Für einen PCR-Test auf das Coronavirus SARS-CoV-2 wird meist ein langes Stäbchen durch die Nase geführt, um einen Abstrich zu nehmen. In Sozialen Netzwerken kursiert nun das Gerücht, damit werde ein Loch in der "Blut-Hirn-Schranke" verursacht, das gefährliche Infektionen begünstige. Das ist falsch.

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Eine Kolumne
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"Hör auf, dich testen zu lassen, wenn du nach 2021 leben willst": So dramatisch beginnen einige der Beiträge auf Facebook, die in den vergangenen Wochen Menschen davon abbringen sollten, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Der Test diene einem ganz anderen Zweck, als man den Getesteten weismachen wolle, wird darin behauptet. "Die Einführung des Stäbchens sehr tief in die Nasenbahnen verursacht eine hämato-enzephalische Barriereschädigung in der Schädeltiefe." So werde ein direkter Zugang zum Gehirn für jede Infektion" geschaffen.

Diese Schilderungen sind falsch, zeigen Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck. Durch den Abstrich für den PCR-Test kann es zu keinen solchen Verletzungen kommen.

Mit einem Schaubild und falschen Behauptungen über die angebliche Zerstörung der "Blut-Hirn-Schranke" durch den Nasenabstrich soll den Menschen Angst vor einem Corona-Test gemacht werden.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt zur Diagnostik von SARS-CoV-2 "möglichst Proben parallel aus den oberen und den tiefen Atemwegen" zu entnehmen. Für die tiefen Atemwege gibt es die Möglichkeit eines Rachenabstrichs oder Nasenrachenabstrichs. Diese dienen der PCR-Diagnostik zum direkten Erregernachweis. PCR steht für Polymerase-Kettenreaktion (engl. polymerase chain reaction); der Test weist nach, ob Erbgut des Coronavirus vorhanden ist.

Eine Schädigung durch Abstrichröhrchen ist unmöglich

Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeige, dass ein Nasenrachenabstrich einem Rachenabstrich vorzuziehen sei, denn "die Erregerkonzentration im Abstrich des Nasenrachens (Nasopharynx) [ist] im Vergleich 10 bis 100-fach höher".

An diesem Abstrich sei nichts gefährlich, schreibt uns Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, per E-Mail. Schmerzhaft könne das Einführen des Stäbchens für den Nasopharynx-Abstrich zwar sein: "Die Nasenschleimhaut ist empfindlich, vor allem bei Entzündungen."

Eine wie in den Facebook-Beiträgen beschriebene "hämato-enzephalische Barriere" gebe es nicht. "Es gibt eine Blut-Hirn-Schranke, die dafür sorgt, dass Blutbestandteile nicht in den Nervenwasser-Raum gelangen können." Diese befinde sich aber nicht in der Nase, erklärt der Neurologe.

Auch könne der Coronatest keine Schädigung der Schädeldecke verursachen: "Zwischen Gehirn und Nase sind unter anderem Knochen und Hirnhaut – eine Schädigung durch Abstrichröhrchen ist unmöglich.“

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