• Booster-Impfung für alle? Die Meinungen dazu gehen weit auseinander.
  • Zwar können sich in Deutschland theoretisch Menschen ab zwölf Jahren boostern lassen, die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt aktuell aber nur den Risikogruppen eine dritte Impfung.
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Auffrischimpfung.

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Warum heißt es Booster-Impfung?

Das englische Wort "booster" heißt auf Deutsch übersetzt "Verstärkung". Auch in der Medizin und speziell in der Immunologie spricht man von einem Booster oder dem Booster-Effekt. Eine Auffrischimpfung verstärkt und beschleunigt die Immunantwort des Körpers, die er bereits durch eine Grundimmunisierung erlangt hat.

Generell dienen Booster-Impfungen dazu, einen bereits bestehenden Impfschutz aufzufrischen. So soll auch die dritte Corona-Impfung den Schutz vor dem Virus (nochmal) erhöhen. Studien zeigen inzwischen, dass sich bei vollständig Geimpften, aber auch Genesenen die Anzahl der Antikörper gegen das Virus nach einigen Monaten reduziert – und besonders der Schutz vor asymptomatischen Verläufen und leichten Krankheitsverläufen abnimmt. Durch die dritte Injektion erhöht sich die Anzahl der Antikörper gegen das Virus wieder.

Was ist in der Booster-Impfung?

Generell handelt es sich bei der Booster-Impfung um eine weitere Dosis eines zugelassenen mRNA-Impfstoffs. Die STIKO empfiehlt: Wer bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, sollte diesen nach Möglichkeit auch bei der Auffrischimpfung verabreicht bekommen.

Auffrischimpfung: Wer kann sich impfen lassen und was empfehlen STIKO und EMA?

Grundsätzlich können sich laut dem Bundesministerium für Gesundheit Menschen ab zwölf Jahren, die krankenversichert sind und einen Wohnsitz in Deutschland haben, boostern lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat Anfang Oktober eine Empfehlung ausgesprochen, wer seinen Impfschutz auffrischen sollte. Diesen Personengruppen rät die STIKO derzeit zur Booster-Impfung:

  • Menschen ab 70 Jahren
  • Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal, Personal in medizinischen Einrichtungen und Betreuende mit Patientenkontakt
  • Außerdem empfiehlt die STIKO allen, die den Impfstoff "Janssen" von Johnson & Johnson erhalten haben, den Impfschutz mit einem mRNA-Impfstoff zu erhöhen.

Nach der zweiten Impfung: Ab wann bekommt man die Booster-Impfung?

Unabhängig des zuerst verwendeten Impfstoffes gilt: Die Grundimmunisierung sollte mindestens sechs Monate zurückliegen.

Für diesen zeitlichen Abstand zwischen den Impfungen spricht sich neben der STIKO auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) aus. Die Empfehlung gilt derzeit allerdings nur für Menschen ab 18 Jahren ohne Vorerkrankungen und für die Verimpfung des Vakzins von Biontech/Pfizer.

Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sei die Booster-Impfung bereits 28 Tage nach der Grundimmunisierung und auch mit dem Moderna-Impfstoff möglich.

Welche Kritik gibt es an der Drittimpfung?

Die Booster-Impfung steht insbesondere aus ethischer Sicht in der Kritik: Reiche Staaten impfen bereits zum dritten Mal, während es in anderen Ländern noch keine flächendeckenden Erstimpfungen gab. Und: Für die Boosterimpfung kommen derzeit ausschließlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna zum Einsatz. Sie gewähren Forschungen zufolge einen besonders hohen Impfschutz gegen das Virus - sind aber aktuell auch in vielen Ländern knapp. Aus diesem Grund spricht sich die WHO mittlerweile zwar für die Drittimpfung immungeschwächter Menschen aus, lehnt aber die Booster-Impfung für die Allgemeinheit weiterhin ab - und fordert dazu auf, Impfstoff an ärmere Länder abzugeben.

Auch Christian Drosten von der Berliner Charité äußerte sich im Podcast "Corona Virus Update" auf NDR Info kritisch zur dritten Impfung: Zwar sei eine Booster-Impfung "hervorragend", da sie nicht nur dazu führe, dass "das Niveau von neutralisierenden Antikörpern steigt" sondern auch "der nachweisbare Krankheitschutz vor schwerer und vor überhaupt einer Infektion". An anderer Stelle thematisiert Drosten aber auch den ethischen Konflikt: "Und ich muss zugeben, ich wäre gerne auch noch ein drittes Mal geimpft. Aber hier würde ich als Bürger dann auch sagen: Meine dritte Impfdosis geht erst mal nach Afrika."

Wie ist der wissenschaftliche Stand zur Corona-Booster-Impfung?

In anderen Ländern sind Booster-Impfungen schon länger im Einsatz. Erste Forschungsergebnisse zur Drittimpfung kommen zum Beispiel aus Israel, wo die dritte Impfung bereits seit Juli möglich ist und sich auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen den Booster verimpfen lassen können.

Das Forschungsteam um Yinon M. Bar-On hat kürzlich eine Studie zum Thema als Preprint veröffentlicht. Das heißt, dass sie bereits online der Öffentlichkeit zugänglich, aber noch nicht von wissenschaftlichen Gutachtern geprüft ist. In der aktuellen Studie vergleichen die Forschenden den Impfschutz von Menschen mit und ohne Booster-Impfung und werteten über den Zeitraum von Juli bis September 2021 Daten von Geimpften aus. Sie untersuchten, wie viele Menschen mit beziehungsweise ohne Booster-Impfung an Covid-19 erkrankten, schwere Verläufe hatten oder starben.

Das Ergebnis: Die Infektionsrate war insgesamt in der Gruppe mit Booster-Impfung um das zehnfache niedriger als in der Kontrollgruppe. Besonders auffällig dabei: Junge Menschen unter 40 mit Drittimpfschutz hatten sich im untersuchten Zeitraum deutlich seltener infiziert (16,6 Prozent) als ohne Booster (46 Prozent).

Die derzeit sehr niedrigen Infektionszahlen in Israel schätzte Virologin Sandra Ciesek im Corona-Update wie folgt ein: "[...] Die haben eigentlich ihre vierte Welle durch eine erneute Impfung gebrochen, durch eine Booster-Impfung der Gesamtbevölkerung. Das ist möglich, wäre auch hier möglich. Es muss nur klar kommuniziert werden, dass der Eigennutzen für junge Leute mit einer dritten Impfung nicht so hoch ist wie bei der initialen Impfung, sondern dass es vor allen Dingen auch um ein gemeinschaftli-ches Blocken der Infektionsketten gehen würde."

Verwendete Quellen:

  • Robert-Koch-Institut:Pressemitteilung der STIKO zur COVID-19-Auffrischimpfung und zur Optimierung der Janssen-Grundimmunisierung
  • Zoe Covid Study: Protection provided by COVID vaccines fades over time
  • Ema.europa.eu: Comirnaty and Spikevax: EMA recommendations on extra doses and boosters
  • Medrxiv.org: Protection Across Age Groups of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19
  • Who.int: Interim statement on booster doses for COVID-19 vaccination
  • Ndr.Info: Coronavirus-Update: Die Wissenschaft hat geliefert
  • Ndr.Info: Coronavirus-Update: Wir müssen uns aus der Pandemie rausimpfen