7.000 Neuinfektionen pro Tag mit dem Coronavirus in Deutschland: SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach sah diese Zahl bereits vor vier Wochen voraus und musste sich dafür attackieren lassen. Alle Infos zur Pandemie im Live-Blog.

  • 11:57 Uhr: Hamsterkäufe wie im März: Hygienepapierhersteller in Sonderschichten
  • 11:22 Uhr: Früherer Schwimmstar flüchtet aus Corona-Quarantäne in Israel
  • 10:44 Uhr: Karl Lauterbach liegt mit Voraussage zu Neuinfektionen exakt richtig
  • 09:39 Uhr: Gesamtes Ruhrgebiet gilt als Risikogebiet

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Top-News: 7.000 Neuinfektionen in 24 Stunden - Lauterbachs Prognose bewahrheitet sich

10:44 Uhr: SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach wurde in den vergangenen Monaten mehrfach kritisiert und teils verlacht, wenn er bezüglich des Ausmaßes der Corona-Pandemie in Deutschland warnte.

Dies war auch am 21. September 2020 der Fall. Damals saß Lauterbach in der ARD-Talkrunde "Hart aber fair" bei Moderator Frank Plasberg. Lauterbach prophezeite für den Herbst aufgrund zunehmender Innenraumereignisse einen bedenklichen Anstieg an täglichen Neuinfektionen und legte sich sogar auf eine Zahl fest: "Ohne eine Veränderung der derzeitigen Wetterverhältnisse hätten wir in fünf Wochen 7.000 Fälle pro Tag." Bereits vier Wochen später - am 20. Oktober 2020 - ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei 7.000 angekommen.

Alle weiteren Corona-Meldungen des Tages im Überblick:

Die Verbraucher hamstern wieder: "Es wird keine Unterversorgung geben"

11:57 Uhr: Für Hamsterkäufe von Klopapier und Co gibt es aus Sicht des Hygienepapierherstellers Fripa aus dem unterfränkischen Miltenberg keinen Grund. "Deutschland ist mit Hygienepapier sehr gut versorgt, die Lieferketten funktionieren", sagte Verkaufsleiter Jürgen Fischar am Dienstag.

Die Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen, Produzenten wie Fripa, Essity und Sofidel arbeiteten auch in der Pandemie. "Es wird keine Unterversorgung geben, solange sich der Verbraucher normal verhält." Fripa fahre derzeit mit seinen etwa 450 Mitarbeitern teils Sonderschichten, um den Bedarf zu decken.

Er sehe aber bereits hier und da, dass in den Märkten Hygieneartikel verstärkt gekauft würden, sagte der Verkaufsleiter. "Wir haben eine ähnliche Situation wie im März." Zu Beginn der Coronakrise waren die Umsätze mit Toilettenpapier in Drogerien und größeren Supermärkten rasant in die Höhe geschnellt.

Zwei neue Corona-Fälle beim Giro d'Italia - Rad-Klassiker geht aber weiter

11:31 Uhr: Beim 103. Giro d'Italia der Radprofis hat es zwei weitere positive Corona-Tests gegeben. Die dreiwöchige Rundfahrt wird aber nach dem gestrigen Ruhetag heute mit der 16. Etappe über 229 Kilometer von Udine nach San Daniele del Friuli fortgesetzt. Insgesamt seien 492 Tests durchgeführt worden.

Das Team UAE Emirates bestätigte in einer Mitteilung, dass sein Fahrer Fernando Gaviria positiv auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus getestet wurde. Der 26 Jahre alte Kolumbianer wurde aus dem Wettkampf zurückgezogen. Gaviria sei nach dem positiven Testergebnis vom Team isoliert worden. Es ist das zweite Mal, dass der Kolumbianer positiv auf das Virus getestet wurde, nachdem er bereits im März infiziert war.

Der Giro war am ersten Ruhetag vor einer Woche mit voller Wucht von positiven Corona-Fällen erfasst worden. Zwei Topfahrer und zwei Teams beendeten kurz vor dem Start der zehnten Etappe wegen positiver Tests das Rennen. So mussten der letztjährige Tour-Dritte Steven Kruijswijk sowie der Australier Michael Matthews den Giro vorzeitig beenden.

