Auf Facebook behauptet ein Nutzer, niemand habe aktuell die Grippe, diese sei verschwunden und fordere sonst jährlich 25.000 Tote. Eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt: Das stimmt nicht.

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Eine Kolumne
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Immer wieder tauchen in den sozialen Netzwerken Vergleiche zwischen COVID-19 und der Grippe auf. In einem aktuellen Beitrag heißt es, die Grippe habe kürzlich noch 25.000 Tote jährlich gefordert, sei nun aber im Gegenteil zum Coronavirus "komplett ausgerottet".

Eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt, dass das nicht stimmt. Die Grippewelle an sich startet meist gegen Januar. Zudem führen die Behauptungen zu den Todeszahlen und der angeblichen "verschwundenen" Influenza in die Irre.

Influenza-Todeszahlen schwanken jährlich stark

Todesfälle durch Influenza werden jede Saison erneut anhand der sogenannten "Übersterblichkeit" statistisch geschätzt und schwanken stark, wie CORRECTIV bereits in älteren Faktenchecks berichtete. So starben in der Saison 2017/18 zwar tatsächlich 25.000 Menschen in Deutschland an der Grippe – das ist aber eine ungewöhnlich hohe Zahl. So gab es in den vergangenen Jahren auch Saisonen, in denen es so gut wie keine Todesfälle gab – zum Beispiel 2010/11, 2013/14 oder 2015/16.

Die Saisonale Grippe ist nicht "ausgerottet"

Der Facebook-Beitrag führt mit der Aussage, die Influenza sei "ausgerottet", in die Irre. Die aktuelle Saison hat zwar schon begonnen, aber nicht die "Grippewelle" im eigentlichen Sinne: Die Saison beginnt laut Robert-Koch-Institut (RKI) meist im Oktober, die Phase mit erhöhtem Krankheitsgeschehen durch die Influenza erst im Januar.

Das bestätigte uns eine RKI-Sprecherin noch einmal per E-Mail. Die aktuelle Saison verläuft derzeit mild, einen möglichen Grund dafür sieht das RKI etwa in der Einhaltung der Abstandsregeln und dem Tragen von Gesichtsmasken (AHA(+L)-Regeln). Das Ansteckrisiko sei dadurch reduziert.

Seit Beginn der Grippesaison wurden laut RKI insgesamt 174 laborbestätigte Influenza-Infektionen gemäß Infektionsschutzgesetz gemeldet. Im Vorjahr habe es um diese Zeit zwar bereits das Achtfache an Fällen gegeben (PDF, Seite 5) – aber die Krankheit ist keinesfalls "verschwunden".

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