"Wir müssen damit leben, dass er in den Medien als psychisch labiler Massenmörder dargestellt wird. Wir müssen damit leben, dass unser Sohn in den Medien auch als dauerdepressiv dargestellt wird."

Andreas Lubitz habe seine Depression im Jahr 2009 aber überwunden. Die festgestellten Arztbesuche 2014 und 2015 seien ausschließlich wegen seines Augenleidens nötig gewesen.

Günter Lubitz beendete seine Erklärung mit den folgenden Worten: "Wir haben unseren Sohn als lebensbejahenden, engagierten Menschen erlebt. Ich möchte betonen, dass unser Sohn zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv war. Da wir die technischen Aspekte der Untersuchung nicht richtig einordnen können, haben wir van Beveren beauftragt, sich der Sache anzunehmen."

Tim van Beveren ist Luftfahrt-Experte und hatte die 17.000 Seiten umfassenden Ermittlungsakten ausgewertet.

Experte hat Zweifel an Ergebnissen der Untersuchung

Der Flugunfallexperte zieht die Ergebnisse des Untersuchungsberichts zum Absturz in Zweifel. Die Ermittler hätten sich schon nach 48 Stunden auf eine Absturzursache festgelegt. "Etwas Vergleichbares habe ich in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt", sagte van Beveren.

Nach Ansicht van Beverens ist nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes im Cockpit saß. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte Lubitz den Airbus absichtlich gegen einen Berg in Südfrankreich gesteuert. Zuvor habe er den Flugkapitän ausgesperrt. Dies sei nicht zweifelsfrei erwiesen, sagte der Flugunfallexperte.

Er kritisierte zudem, dass bei den Ermittlungen zur Unfallursache nur Ingenieure eingesetzt worden seien, aber keine "Human Factor"-Experten, die darauf spezialisiert seien, den Faktor Mensch zu analysieren. Diese könnten beispielsweise aus Stimmenrekorder- und Funk-Aufzeichnungen auf Stress schließen.

Nach Behauptung des Gutachters könnte es schon vor dem letzten Flug der 2015 abgestürzten Germanwings-Maschine Probleme mit der Cockpit-Verriegelung gegeben haben. Er habe Informationen erhalten, dass sich eine Crew dieses Jets einmal selbst ausgesperrt habe. Van Beveren habe dies den Absturz-Ermittlern auch mitgeteilt. "Es ist nicht untersucht worden."

150 Menschen sterben beim Absturz

Am 24. März 2015 saß Andreas Lubitz allein im Cockpit einer Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings. Alle 150 Menschen an Bord des Airbus starben.

Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des 27-Jährigen aus.

Bereits in der Einladung zu der Veranstaltung hatte Lubitz die "Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll", bezweifelt.

In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte er: "Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen." (tfr/dpa)