Die Niederlande trifft es hart: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in dem EU-Land ist seit Mitte September drastisch gestiegen. Bis auf Zeeland gelten alle Provinzen als Risikogebiet. Ein Überblick über Zahlen, aktuelle Regelungen und worauf Reisende achten sollten.

Anfang September war die Situation noch im grünen Bereich. Die Zahl der positiv gemeldeten Fälle in der Niederlande war in Bezug auf die Einwohnerzahlen mit den Nachbarländern vergleichbar. Doch in den vergangenen Wochen sind die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt.

Mit rund 183 Infektionen auf 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen (Stand 9. Oktober) nehmen die Niederlande in Europa damit eine traurige Spitzenposition ein. Sie gehören nun neben Spanien und Frankreich zu den drei EU-Staaten mit der höchsten Anzahl von Coronavirus-Infektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

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Die niederländische Behörde für Volksgesundheit RIVM vermeldet dieser Tage Fallzahlen, die jene von März und April bei Weitem übertreffen. Auch die schweren Fälle nehmen zu: Laut dem Nationalen Koordinierungszentrum für Patientenverteilung (LCPS) mussten am Samstag 1190 Corona-Patienten im Krankenhaus versorgt werden, davon 235 auf der Intensivstation.

Reisewarnung für fast alle Provinzen der Niederlande

Amsterdam, Rotterdam, Den Haag: Nicht nur die Metropolen in Nord- und Südholland, den beiden bevölkerungsreichsten Provinzen des Landes, wurden mittlerweile zum Risikogebiet erklärt. Das Auswärtige Amt warnt mittlerweile vor "nicht notwendigen touristischen Reisen" in nahezu alle Provinzen der Niederlande. Die Reisewarnung gilt demnach für:

  • Nordholland (mit Amsterdam)
  • Südholland (mit den Städten Den Haag und Rotterdam)
  • Limburg, Utrecht, Nord Brabant, Groningen, Gelderland, Flevoland, Drenthe, Overijssel und Friesland

Ausgenommen von der Warnung sind derzeit nur noch die bei deutschen Urlaubern beliebte Provinz Zeeland, sowie die Inseln Aruba und Curacao sowie Sint Maarten in der Karibik, die zu den Niederlanden zählen. Aber auch in Zeeland sei inzwischen ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten, heißt es.

Keine Einreisebeschränkungen für Deutsche

Trotz der ausgesprochenen Reisewarnung ist die Einreise in die Niederlande für deutsche Staatsbürger weiterhin ohne Einschränkungen möglich. Zwischen den Niederlanden und Deutschland finden keine Grenzkontrollen statt. Auch Transitreisen sind möglich.

Generell gilt, dass Reisende aus Ländern, deren Gesundheitsrisiko gleich oder niedriger als das der Niederlande eingestuft ist, uneingeschränkt einreisen können, wie das Auswärtige Amt mitteilt. Der niederländische Index verfolgt ein Ampelsystem, nach dem Deutschland als gleich eingestuft ist, beide Länder sind "gelb".

Quarantäne für Niederlande-Urlauber

Aus deutscher Sicht gelten jedoch für Reisende, die Urlaub in den Risikogebieten der Niederlande machen, die gleichen Regeln wie für andere Urlauber in Risikoländern. Bei der Rückkehr nach Deutschland müssen sie sich auf das Coronavirus testen lassen und sich in häusliche Quarantäne begeben. Diese darf erst verlassen werden, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt oder 14 Tage verstrichen sind. Wer gegen diese Quarantäne-Regeln verstößt, dem drohen empfindliche Bußgelder.

Die Regeln gelten nicht, wenn nur durch ein Risikogebiet durchgereist und sich dort nicht aufgehalten wird. Auch für Kurzaufenthalte, Grenzpendler, Schüler und Studenten gibt es im sogenannten kleinen Grenzverkehr gesonderte Regelungen.

Die Quarantäne-Pflicht entfällt außerdem, wenn man bei der Einreise über einen negativen Corona-Test verfügt, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die genauen Regeln führt ein Infoblatt des Bundesgesundheitsministeriums auf. Weitere Details und auch Ausnahmen von der Quarantäne-Pflicht findet man zudem in der aktuellen Corona-Einreiseverordnung des jeweils zuständigen Bundeslandes (Wohnort).

Bei einem Urlaub in der Provinz Zeeland ist kein Test und auch keine Quarantäne bei der Rückreise nach Deutschland notwendig.

Regeln und Maßnahmen im Land

Generell gilt in den Niederlanden, dass Personen, die nicht zu einem Haushalt gehören, 1,5 m Abstand untereinander einhalten müssen. Angesichts der schnell steigenden Fallzahlen haben die Niederlande jedoch ihre Corona-Regeln für zunächst drei Wochen verschärft.

Dazu gehört, dass alle Sportveranstaltungen ohne Publikum stattfinden müssen, Cafés und Restaurants um 22 Uhr schließen und ab 21 Uhr keine neuen Gäste mehr einlassen. Außerdem dürfen insgesamt nur noch 30 Menschen zugleich in einem Lokal sein, im Freien 40.
Für alle Kontaktberufe wie Friseur oder Masseur ist eine Registrierung der Kunden verpflichtend. Die Niederlande sind bei Gesichtsmasken bisher sehr zurückhaltend gewesen. So gilt eine Maskenpflicht nur im öffentlichen Personenverkehr. Allerdings hat die Regierung in der vergangenen Woche die "dringende Empfehlung" ausgesprochen, in öffentlichen Gebäuden und Räumen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. In den eigenen vier Wänden darf man nur noch drei Gäste empfangen. Außerdem sollen, falls möglich, wieder von zu Hause aus gearbeitet werden.
"Entweder wir schaffen es, die Zahl der Infizierungen zu senken oder wir schaffen es nicht", sagte Gesundheitsminister Hugo de Jonge. "Dann sind härtere Maßnahmen nötig." Es droht die Stilllegung des gesamten Gastronomie-, Sport- und Kultursektors und ein Lockdown.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde RIVM wird sich frühestens kommende Woche zeigen, ob die Maßnahmen helfen. Ein deutlicher Rückgang der täglichen Infektionszahlen wird jedoch nicht vor Mitte Oktober erwartet.

Risikogebiet Niederlande - Was bedeutet das für Urlaubsbuchungen?

Urlauber, die eine Reise in die niederländischen Risikogebiete gebucht haben, bevor diese als entsprechend eingestuft wurden, können ihren Urlaub in den meisten Fällen kostenlos stornieren. Grundlage dafür ist laut Gesetz, dass "außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände" vorliegen. Die deutschen Gerichte erkennen diesen an, sobald eine offizielle Reisewarnung gilt.

Für Individualreisende gestaltet sich die Situation schwieriger, vor allem, wenn sie beispielsweise ihre Unterkunft direkt beim Anbieter in den Niederlanden gebucht haben. Dann greift dort das niederländische Recht, das Übernachtungen in Hotels und Ferienwohnungen bislang nicht verbietet.

Verwendete Quellen:

RKI weist neue Risikogebiete aus: Diese Länder sind betroffen

Die Liste der Corona-Riskogebiete wird wieder länger. Weitere Provinzen in den Niederlanden, Schottland und Nordengland zählen nun dazu. Die Bundesregierung gab eine Reisewarnung heraus. Schleswig-Holstein schickt Reisende aus Berlin-Mitte in Quarantäne.