Die Spargelsaison beginnt. Wegen der Coronakrise fehlen in diesem Jahr aber Erntehelfer aus dem Ausland. Eine Jobbörse soll jetzt Abhilfe schaffen. Manchen ist das als Maßnahme zu wenig.

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Die Spargelernte steht vor der Tür und leitet damit die diesjährige Saison für die Ernte von Obst, Gemüse und anderen Feldfrüchten ein. Was eigentlich ein Grund zur Freude ist, droht in Zeiten der Coronakrise schnell zum Dilemma zu werden.

Denn es fehlen Erntehelfer. 290.000 Hilfskräfte werden jährlich auf deutschen Äckern benötigt, die meisten von ihnen kommen seit Jahren aus dem Ausland.

Einreisestopp für Saisonarbeiter aus Osteuropa

60 Prozent der Erntehelfer in Deutschland stammten in den Vorjahren aus Rumänien, ein weiteres Drittel aus Polen. Auch aus Bulgarien und Ungarn arbeiteten bisher viele Arbeitskräfte auf deutschen Feldern.

Doch um Infektionsketten durch das Virus zu unterbrechen, hat das Bundesinnenministerium am Mittwoch, den 25. März kurzfristig ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter aus Osteuropa angeordnet. Schon zuvor waren durch die erschwerten Einreisewege und die allgemeine Verunsicherung viel weniger Erntehelfer nach Deutschland gekommen als in den Vorjahren.

In der Landwirtschaft beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit, denn anders als Großveranstaltungen wie eine Europameisterschaft oder die Olympischen Spiele lässt sich eine Ernte nicht verschieben.

Die Politik setzt auf Helfer aus der Region – und auf eine Jobbörse

Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, setzt die Politik nun auf Erntehelfer aus den Regionen. Darum hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesverband der Maschinenringe e. V. am Montag, den 23. März eine Online-Jobbörse gestartet.

Auf dem kostenlosen Portal "Das Land hilft" können Landwirte in wenigen Schritten kostenlos eine Stellenanzeige aufgeben. Helfer können ebenso unkompliziert ein Jobgesuch starten und ihre Arbeitskraft anbieten.

Die Plattform, die auch von den Arbeitsagenturen unterstützt wird, richtet sich an alle Menschen, die aufgrund der Coronakrise ihren eigentlichen Job nicht ausüben können, wie etwa Beschäftige der Gastro- und Hotelindustrie. Aber auch Studenten oder Arbeitslose können sich dort unkompliziert als Erntehelfer registrieren lassen.

Für Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, scheint es zudem auch denkbar, zusätzlich Asylbewerber ohne Arbeitserlaubnis als Saisonkräfte auf den Feldern einzusetzen. Das könne eine weitere Option sein, schrieb sie in einem Brief an Arbeitsminister Hubertus Heil, über den das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" berichtete.

Die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus

Das erste Zwischenfazit zu dem Portal falle sehr positiv aus. Wie Julia Klöckner im Radiosender SWR verkündete, werde das Portal "förmlich überrannt". Bereits am ersten Tag hätten sich 16.000 Menschen gemeldet, die in der Landwirtschaft aushelfen wollten. Sie werte dies als "tolles Zeichen, wie auch Gesellschaft zusammenhält".

Am Donnerstag (26. März) verkündete Klöckner außerdem, dass Nebeneinkünfte nicht mehr auf die Kurzarbeit angerechnet werden. Auch die Hinzuverdienst-Grenzen wurden in den entsprechenden Bereichen aufgehoben.

Hoffnung bei den Bauern, aber es bleiben auch Zweifel

Wie die Deutsche Presseagentur dpa am Donnerstag berichtete, hoffen manche Bauern nach wie vor, dass es ihren erfahrenen Erntehelfern aus Rumänien möglich gemacht werde, einzureisen. Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) äußerte sich gegenüber der dpa kritisch zu dem vom Bundesinnenministerium angeordneten Einreiseverbot für Saisonarbeiter.

Der Einreisestopp werde zu riesigen Problemen im Obst- und Gemüsebau führen und müsse aufgehoben werden. "Was jetzt nicht angebaut wird, kann auch nicht geerntet werden."

Nicht leicht zu ersetzen

Viele Bauern seien laut Bericht der dpa der Auffassung, die geübten Fachkräfte ließen sich nicht so leicht ersetzen. Während sich Erdbeeren zum Selberpflücken anbieten, könnten Ungeübte beim Spargelstechen einiges falsch machen und Schaden anrichten. Um auf dem Feld arbeiten zu können, müsse man angelernt werden.

Die Tätigkeit sei zudem körperlich sehr hart und erfordere Fitness und Durchhaltevermögen. Somit wirft die aktuelle Lage Licht auf eine Tätigkeit, die körperlich sehr anstrengend ist und für die zumeist nur der Mindestlohn gezahlt wird.

Verwendete Quellen:

  • daslandhilft.de
  • dpa
  • SWR2: Agrarministerin Klöckner: Erntehelferportal wird "überrannt"
  • Tagesschau: Asylbewerber als Erntehelfer?
  • Welt: Ernte ohne ausländische Helfer – was der Einreise-Stopp für uns bedeutet
  • Stuttgarter Nachrichten: Erntehelfer werden aus Rumänien eingeflogen
  • BR24: Wegen Corona fehlen viele Erntehelfer
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Coronavirus - Fragen und Antworten
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