Es ging um das Labor in Wuhan: Vor dem US-Kongress ist ein Wortgefecht zwischen Virusexperte Anthony Fauci und einem Trump-treuen Senator eskaliert. Dabei wurde ersterer für seine Verhältnisse ungewohnt giftig.

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Anthony Fauci ist nicht unbedingt als Mann bekannt, der schnell aus der Haut fährt. Der US-Top-Virologe und Berater des Weißen Hauses hat im vergangenen Jahr zahllose Attacken von republikanischen Abgeordneten erlebt – und nahezu immer kühl und stoisch gegenargumentiert. Senator Rand Paul allerdings hat es nun geschafft, Fauci zu einer mittelschweren Wutrede zu provozieren.

Tatsächlich ist die Anschuldigung des Republikaners in Richtung Fauci während einer Anhörung im US-Kongress erheblich. Paul bezichtigt den Virologen, in der Vergangenheit vor dem Kongress gelogen zu haben.

Es geht um die sogenannte "Gain of Function"-Forschung. Dabei werden Viren oder Bakterien künstlich neue Eigenschaften verliehen. Damit kann etwa die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt oder die Vorhersagbarkeit bei einem Krankheitserreger verbessert werden.

Senator Paul legt in der Anhörung nahe, dass dies auch in dem Virus-Labor im chinesischen Wuhan geschehen sei. In dieser Provinz wurde das Coronavirus zum ersten Mal festgestellt. Es gibt Theorien, wonach das Virus in dem Labor seinen Ursprung gehabt haben könnte. Die Forschung, so Paul, sei unter anderem von den US-amerikanischen National Institutes of Health mitfinanziert worden. Fauci habe dies gewusst – aber im Mai vor dem US-Kongress auf eine entsprechende Frage hin gelogen. Dann macht der Senator Fauci indirekt für die vielen Todesopfer der Pandemie mitverantwortlich.

Fauci wird deutlich

Diese Anschuldigung will der Virologe so gar nicht auf sich sitzen lassen: "Senator Paul. Sie haben keine Ahnung, wovon Sie reden. Das möchte ich hier einmal ganz offiziell sagen: Sie haben keine Ahnung, wovon Sie reden." Eine Studie, die Paul immer als angeblichen Beleg zitiert, kommt laut Fauci zu einem ganz anderen Schluss: "Das Papier wurde von qualifizierten Experten auf allen Ebenen bewertet – es geht dabei nicht um Gain of Function."

In der Folge geht es noch eine Weile hin und her, immer wieder fällt der Senator dem sichtlich empörten Virologen ins Wort. Zwischenzeitlich droht das Gespräch zu entgleisen, die Leiterin des Ausschusses bemüht sich mit mäßigem Erfolg um Kontrolle. Schließlich sagt Fauci als Replik auf die wiederholte Anschuldigung: "Wenn hier jemand lügt, Senator, dann sind Sie das."

Hier finden Sie das komplette Wortgefecht (ab etwa Minute 2:40):

Provokationen dürften geplant sein

Es ist nicht das erste Mal, dass Fauci und Paul – der sich unter anderem öffentlich gegen das Tragen von Masken ausspricht – aneinandergeraten. Kritiker werfen dem Senator aus Kentucky vor, mit seinem Verhalten vor allem bei der rechten Wählerschaft punkten zu wollen. Er gilt als eifriger Verteidiger von Ex-Präsident Donald Trump.

In seinen Abschlussworten geht Fauci dann auch noch einmal auf Pauls offensichtlich gezielte Provokation ein: "Da ist ein Muster bei Senator Paul zu erkennen. Er hat sich in anderen Anhörungen ähnlich verhalten, ohne Bezug zur Realität. (…) Ich habe nicht vor dem Kongress gelogen. Ich lüge überhaupt nicht. Und ganz sicher nicht vor dem Kongress. Der Fall ist erledigt."  © DER SPIEGEL

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