Es ist eine der ersten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gewesen: das Absagen von Großveranstaltungen. Zugleich ist es eine der wenigen Regelungen, die nach wie vor bestehen - und auch auf absehbare Zeit noch bleiben. Der Chef des Kassenärzte-Verbandes, Andreas Gassen, kritisiert das.

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Genau vor einem halben Jahr, am 11. März, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung des Coronavirus zur Pandemie erklärt. Bereits in den Tagen zuvor waren damals Tausende Veranstaltungen in Deutschland gestrichen oder verschoben worden: Konzerte, Sportveranstaltungen, Messen.

Der Chef des Kassenärzte-Verbandes, Andreas Gassen, hält nun allerdings Lockerungen der Corona-Regeln in dem Bereich für möglich, etwa für Stadien. "Man kann den Panikmodus ausschalten", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) dem Wirtschaftsmagazin "Business Insider".

Es gebe derzeit keine Corona-Hotspots mit explosionsartig steigenden Infektionszahlen, die Zahlen der Intensivpatienten und der Sterbefälle seien auf niedrigem Niveau. "Die Zahlen geben Anlass, Corona-Maßnahmen zu überdenken, ohne leichtsinnig zu werden."

Gassen: Genug Abstand in Stadien

Konkret bezog sich Gassen auf Veranstaltungen. "Mir leuchtet nicht ein, warum in einem Stadion für bis zu 60.000 Menschen nicht Veranstaltungen mit 5.000 bis 8.000 Menschen Platz finden können, wie es Ende August in der Waldbühne in Berlin ja erfolgreich praktiziert wurde." Entscheidend sei hierbei lediglich, wie man Nadelöhre mit engen Kontakten vermeide, damit das Ansteckungsrisiko minimiert werde.

Die Gefahr einer zweiten Welle könne man aktuell nicht seriös bewerten, erklärte Gassen. "Ich weiß nicht, ob es eine echte zweite Welle oder eher mehrere kleinere 'Dauerwellen' geben wird."

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gab am Freitag die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen mit 256.850 an – ein Plus von 1484 seit dem Vortag. Das RKI registrierte 9342 Todesfälle und damit nur einen mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesenen lag demnach bei etwa 230.600. (dpa/afp/mf)

Epidemiologe warnt vor Rückkehr zu Großveranstaltungen

Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz rät angesichts steigender Infektionen in der Corona-Pandemie von einer Rückkehr zu Großveranstaltungen ab. Bei Großveranstaltungen gebe es mehrere Risiken, die beachtet werden müssten.
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