Ex-Schwimmstar Markus Rogan flüchtet trotz Quarantäne aus Israel in die USA

11:22 Uhr: Der frühere Schwimm-Weltmeister Markus Rogan ist trotz eines positiven Coronatests aus Israel geflüchtet. Der 38-jährige Österreicher, der zuletzt als Mentaltrainer bei der israelischen Fußball-Nationalmannschaft gearbeitet hat, soll sich trotz angeordneter zweiwöchiger Quarantäne via Deutschland in seine Wahlheimat Los Angeles abgesetzt haben. Das bestätigte Willi Ruttensteiner, Sportdirektor des israelischen Fußballverbandes IFA, der Tageszeitung "Der Standard".

Anzahl der Corona-Toten im Iran mehr als doppelt so hoch wie angegeben

11:04 Uhr: Die Zahl der Corona-Toten im Iran ist nach Angaben aus dem Krisenstab des Landes mehr als doppelt so hoch wie vom Gesundheitsministerium angegeben. "Die amtliche Statistik müsse mit 2,5 multipliziert werden, um an die realen Zahlen zu kommen", sagte Massud Mardani, Mitglied des iranischen Corona-Krisenstabs, der Nachrichtenagentur Isna am Dienstag.

Nach dieser Berechnung läge die Zahl der Corona-Todesfälle bei mehr als 840 pro Tag - und nicht wie vom Gesundheitsministerium angegeben bei 337.

Auch andere Gesundheitsexperten im Iran teilen die Einschätzung Mardanis. Sie gehen davon aus, dass die offiziell angegebene Totenzahl deswegen noch relativ niedrig ist, weil es zu wenige Testmöglichkeiten gebe.

Gesamtes Ruhrgebiet gilt als Risikogebiet

09:39 Uhr: Das gesamte Ruhrgebiet gilt seit Dienstagmorgen als Risikogebiet. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist auch die Stadt Oberhausen mit 52,7 über die wichtige Corona-Kennzahl von 50 gekommen.

Auf einer Karte des RKI zieht sich ein durchgehender roter Streifen von Aachen bis Bielefeld. Die Städteregion Aachen, Solingen, Gelsenkirchen und Herne sind sogar dunkelrot markiert - sie liegen über dem Wert von 100 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Die Stadt Köln liegt mit dem Wert 97,8 noch knapp unter der 100. Allerdings nahm die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in der Domstadt von Montag auf Dienstag um 22,4 Punkte stark zu.

Die Entwicklung der Corona-Fälle in Deutschland im Jahre 2020.

Stephan Weil gegen Sperren für Corona-Hotspots

08:21 Uhr: Nach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat auch Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil trotz steigender Corona-Zahlen eine Abriegelung von Risikogebieten abgelehnt.

"Davon halte ich nichts", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Wir sind nicht in China und haben es auch bis jetzt im Rahmen unseres offenen Systems geschafft, die Pandemie in Grenzen zu halten."

Zuvor hatte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, eine Sperre für Risikogebiete ins Spiel gebracht. Söder hatte dazu gesagt: "Das halte ich für überzogen und nicht für angemessen."

Lehrerverband pocht auf Betrieb mit halben Klassen in Hotspots

07:54 Uhr: Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat Ländern und Kommunen einen widersprüchlichen Umgang mit den Corona-Regeln für Schulen vorgeworfen.

Der Regelbetrieb laufe vielerorts weiter, obwohl in Städten und Regionen immer häufiger der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche überschritten werde, sagte Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Heidelberg).

"Bei diesem Wert müsste es eigentlich eine Rückkehr zum Wechselbetrieb mit halbierten Klassen geben." Er kenne aber kaum eine Kommune, die entsprechend handele. "Es sorgt uns, dass diese Richtwerte für verschärfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen komplett ignoriert werden, um Schulen auf Teufel komm raus offen zu halten."

Söder: Corona-Warn-App "ein zahnloser Tiger"

07:08 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält die Corona-Warn-App bislang für praktisch wirkungslos. "Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung", sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Daher braucht es ein digitales Update, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die Corona-App wirksam wird." Wie genau dieses Update aussehen soll, ließ Söder offen.

Die deutsche App wurde mittlerweile rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen. Experten gehen davon aus, dass die Anwendung von mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland aktiv genutzt wird.

