Im Oktober 2013 bot er seinen Rücktritt an, jetzt hat Papst Franziskus ihn angenommen: Franz-Peter Tebartz-van Elst räumt seinen Posten als Bischof von Limburg. Gestürzt ist der 54-Jährige über seine ausschweifende Lebensweise und eine Amtssitzrenovierung – im Wert von rund 31 Millionen Euro.

Doch wie geht es weiter mit Tebartz-van Elst? Im Gespräch mit Christian Weisner vom Bundesteam der katholischen Bewegung "Wir sind Kirche" beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wo kann Tebartz-van Elst jetzt noch hin?

Christian Weisner: Im Augenblick ist er gewissermaßen ein Hirte ohne Herde. Aber ich bin sicher, dass seine große Familie im Münsterland und seine Freunde ihm zwischenzeitlich Unterkunft gewähren. Ob ein Kloster der richtige Ort für ihn ist, kann ich nicht beurteilen. Er hat wohl auch Freunde und Unterstützer im Bistum Limburg. Aber es wäre nicht gut, wenn er mit denen versuchen würde, den Neuanfang im Bistum in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Sehr schwer wird es ihm fallen, dass er nun nicht mehr in dem von ihm so sorgfältig geplanten Bischofshaus wird wohnen können.

Wovon lebt Tebartz-van Elst von nun an?

Ich denke, die Kirche hat eine Verpflichtung, auch weiterhin für ihn finanziell zu sorgen, aber natürlich nicht mit dem bisherigen üppigen Bischofsgehalt. Selbstverständlich könnte er eine Gemeinde leiten und seelsorgerisch arbeiten, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vor seiner Bischofszeit war er Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft, eine akademische Karriere, an die er durchaus wieder anknüpfen könnte. Er ist ja noch vergleichsweise jung.

Christian Weisner: Christian Weisner ist seit 1995 im Bundesteam der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche".

Wie ist seine persönliche Lage? Immerhin kam es auch zu Anfeindungen.

Ich hoffe, dass er gute Freunde und Vertraute hat, die ihn freundschaftlich in dieser für ihn sehr schwierigen Übergangszeit begleiten werden. Vielleicht werden die es nach und nach auch schaffen, mit ihm über die Auswirkungen seines Verhaltens als Bischof zu sprechen. Es geht weniger um Schuldzuweisung, als vielmehr um einen Weg zur Selbsterkenntnis, der hilfreich, ja notwendig für seinen persönlichen Neuanfang wäre. Im christlichen Miteinander gibt es Umkehr und Versöhnung. Danach wird er hoffentlich das, was er als Anfeindungen, vor allem der Medien erlebt hat, vielleicht auch als Suche nach der Wahrheit sehen können.

Steht die Entscheidung von Franziskus für eine neue Offenheit der Kirche, wie es Kardinal Marx sagt?

Das Abwarten auf die Entscheidung aus Rom hat viele im Limburger Bistum auf eine sehr harte Geduldsprobe gestellt. Aber ich fand es richtig, dass Franziskus die Untersuchung an die Deutsche Bischofskonferenz delegiert und seine Entscheidung erst nach Vorlage des Berichts getroffen hat. Also ein Zeichen von Dezentralisierung und Verfahrenssicherheit. Das ist sicher neu. Auch, dass der Untersuchungsbericht sofort veröffentlicht wurde. Diese neue Transparenz ist dringend notwendig, damit die tiefe Glaubwürdigkeitskrise der Kirchenleitung überwunden werden kann.

Kann Tebartz-van Elst seinen Bischofstitel verlieren oder "strafversetzt" werden?

Nach katholischem Amtsverständnis kann ein Bischof seinen Titel nicht verlieren, die Bischofsweihe ist unauslöschlich. Aber der Papst kann ihn durchaus versetzen oder auch abberufen. Das haben wir bei dem französischen Bischof Jacques Gaillot erlebt. Der wurde 1995 vom einen auf den anderen Tag zum Bischof von Partenia ernannt, ein Bistum in Nordafrika, das es früher einmal gab, das aber jetzt Wüste ist. Gaillot hat dann seine Aufgabe als Bischof für Ausgegrenzte und Menschen ohne Papiere in aller Welt gesucht und gefunden – und ist damit zum Bischof für sehr viele Suchende am Rande der Kirche geworden.

Christian Weisner ist Mitglied des Bundesteams von "Wir sind Kirche". Die Kirchenvolksbewegung setzt sich ein für eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sowie der darauf aufbauenden theologischen Forschung und pastoralen Praxis.