Donald Trump behauptet, das Präsidentenamt habe ihm und seinem Konzern bis zu fünf Milliarden Dollar Verluste beschert. Kann das stimmen?

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Armer Donald Trump. Präsident der USA zu sein habe ihn bisher "zwei bis fünf Milliarden Dollar" gekostet, behauptete er diese Woche. "Ich hätte ein Vermögen verdient, hätte ich einfach nur mein Geschäft geführt. Mir ging es sehr gut."

Trump sagte das bei seiner jüngsten Kabinettssitzung, in einem 72 Minuten langen Monolog, in dem er sich seinen ganzen Frust von der Seele redete, während die Minister stumm lauschten.

Mehr als ein Dutzend Lügen, Unwahrheiten und Erfindungen zählten die Faktenchecker der "Washington Post" in seinem Vortrag, CNN kam sogar auf "mindestens 21".

Der angebliche Milliardenverlust hat auf solchen Listen einen Stammplatz: Schon oft hat sich Trump darüber beschwert - wobei seine Zahlenangaben manchmal ziemlich schwankten.

So bezifferte er seine Einbußen bei einem Wahlkampfauftritt im vergangenen August zunächst mit "fünf Milliarden", ein paar Sätze danach waren es "drei bis fünf Milliarden". Diese offenbar flexible Spanne wiederholte er zwei Wochen später nach dem G7-Treffen in Frankreich.

Im September waren es dann schlichtweg "Milliarden Dollar", die er verliere, "für das Privileg, euer Präsident zu sein".

Das Vermögen

Ähnlich unzuverlässig ist das Gesamtvermögen, das Trump über die Jahre für sich proklamiert hat. 2015 bezifferte er es auf 8,7 Milliarden Dollar, rundete aber wenig später auf zehn Milliarden Dollar auf.

Das Magazin "Forbes" dagegen, das solche Daten für seine Liste der reichsten Amerikaner alljährlich prüft, bewertete Trump 2015 mit "nur" 4,5 Milliarden Dollar, zuletzt sei sein Vermögenswert auf 3,1 Milliarden geschrumpft , ein Minus von immerhin 1,4 Milliarden Dollar.

Aber fünf Milliarden Dollar Miese? Unmöglich, urteilte "Forbes": "Das ist mehr, als er jemals wert war."

In Wahrheit weiß niemand, wie reich Trump wirklich ist. Seine Holding, ein Mischkonzern namens The Trump Organization, veröffentlicht keine Zahlen, seine Steuererklärungen hält er vehement geheim. Ihre Offenlegung wollen die Demokraten nun vor Gericht erzwingen.

Das Imperium

Trumps Firmennetz ist ein einziger Interessenkonflikt. Einen groben Einblick bieten die Finanzauskünfte, zu denen er als US-Präsident verpflichtet ist. Denen fehlen zwar die Details einer Steuererklärung, auch sind sie ungeprüft. Doch sie offenbaren ein Dickicht aus Tarnfirmen, Immobilien, Lizenzen und Investments.

Das 88-seitige Dokument vom Mai dieses Jahres listet Hunderte Einzelunternehmen seiner Holding auf. Hinzu kommen zahllose Fonds, Anlagen, Beteiligungen und obskure Finanzquellen mit exotischen Namen.

Der Großteil der Aktivposten ist in der Trump Organization gebündelt: Luxusimmobilien in den USA und sieben anderen Staaten, Luxushotels in den USA, Kanada und Panama, Golfklubs und Golfplätze, eine TV-Produktionsfirma, Merchandising.

Die Gewinne

Auch als Präsident versucht Trump, so viel wie möglich zu verdienen.Er verzichtet zwar auf sein Staatssalär (400.000 Dollar) und trat die Konzernführung an seine Söhne ab, blieb aber weiter Inhaber.

Trump nutzt jede Gelegenheit, seine Liegenschaften zu promoten, in Reden, auf Pressekonferenzen, bei Gipfeltreffen. Jüngstes Beispiel: Den nächsten G7-Gipfel wollte er in seinem eigenen Golfhotel Doral in Miami abhalten, zog den Vorschlag aber zurück, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, er wolle finanziell von seiner Präsidentschaft profitieren.

Nach Rechnung der Watchdog-Gruppe CREW haben Trump und andere Regierungsvertreter Immobilien der Trump-Holding seit 2017 fast 1.500 Mal besucht - und zwar kostenpflichtig. Wenn der Secret Service Zimmer bucht, verdient der Präsident mit.

Für 2018 meldete Trump in seiner Finanzauskunft Einnahmen in Höhe von 434 Millionen Dollar an. Größter Einzelposten war sein Privatklub Mar-a-Lago in Florida mit 76 Millionen Dollar. Auch sein Luxushotel in der Nähe des Weißen Hauses in Washington warf ordentlich Gewinne ab. Beide Anlagen profitierten von in- und ausländischen Gästen.

Die US-Verfassung verbietet dem Präsidenten, Einkünfte aus dem Ausland anzunehmen oder zu behalten. Trump - der den fraglichen Paragraphen, die sogenannte Emolument Clause, als "erfunden" verhöhnt hat - führt laut "Washington Post" nur einen Teil dieser Einnahmen an die Staatskasse ab.

Die Demokraten haben ihn deswegen verklagt; das Verfahren, ähnlich wie bei der Offenlegung seiner Steuererklärungen, quält sich durch die Instanzen.

Die Verluste

Trotz vereinzelter Erfolgsmeldungen macht Trump offenbar Verluste. Einer "Forbes"-Recherche vom letzten Oktober zufolge sank das Nettobetriebseinkommen seines gesamten Konzerns von 2015 bis Ende 2017 um 27 Prozent - auch wegen der gesellschaftlichen Polarisierung seiner Marke im Zuge der Präsidentschaft.

Allein Mar-a-Lago, das viele politisch unabhängige Gruppen als Tagungsort meiden, wies in seiner Finanzauskunft von 2018 einen Umsatzschwund von zehn Prozent gegenüber 2017 auf.

Mehrere US-Hotels, die Trumps Namen lizensiert hatten, lösten sich von dem Branding und verschwanden somit aus der Bilanz. Eine geplante Trump-Hotelkette in Mississippi wurde gar nicht erst realisiert.

Der Trump Tower an der Fifth Avenue ist nach Darstellung des Wirtschaftsdienstes Bloomberg inzwischen "eine der am wenigsten begehrten Luxusimmobilien Manhattans".

Immer mehr Wohnungen stünden darin leer, Kaufpreise fielen, es mangele an Gewerbemietern - obwohl allein Trumps Wahlkampfteam für 2020 bisher schon fast eine Million Dollar Büromiete gezahlt habe.

"Trumps Präsidentschaft bleibt ein Nettoverlustgeschäft für ihn", resümierte "Forbes". Hätte er seine Firmen stattdessen verkauft, wie er es versprochen hatte, wäre er heute "500 Millionen Dollar reicher".  © SPIEGEL ONLINE