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals "ThePioneer" informieren inzwischen fast 500 Corona-Infizierte pro Tag mit Hilfe der Warn-App andere Menschen über den eigenen Positiv-Befund. Dies entspricht 13 bis 14 Prozent der Gesamtzahl der Neu-Infizierten.

"Die App wird gut angenommen. Jede Infektionskette, die hierdurch zusätzlich unterbrochen wird, ist wichtig", sagte Gottfried Ludewig, Leiter der Digital-Abteilung im Bundesgesundheitsministerium.

Prognose der Bundesregierung: Pandemie kostet Deutschland 1,5 Billionen Euro

Die öffentlichen Kassen werden aufgrund der Corona-Pandemie extrem belastet. Bis Ende 2021 rechnet die Bundesregierung mit Gesamtkosten von knapp 1,5 Billionen Euro.

6.868 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

06:53 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Dienstagmorgen 6.868 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Der Wert liegt damit deutlich über den 4.122 gemeldeten Fällen vom Dienstag vergangener Woche.

Die Zahl der Neuinfektionen hatte am Samstag mit 7.830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland erreicht. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 373.167 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 20.10., 0:00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.836. Das waren 47 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 298.300 Genesene.

Bayern schließt erneute Grenzschließung nicht aus

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann will angesichts der zweiten Corona-Welle nichts mehr ausschließen.

05:05 Uhr: Angesichts der zugespitzten Corona-Lage in Europa hält es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann für möglich, dass man wieder über Grenzkontrollen sprechen muss. "Die Diskussion um verstärkte Grenzkontrollen könnte wieder aufflammen, falls das Infektionsgeschehen in den Nachbarländern außer Kontrolle gerät", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Gleichzeitig haben wir die engen wirtschaftlichen Beziehungen mit intensivem Pendelverkehr von Arbeitnehmern, etwa mit Tschechien und Österreich, im Blick." In Tschechien war die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt sprunghaft gestiegen. Auch in Österreich steigt die Zahl der Neuinfektionen wie praktisch überall in Europa.

Im Gegensatz zu Herrmann erteilte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer, erneuten Grenzschließungen eine Absage.

Auf die Frage, ob wegen der steigenden Corona-Zahlen wieder Grenzschließungen drohen, sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse": "Nein. Die Situation Mitte März 2020 war europa- und weltweit geprägt von großer Unsicherheit im Umgang mit dem Virus."

Im Frühjahr habe es noch keine regionalen Anti-Corona-Konzepte gegeben. "Erneute Binnengrenzkontrollen aus Anlass der Pandemie gilt es daher zu vermeiden", sagte Mayer. Die Bundesregierung beobachte allerdings die Corona-Entwicklung "mit hoher Aufmerksamkeit".

Zuletzt hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) vor erneuten Grenzschließungen im Zuge der Corona-Pandemie gewarnt. Man habe im Frühjahr dieses Jahres "schlechte Erfahrungen gemacht mit der zu schnellen Schließung von Grenzen".

Disco-Betreiber offen für Maskenpflicht auf Tanzflächen

01:13 Uhr: Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT im Branchenverband Dehoga) fordert eine klare Öffnungsperspektive für Clubs in der Coronakrise - und kann sich dafür auch eine Maskenpflicht vorstellen. Auch Wegekonzept, Lüftung, gegebenenfalls bezahlbare Schnelltests - darüber wolle man mit der Politik diskutieren.

"Eine Maskenpflicht auf der Tanzfläche ist zwar nicht ideal, aber wir sollten es auch nicht ausschließen", sagte BDT-Geschäftsführer Stephan Büttner im Vorfeld des Branchentreffens Club Convention der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ/Dienstag).

Die Jugend werde sich über die Wintermonate nicht einsperren lassen, meinte Büttner. "Dann verlagern sich die Feiern in private Räumlichkeiten. Für das Infektionsgeschehen ist das gefährlicher als die Feier im Club. Wir wollen einen Dialog, um auszuloten, unter welchen Bedingungen eine Wiedereröffnung möglich wäre."

Alle Corona-Meldungen vom 19. Oktober finden Sie hier.

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Mit Material von dpa, afp, sid und apa.
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