Ein spannendes Wahljahr geht zu Ende - und hinterlässt ein unruhiges Bild: Im Bund ist vieles in der Schwebe - und die Polarisierung in der Republik nimmt zu. Wir ziehen fünf Lehren aus dem Superwahljahr 2017.

Die Langzeitkanzlerin Angela Merkel ist immer noch da. Ringend um ihre Macht. Die stolze SPD gebeutelt und geschlagen - und am Ende doch wieder Anker der Stabilität? Die Palette der Koalitionen wird in diesem Jahr noch einmal bunter - aber Jamaika ist nicht überall.

Alle Ereignisse und bewegenden Momente 2016 hier im Jahresrückblick

Mit ihren Wahl-Entscheidungen haben Millionen Bürgerinnen und Bürger Deutschland 2017 verändert. In vier Ländern und erst recht im Bundestag, in dem jetzt sieben Parteien sitzen.

Was genau daraus noch alles folgt, ist auch nach Wochen und Monaten ungewiss: Hier kommen fünf Lehren des Superwahljahres.

1. Merkel bleibt Merkel - bleibt Merkel?

Als Wahlkämpferin dimmt Angela Merkel Kontroversen wie gewohnt herunter. Nach zwölf Jahren im Amt erreicht sie aber nochmal ihr oberstes Ziel: Sie kann Kanzlerin bleiben.

Trotz des Absturzes auf das schwächste Unionsergebnis seit 1949. Gänzlich unangefochten ist Merkel nicht mehr. Schweres Geschütz gegen die Frontfrau aufzufahren, die heikle Verhandlungen für eine Regierungsbildung führt, kommt aber kaum einem Kritiker in den Sinn.

Den Frieden mit der Schwesterpartei will die CDU-Vorsitzende bewahren, auch wenn der Einfluss von CSU-Chef Horst Seehofer bröckelt. Die klaren CDU-Siege an der Saar, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, die Merkel im Frühjahr so wichtigen Rückhalt geben, scheinen schon ziemlich verblasst.

2. Die SPD zwischen Frust und Pflicht

SPD-Chef Martin Schulz beschert das Jahr eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Erst der Höhenflug in Umfragen - dann die desaströse Niederlage als Merkel-Rivale.

Die Staatskanzleien in Kiel und Düsseldorf sind auch futsch. Zum Finale holt wenigstens Stephan Weil in Hannover den einzigen sozialdemokratischen Sieg.

Nach dem 20,5-Prozent-Debakel im Bund macht Schulz sofort klar: Es geht um nicht weniger als "die Neuaufstellung der Partei" - und zwar in der Opposition.

Aber muss die geplante Regeneration nun doch ausfallen? Aus einer von vielen Genossen so sehr ersehnten Regierungspause könnte nichts werden: Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen bleibt rechnerisch wieder nur die Option Schwarz-Rot.

3. Keine Experimente im Bund

Die Aussicht auf eine nie da gewesene Bundesregierung aus Schwarz, Gelb und Grün beflügelt die Fantasien vieler Politstrategen. Zumal das Wahljahr einen Vorläufer hervorbringt: in Schleswig-Holstein.

Dabei ist klar, dass in Berlin alles schwieriger ist. In quälenden Sondierungen kommen sich Grüne und Union nah wie nie. Doch dann lässt die frisch in den Bundestag zurückgekehrte FDP das Jamaika-Experiment platzen.

Nach sachtem Druck von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier raufen sich wohl wieder Union und SPD zu Gesprächen zusammen. Läuft es, bekäme Merkel die vierte Amtszeit mit ihrer dritten GroKo.

Dabei zeigt sich 2017 wieder die Bandbreite möglicher Koalitions-Spielarten. In NRW feiert sogar das fast schon totgesagte Schwarz-Gelb ein Comeback.

4. Die AfD und die neuen Gräben

Die AfD zieht in diesem Jahr in die Landesparlamente elf bis 14 ein. Jedoch gelingen ihr die Sprünge über die Fünf-Prozent-Hürde eher knapp, nachdem 2016 zweistellige Ergebnisse in Serie standen.

Just zur Bundestagswahl haben die Rechtspopulisten aber ihr Hoch und holen spektakuläre 12,6 Prozent. Dabei fördert die AfD neue Gräben zutage: Im Osten des Landes schneidet sie doppelt so stark ab wie im Westen.

Ausgerechnet im CSU-Revier Bayern holt die AfD aber ihr bestes West-Ergebnis. Entsprechend alarmiert sind die Christsozialen, die im Herbst 2018 ihre absolute Mehrheit verteidigen wollen.

Neben dem Freistaat ist im neuen Jahr nur in Hessen Landtagswahl.

5. Wahlbeteiligung steigt - aber nicht überall

Ein Trend setzt sich 2017 fort: Sämtliche Landtagswahlen ziehen mehr Bürger an die Urnen. Auch im Bund steigt die Wahlbeteiligung deutlich - im Vergleich zum vorigen Mal um fast fünf Punkte auf 76,2 Prozent.

Dabei können alle ins Parlament gewählten Parteien davon profitieren, dass wieder mehr Nichtwähler mitmischen - mit Abstand am stärksten die AfD, aber auch die FDP.

Allerdings: Ausgerechnet bei Abstimmungen, die Bürgern besonders nahe sein könnten, ist die Beteiligung auch im Superwahljahr vielfach schwach.

Zu mehreren Oberbürgermeister-Wahlen von Offenbach bis Pforzheim geht weniger als die Hälfte. In Lübeck sind es in der Bürgermeister-Stichwahl nicht einmal 33 Prozent.  © dpa

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