25 Jahre nach dem Unglück: Die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen und ihre Folgen

Am 11. April jährt sich die Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen zum 25. Mal. Bei dem schweren Brandunglück kamen 1996 17 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Ein Rückblick auf das verheerende Unglück, seine Hintergründe und die Folgen. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Es war der 11. April 1996, der Donnerstag nach Ostern. Auf dem Düsseldorfer Flughafen herrschte reger Ferienbetrieb aus Urlaubsrückkehrern, Abholern und Geschäftsreisenden. Ein denkbar ungünstiger Moment für die Katastrophe, die sich am Nachmittag des Frühlingstages ereignen sollte.
Gegen 15:30 Uhr bemerkte ein Taxifahrer Funken an der Decke der Ankunftsebene im Terminal A und alarmierte die Flughafenfeuerwehr per Telefon.
Etwa zwei Stunden zuvor hatten zwei Arbeiter mit Schweißarbeiten an einer Dehnungsfuge oberhalb eines Blumenladens in der Ankunftsebene begonnen. Die Feuerwehr war über die Arbeiten jedoch nicht informiert worden, sodass es keine Brandwache für die Arbeiten gab.
Noch Jahre später erinnerte eine Verkäuferin des Blumenladens sich daran, was sie an jenem Tag dachte. Sie scherzte damals gegen 15:00 Uhr mit ihrer Kundschaft: "Wenn die da oben nicht bald aufhören, stecken sie noch den ganzen Flughafen in Brand." Rund eine Stunde später sollte sich ihre Vermutung bewahrheiten.
Zwar hatten zwei Feuerwehrkräfte die Schweißarbeiter schon wenige Minuten nach dem Anruf des Taxifahrers dazu aufgefordert, ihre Arbeiten abzubrechen. Doch in der Zwischendecke der Halle hatte sich indes ein Schwelbrand entwickelt - ohne sichtbare Flammen.
So kam es dazu, dass sich in kürzester Zeit ein Vollbrand der gesamten Zwischendecke entwickelte und die Halle, in der sich zu dem Zeitpunkt rund 2.000 Menschen aufhielten, sich mit dichtem, schwarzem Rauch füllte. Erst um 15:58 Uhr wurde der Brand durch die enorme Rauchentwicklung überhaupt bemerkt und der Brandalarm ausgelöst.
Für einen so großen Brand und den damit verbundenen Einsatz war die Feuerwehr des Düsseldorfer Flughafens nicht gewappnet, was sich allerdings erst nach mehreren Minuten herausstellte. Auch mit Hilfe mehrerer Feuerwehrmannschaften aus dem Umkreis war das Ausmaß der Katastrophe kaum zu bewältigen, unter anderem weil Gebäudepläne fehlten.
So gelang es den ersten Helfern erst gegen 16:30 Uhr, in die Ankunftsebene durchzudringen. Dort waren bereits 16 Menschen im Rauch erstickt, darunter acht, die in einer VIP-Lounge eingesperrt waren. Die Uhren der Airport-Halle waren bereits um 16:11 Uhr stehengeblieben.
In zwei Aufzügen, die trotz des Brandes weiterhin in Betrieb waren und die verqualmte Ebene ansteuerten, kamen sieben weitere Opfer ums Leben. Eine weitere Person verstarb in einer Toilette, das letzte Todesopfer erlag seinen schweren Verletzungen knapp sechs Wochen später.
"Da war plötzlich eine Mauer aus Qualm. Wir schlossen die Tür und dichteten sie von innen mit feuchtem Toilettenpapier ab", erinnert sich ein britischer Fluggast, der die Katastrophe in einem Waschraum nur knapp überlebte.
Erst um 16:36 Uhr - gut 40 Minuten nachdem der Brandalarm ausgelöst wurde - stellte man den Flugbetrieb am Flughafen ein und leitete ankommende Flugzeuge zum Flughafen Köln/Bonn und nach Paderborn um.
Den rund 1.000 Feuerwehrleuten gelang es erst gegen 19:30 Uhr, den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen.
Bereits zwei Tage nach dem Brand wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen. Die Terminals A und B wurden bei dem Brand so stark beschädigt, dass die Flughafen-Gesellschaft am 14. April provisorische Bierzelte aufbaute, in denen sie die Passagiere abfertigte.
Was auf den Brand, bei dem insgesamt 17 Menschen ums Leben kamen und 88 schwer verletzt wurden, folgte, war ein fünf Jahre dauernder Hauptprozess und ein jahrelanger Streit um Schadensersatz. Vor dem Landgericht Düsseldorf mussten sich neben den Schweißern und der zuständigen Bauleitung auch zahlreiche Verantwortliche für den damals rund 30 Jahre zurückliegenden Bau des Flughafens behaupten.
Im Prozess kam unter anderem heraus, dass damals aus Kostengründen nicht ausreichend brandsichere Baustoffe verwendet wurden und der Brandschutz zu kurz kam. Etwa wurden die Zwischendecken mit Schaumpolysterol isoliert und es gab keine Brandschutztüren oder Sprinkler.
Im Laufe des Prozesses wurden zahlreiche andere Versäumnisse am Brandtag deutlich; etwa die fehlende Brandsicherheitswache bei den Schweißarbeiten, eine Klimaanlage, welche die Rauchgase verteilte, und die noch laufenden Aufzüge. Außerdem erschien der erste Löschzug erst etwa 20 Minuten nach dem Feueralarm.
Der bei dem Brand entstandene Sachschaden wurde auf bis zu eine Milliarde D-Mark geschätzt. Das Düsseldorfer Landgericht verurteilte die Flughafen GmbH im Dezember 1997 zur Zahlung von mindestens 20 Millionen Mark Schadensersatz an vier Versicherer.
Ende 2001 wurde das Verfahren nach fünf Jahren gegen Zahlung von Geldbußen eingestellt, weil nicht abschließend geklärt werden konnte, wessen Versagen entscheidend für die Katastrophe war. Angeklagte Manager, Schweißer, Architekten und Verantwortliche von Flughafen und Feuerwehr kamen mit Geldbußen zwischen 3.000 und 20.000 Euro, aber straffrei, davon.
Die beschädigten Terminals A und B mussten fast vollständig abgerissen und kernsaniert werden. Am 8. April 1998, fast zwei Jahre nach der Zerstörung, wurde das neugestaltete Terminal A eröffnet. 2001, fünf Jahre nach der Brandkatastrophe, fand die Brandsanierung mit der Eröffnung des B-Terminals ihren Abschluss.
Aus den Fehlern hat man gelernt. Heute gilt der Düsseldorfer Flughafen mit seiner Ankunftshalle aus Glas und Stahl als einer der sichersten der Welt. Mehr als zehn Prozent der Kosten für den Bau wurden für Brandschutz ausgegeben: in dem Flughafen gibt es tausende Rauchmelder, Sprinklerköpfe und Entrauchungsanlagen.