• Ex-US-Präsident Donald Trump wollte vergangenen März den deutschen Impfstoffhersteller CureVac komplett übernehmen.
  • Die Hoffnungen, die man in das Tübinger Unternehmen setzte, waren bis vor ein paar Monaten riesig.
  • Doch inzwischen haben andere Hersteller die Nase vorn. Warum?

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Die Wissenschaftler und Experten sind sich einig: Die Impfstoffentwicklung im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Niemals zuvor wurde so schnell ein neuer Impfstoff entwickelt.

Internationale Zusammenarbeit, extremer Einsatz der Forscher und Forscherinnen sowie natürlich eine gewaltige finanzielle Unterstützung durch die Politik haben diesen Erfolg möglich gemacht, der ein Licht am Ende des Tunnels aus Lockdown, Todeszahlen und schweren Erkrankungen bedeutet.

Mit am hellsten leuchtete dieses Licht noch vor einigen Monaten beim Tübinger Impfstoffhersteller CureVac. Das Unternehmen hat sich auf die sogenannte RNA-Technologie zur Impfstoffentwicklung spezialisiert.

CureVac-Boss trifft Donald Trump - Miteigentümer Dietmar Hopp macht Hoffnung

Anfang März 2020 präsentierte Daniel Menichella, der damalige Vorstand des Biotech-Unternehmens, im Weißen Haus US-Präsident Donald Trump den Zwischenstand der CureVac-Forschung und gab sich zuversichtlich, schon im Juni 2020 mit den ersten klinischen Tests starten zu können.

CureVac-Haupteigentümer Dietmar Hopp sagte Mitte März öffentlich, das Tübinger Pharmaunternehmen sei bei schneller Genehmigung durch die Behörden "in der Lage, den Impfstoff im Herbst zu liefern".

Gerüchte kamen auf, Trump wolle deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika locken, die Firma kaufen oder zumindest das Medikament exklusiv für sein Land sichern. Ob es tatsächlich ein Übernahmeangebot aus den USA gab, ist bis heute ungeklärt.

Vielversprechender Börsenstart - Kooperation mit Bayer

Klar ist aber, dass Vorstandsboss Menichella seinen Job kurz nach seiner Stippvisite im Weißen Haus los war und die Bundesregierung im Juni 2020 Anteile am Unternehmen für 300 Millionen Euro erwarb.

Mitte August ging CureVac in den USA an die Börse – am ersten Tag stieg der Preis für die Aktie um satte 250 Prozent. Die Zukunftsaussichten des Unternehmens schienen rosig.

Doch inzwischen ist es ziemlich ruhig geworden um CureVac. Auch die Nachricht, dass sich die Tübinger mit dem Pharmariesen Bayer auf eine Kooperation geeinigt haben, kann nicht davon ablenken, dass andere Hersteller das Rennen gewonnen haben.

Qualität statt Schnelligkeit - CureVac sieht sich im Zeitplan

Warum haben die anderen Unternehmen die Nase vorn? "Wir haben uns entschieden, zu Beginn der Entwicklung Zeit und Know-how in die Optimierung unseres Impfstoffkandidaten zu investieren, um einen möglichst guten Kandidaten zu entwickeln, der eine ausgewogene Immunantwort induziert und mit unserem neuen, hochskalierten Produktionsprozess hergestellt werden kann", erklärt die Kommunikationsabteilung von CureVac auf schriftliche Anfrage unserer Redaktion.

"Unser Ziel war es immer, den besten Kandidaten voranzubringen und parallel dazu die Produktionskapazitäten hochzufahren und sicherzustellen. (...) Wir befinden uns in unserem Zeitplan."

CureVac baut auf "enorm hohen Bedarf" an Impfstoffen weltweit

In der EU zugelassen sind bisher nur die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Mit AstraZeneca aus Großbritannien kommt voraussichtlich bis Ende Januar ein dritter Anbieter hinzu.

CureVac gibt sich - zumindest nach außen hin - gelassen: "Wir begrüßen die Tatsache, dass die ersten Impfstoffe gegen COVID-19 auf dem Markt sind. Da es sich um eine weltweite Pandemie handelt, werden Impfstoffe mehrerer Anbieter nötig sein, um den enorm hohen Bedarf decken zu können."

Zulassung im Sommer angestrebt

Momentan befindet sich der Tübinger Impfstoff in der entscheidenden dritten Studienphase mit Zehntausenden Probanden.

Im Dezember 2020 habe CureVac "die Phase 2b/3-Studie für unseren COVID-19 Impfstoffkandidaten CVnCoV gestartet" und erwarte "zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres erste Daten dazu", mit denen man dann in den Zulassungsprozess gehen wolle.

Durch die Unterstützung des Chemieriesen Bayer hofft CureVac nun also auf eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs im Sommer.

Die drei Phasen der Impfstofftestung, die Dauer bezieht sich auf Durchschnittwerte. Beim Coronavirus kann die Entwicklung und Zulassung bei gleichbleibender Sicherheit beschleunigt werden, weil zeitgleich getestet, geprüft und ausgewertet wird. Darüber hinaus stehen wegen der laufenden Pandemie auch ausreichend freiwillige Testpersonen zur Verfügung.

Curevac arbeitet wie der deutsche Konkurrent Biontech mit einem Wirkstoff auf Basis von messenger-Ribonukleinsäure (mRNA), die auch als Boten-RNA bezeichnet wird.

Bei mRNA-Impfstoffen werden keine Krankheitserreger oder deren Bestandteile benötigt wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Vielmehr werden einigen wenigen Körperzellen mit dem Impfstoff Teile der Erbinformation des Virus als RNA mitgegeben - geliefert wird so der Bauplan für einzelne Virusproteine, die auch als Antigene bezeichnet werden.

Vorteil CureVac: Impfstoff bleibt im Kühlschrank stabil

Zellen nehmen diese Erbinformation auf und produzieren daraus harmlose Erregerteile, auf die das Immunsystem reagiert. Es speichert die Immunantwort ab, die später gegen eine echte Infektion schützt.

Im Gegensatz zum Biontech-Impfstoff, der längerfristig bei minus 70 Grad gelagert werden muss, bleibt der CureVac-Impfstoff nach Unternehmensangaben auch bei Kühlschrank-Temperatur mindestens drei Monate stabil.

Lesen Sie auch: Biontech und Moderna: Corona-Impfstoffe im Vergleich

Verwendete Quellen:

  • Schriftliche Stellungnahme der CureVac AG
  • tagesschau.de: "Was ist eigentlich mit CureVac?"
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Impfstoff-Allianz soll bei Herstellung helfen

Der Pharmakonzern Bayer und das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac ziehen bei einem Corona-Impfstoff an einem Strang. Die beiden Unternehmen schlossen einen Kooperations- und Servicevertrag, wie sie am Donnerstag mitteilten.