Es war eine spektakuläre Anklage: Einen tödlichen Unfall, verursacht von einem Motorradraser, wertet die Staatsanwaltschaft Bremen als Mord. Doch zum Prozessende rückt sie davon ab. Das Landgericht Bremen verurteilte den Angeklagten nun wegen fahrlässiger Tötung.

Das Landgericht Bremen hat einen 24-Jährigen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte im Juni 2016 einen 75-jährigen Fußgänger überfahren und tödlich verletzt.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich für mehr als sieben Jahre Haft wegen Totschlags ausgesprochen hatte - nachdem sie den ursprünglichen Mordvorwurf fallen gelassen hatte.

Mordanklagen nach Verkehrsunfällen sind selten

Tödliche Verkehrsunfälle sind keine Seltenheit. Dass sie zu einer Mordanklage führen, allerdings schon. Im September 2016 hatte die Staatsanwaltschaft Berlin einen ähnlich gelagerten Fall um ein tödliches Autorennen ebenfalls als Mord bewertet - bis dahin ein Novum in Deutschland im Zusammenhang mit Rasern.

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Die Bremer Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklageschrift von Unfallflucht und somit von einer Verdeckungsabsicht ausgegangen. Vor dem tödlichen Unfall soll es zu einer Kollision zwischen dem Motorrad und einem Auto gekommen sein.

Als zweites Mordmerkmal hatte sie niedere Beweggründe genannt, weil der Motorradfahrer sich durch seine rasanten Fahrten einen Adrenalinkick verschafft haben soll. Außerdem habe er die Touren ins Netz gestellt, um sein Geltungsbedürfnis zu befriedigen.

Allerdings sagte ein Sachverständiger vor Gericht auch aus, dass es keine Beweise für die Kollision mit einem Auto gebe. Und auch das andere Mordmerkmal war nicht zu halten: Der Gutachter legte dar, der Angeklagte habe keinen Kick gesucht. Sein Bedürfnis nach Stimulationen sei vielmehr eher gering ausgeprägt. Deshalb nahm die Staatsanwaltschaft zu Prozessende Abstand vom Mordvorwurf.

Der Raser filmte seine Fahrten

Der Angeklagte war in der Bikerszene kein Unbekannter: Der Student hatte einen Youtube-Kanal, auf dem er Filme von seinen Fahrten veröffentlichte, aufgenommen mit seiner Helmkamera. Zu sehen war, dass er seine 200-PS-Maschine gerne innerorts auf bis zu 170 km/h beschleunigte.

Auch kurz vor dem tödlichen Unfall fuhr er offenbar viel zu schnell. Bei erlaubter Geschwindigkeit hätte der junge Mann den Unfall vermeiden können, sagte ein Gutachter vor Gericht aus.

Der Angeklagte bestritt eine Tötungsabsicht. "Er war zutiefst erschüttert und verzweifelt, als er erfuhr, dass er jemanden getötet hat", sagte Verteidiger Armin von Döllen. "Junge Fahrer neigen dazu, Gefahr zu unterschätzen."

(dpa/mcf)