In den sozialen Netzwerken wird ein gefälschtes Zitat von Außenminister Heiko Maas geteilt. Er fordere angeblich, dass man nur noch gegen die Vorlage eines Impfausweises Lebensmittel bekommt. Das hat der Politiker aber nie gesagt.

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Eine Kolumne
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Auf Facebook und WhatsApp wird ein erfundenes Zitat des deutschen Außenministers Heiko Maas (SPD) verbreitet. Er soll gefordert haben, dass Lebensmittel nur noch an Menschen verkauft werden sollen, die einen Impfpass vorweisen können, "um die Impfbereitschaft aller Bürger zu fördern".

CORRECTIV.Faktencheck hat bei der Pressestelle des Auswärtigen Amtes nachgefragt, ob der Minister das wirklich gesagt hat. Ein Sprecher teilte uns per E-Mail mit, dass das Zitat falsch sei: Es handele sich "nicht um eine Äußerung des Außenministers, weder so, noch in ähnlicher Form".

Keine Hinweise für das angebliche Zitat von Heiko Maas

Wir haben außerdem durch eine Google-Suche und eine Suche in der Zitate-Datenbank Spaactor versucht, das Zitat zu finden. Bei Google ergab unsere Suche nach dem ganzen Zitat nur fünf Treffer, davon sind drei Faktenchecks, die das angebliche Zitat als falsch einstufen. Die übrigen Treffer sind Blogs, die das angebliche Maas-Zitat ohne Belege oder Quellen weiterverbreiten.

Außerdem haben wir nach den Schlagworten "Maas Impfpass Lebensmittel" gesucht und auch die Kombination "Maas Lebensmittelhändler Impfpass" ausprobiert. Aber beide Suchanfragen brachten keine relevanten Ergebnisse.

Im Januar hatte sich Heiko Maas dafür ausgesprochen, dass Geimpfte wieder früher als andere Menschen in Restaurants oder Kinos gehen dürfen. Mehrere Medien hatten über diesen Vorschlag des Außenministers und Kritik daran berichtet (hier und hier). Von Lebensmittelkäufen ist dabei jedoch nicht die Rede gewesen.

Lockerungen für Geimpfte und Genesene beziehen sich nicht auf Supermärkte

Am 9. Mai trat in Deutschland eine Verordnung in Kraft, die Erleichterungen für Geimpfte und Genese vorsieht. So entfallen für diese Menschen zum Beispiel die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen, sie dürfen auch ohne Tests in Geschäfte, Zoos oder zum Friseur. Nach einer Reise im Ausland müssen sie nicht mehr in Quarantäne, es sei denn, sie haben sich in einem sogenannten Virusvariantengebiet aufgehalten.

Auch hier geht es aber nicht um Einkäufe von Lebensmitteln – für den Besuch im Supermarkt ist generell auch kein Corona-Test nötig, es besteht lediglich die Maskenpflicht und gegebenenfalls wird die Anzahl der Personen, die in einem Supermarkt einkaufen dürfen, begrenzt.

Immer wieder werden Politikerinnen und Politikern falsche Zitate in den Mund gelegt. CORRECTIV.Faktencheck hatte erst im März die falsche Behauptung widerlegt, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer plane eine Testpflicht für Lebensmitteleinkäufe.

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