Das Jahr 2015 wird wohl als das Jahr der Flüchtlingskrise in die deutsche Geschichte eingehen – und die Beliebtheit deutscher Politiker hauptsächlich darauf basieren, wie zufrieden die Bevölkerung mit ihrer Politik in den letzten Monaten dieses Jahres ist. Von allen Politikern sieht sich zurzeit vor allem die Kanzlerin starker Kritik ausgesetzt. Der ARD-Deutschlandtrend veröffentliche am 1. Oktober 2015 in Form einer Infografik die Ergebnisse einer von Infratest dimap durchgeführten Umfrage zur Beliebtheit deutscher Politiker. Die Beliebtheitswerte der Politiker sind in Bezug zu ihren Werten im Vormonat gesetzt.


Der beliebteste Politiker kommt aus der SPD

In der Umfrage vom Oktober 2015 belegte Frank-Walter Steinmeier Platz 1. Der Bundesaußenminister gehörte schon in den letzten Umfragen zu den beliebtesten deutschen Politikern. Ohne Frage hatte Frank-Walter Steinmeier in diesem Jahr einige Treffen mit Vertretern anderer Länder, die als historisch bezeichnet werden können. Dazu gehört das Atomabkommen mit dem Iran, bei dem nach 10 Jahren Verhandlung endlich eine Einigung erzielt werden konnte und bei dem Steinmeier eine Vermittlerrolle innehatte. Auch ist er der erste gesamtdeutsche Außenminister, der dem sozialistischen Kuba und seinem Präsidenten Raúl Castro einen Besuch abstattete. Vermutlich ist es diese Rolle als Vermittler, die dem deutschen Außenminister Sympathiepunkte in der Bevölkerung einbringt.

Sein Parteikollege, SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel, landete hingegen nur auf Platz 4. Der streitbare SPD-Parteichef und Bundeswirtschaftsminister, der für seine hitzigen Wortgefechte mit Journalisten bekannt ist, wird von vielen dafür kritisiert, die Interessen seiner Partei in der Großen Koalition nicht ausreichend zu vertreten. Besonders zwei Themen stehen viele SPD-Mitglieder ablehnend gegenüber: dem Freihandelsabkommen TTIP und der Vorratsdatenspeicherung.

Schäuble (CDU) als beliebtester Politiker auf Platz 2


Platz 2 der beliebtesten Politiker hinter SPD-Mann Steinmeier belegt derzeit ein weiterer wichtiger Politiker: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Trotz oder gerade wegen seiner Haltung in der Griechenlandkrise ist Schäuble in der Gunst der deutschen Wähler gestiegen. Schäuble gilt als jemand, der unbequeme Wahrheiten ausspricht, und er hat Griechenland einen harten Sparkurs verordnet. In Athen ist er deswegen unbeliebt, hierzulande aber ist ein Großteil der deutschen Bevölkerung offenbar zufrieden mit seiner Arbeitsweise.

Im Laufe des Jahres sind die Beliebtheitswerte der Kanzlerin stetig gesunken. Ihre Haltung in der Flüchtlingskrise brachte und bringt Angela Merkel nicht nur Lob ein, sondern auch viel Kritik– so zeigen es zumindest die Ergebnisse von Umfragen zu berühmten Politikern: Sie belegt nur noch Platz 3. Merkels Ausspruch "Wir schaffen das!", mit dem Sie die Bewältigung der Flüchtlingskrise meint, kommt zwar immer noch beim Großteil der deutschen Bevölkerung gut an, doch vor allem in den neuen Bundesländern, in denen rechtspopulistische Gruppierungen wie Pegida und AfD stark sind, sinkt Merkels Stern.


Die schwindende Beliebtheit der Bundeskanzlerin kommt anderen bekannten Politikern zugute. Den größten Zuwachs an Beliebtheit konnte CSU-Politiker Horst Seehofer verzeichnen. Er liegt zwar immer noch weit hinter Angela Merkel, konnte sich aber in letzter Zeit die Sympathien vieler Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik sichern. Trotz seiner scharfen Kritik in Richtung Kanzlerin und der umstrittenen Einladung von Ungarns Regierungschef Viktor Orbán, findet Seehofer Zustimmung in der Bevölkerung.

Berühmte Politiker anderer Parteien

Zwei bekannte Politiker der Linken tauchen ebenfalls in der Grafik auf: Gregor Gysi, der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken, sowie Sahra Wagenknecht, die zusammen mit Dietmar Bartsch nun die Fraktion leitet. Aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen hat es lediglich Anton Hofreiter in das Ranking der beliebtesten deutschen Politiker geschafft. Aufgrund der aktuellen politischen Lage lässt sich derzeit kaum abschätzen, wer im nächsten Jahr zu den beliebtesten Politikern Deutschlands gehören wird.  © 1&1 Mail & Media