Die Zahl positiver Corona-Tests steigt derzeit in Deutschland zwar wieder an. Trotzdem bleibt die Zahl der Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, stabil niedrig, da sich vor allem junge Menschen infiziert haben. Doch der Anteil der Infizierten in der älteren Bevölkerung nimmt wieder zu.

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Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat einen Höchststand seit knapp fünf Monaten erreicht. So meldete das Robert Koch-Institut am Samstagmorgen 2.297 neue Fälle, die der Behörde binnen 24 Stunden übermittelt wurden. Am Sonntag war der Wert dann mit 1.345 neuen Ansteckungen erwartungsgemäß niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten melden. Das RKI spricht in seinem Lagebericht von Samstagabend von einem "weiteren Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung".

Wieder mehr ältere Infizierte

Zudem schreibt das RKI: "Die Zahl der Todesfälle unter den übermittelten COVID-19 Fällen ist derzeit niedrig." Das liege hauptsächlich daran, dass zuletzt bei relativ vielen jungen Menschen eine Infektion nachgewiesen wurde. "Aktuell kann unser Gesundheitssystem gut mit der Situation umgehen, aber die Dynamik in ganz Europa besorgt", schrieb Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag bei Twitter.

Allerdings nimmt der Anteil der Infizierten in der älteren Bevölkerung laut RKI aktuell leicht zu. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, müsse damit gerechnet werden, dass wieder mehr Menschen ins Krankenhaus kommen und auch sterben. Ältere Menschen gelten als anfälliger für einen schweren Verlauf von COVID-19.

Coronavirus: Lage auf Intensivstationen ist entspannt

"Wir haben wirklich einen anstrengenden Winter vor uns, wo man nochmal viel nachjustieren muss", sagte Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrums für neu auftretende Viruserkrankungen an der Universität Genf, dem "Tagesspiegel". Die Muster im benachbarten Ausland würden sich mit Verzögerung auch in Deutschland zeigen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in den Krankenhäusern die Zahlen ansteigen."

Die Spätfolgen einer Corona-Infektion
Die Spätfolgen einer Corona-Infektion

Die Lage auf den Intensivstationen ist nach wie vor ziemlich entspannt, wie aus dem sogenannten DIVI-Intensivregister hervorgeht, das die Kapazitäten in fast 1.300 Krankenhäusern erfasst. So werden rund 250 COVID-Patienten intensivmedizinisch behandelt, gleichzeitig sind knapp 9.000 Betten frei. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" halten Krankenhäuser auf ihren Intensivstationen weit weniger Betten für Corona-Patienten frei, als noch vor einigen Wochen und Monaten. Mehrere Bundesländer haben demnach die Quoten der reservierten Betten gesenkt.

R-Wert liegt etwas über 1

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hält das auch für richtig: "Trotz leicht angestiegener Infektionszahlen gab es keine erhebliche Belastung der Intensivstationen", sagte Reinhardt der Zeitung. Eine Mindestquote sei zwar nötig. Die Kliniken hätten aber genügend Zeit und Erfahrung, um ihre Kapazitäten hochzufahren, wenn es wieder mehr Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf geben sollte, so Reinhardt.

Der R-Wert liege derzeit etwas über 1. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Seit Beginn der Coronakrise haben sich nach den Zahlen des RKI mindestens 271.415 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus SARS-CoV-2 infiziert (Datenstand 20.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.386 - das sind zwei Todesfälle mehr als am Vortag. Bis Sonntagmorgen hatten rund 240.700 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. (dpa/kad)

RKI: Fast 2.300 Corona-Neuinfektionen - höchster Wert seit Ende April

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Samstag mit 270.070 angegeben - ein Plus von 2.297 seit dem Vortag. Gesundheitsminister Spahn zeigt sich besorgt. Fotocredit: imago images / Arnulf Hettrich