Während Deutschland noch hofft, einer zweiten Corona-Welle entgehen zu können, scheint diese in anderen Ländern schon Realität geworden zu sein. Denn in Belgien und Israel steigt die Zahl der Infektionen rasant. Derweil reagiert China drastisch auf verhältnismäßig wenige Fälle. Ein Überblick über die Länder, in denen das Virus wieder auf dem Vormarsch ist.

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Nicht lokal begrenzt, sondern an vielen Orten bundesweit: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt wieder. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) zeigte sich zuletzt äußerst beunruhigt über die aktuellen Entwicklungen. Auch in Österreich und der Schweiz ist die Lage ähnlich: Die Infektionen mit SARS-CoV-2 steigen.

Ob es sich dabei tatsächlich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handelt, konnte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag noch nicht definitiv sagen – aber es könnte sein.

Ulf Nehrbass ist sich derweil schon sicher, dass Belgien "ganz klar in der zweiten Welle" steckt. Nehrbass ist Direktor des Luxemburger Gesundheitsinstituts und damit der obersten Pandemie-Bekämpfer im Land.

In ganz Belgien ist die Zahl der Corona-Fälle in den vergangenen Wochen stark angestiegen. Zwischen dem 18. und dem 24. Juli gab es täglich durchschnittlich 311 Coronavirus-Infektionen. Dies ist ein Anstieg um 69 Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

Vorsichtiger Optimismus trotz hoher Corona-Zahlen

Für die Stadt Antwerpen liegt der Wert sogar bei 711 Fällen. Deswegen hat die Regierung in der Hafenstadt und der dazugehörenden Provinz eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Zudem dürfen die Belgier seit Montag nur noch mit fünf Personen – abgesehen vom eigenen Haushalt – engeren Kontakt haben. Zuvor lag die Zahl bei 15 Personen pro Woche.

Die belgische Zeitung "De Tijd" sieht das Land sogar "kurz vor einem neuen Lockdown". Dieser sei "unvermeidlich, wenn selbst eine drastische Verringerung der Zahl der gleichzeitig erlaubten Personenkontakte die Rückkehr der Corona-Epidemie nicht aufhält".

Bereits vor zwei Wochen war Luxemburg vom RKI zum Corona-Risikogebiet erklärt worden, nachdem es die Schwelle von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen deutlich überschritten hatte.

Die hohen Zahlen hingen auch damit zusammen, dass Luxemburg flächendeckend teste, sagte Nehrbass. Trotz der aktuellen Situation zeigte sich der Gesundheitsexperte am Dienstag vorsichtig optimistisch.

"Die Zahlen stabilisieren sich im Moment, wenn auch auf hohem Niveau", so Nehrbass. Luxemburg sehe sich damit auf dem "richtigen Weg", die Lage in den Griff zu bekommen.

Israel überschreitet Lockdown-Grenzwert

In Israel gerät die Pandemie unterdessen zunehmend außer Kontrolle. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb eines Tages lag am Dienstag bei 2.093 Fällen – und damit auf einem Rekordhoch.

Mitte Mai hatte die Zahl der täglichen Infektionen noch im zweistelligen Bereich gelegen. Nach raschen Lockerungen schnellen die Zahlen jedoch seit Ende Mai in die Höhe.

Aktuell steht auch ein kompletter Lockdown Israels wieder im Raum. Denn der Wert von 2.000 Neuinfektionen pro Tag galt zuletzt als Marke für drastisch verschärfte Einschränkungen im öffentlichen Leben.

Insgesamt wurden in Israel bislang 66.805 Infizierte registriert. Aktive Fälle gab es zuletzt fast 33.400, davon sind 315 schwer erkrankt. 490 Menschen starben bislang nach einer Corona-Infektion.

Wurde Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu Beginn der Pandemie für sein Krisenmanagement gelobt, sehen sich er und seine Regierung mittlerweile Protesten gegenüber.

Die Krise belastet die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 20 Prozent. Seit Wochen gehen Netanjahu-Gegner auf die Straßen. Israels neuer Corona-Beauftragter Ronni Gamzu will die Armee nun stärker in den Kampf gegen das Virus einbinden.

Zwei neue Corona-Hotspots in China

China verzeichnet derweil die höchste Zahl neuer täglicher Infektionen seit drei Monaten. Dort meldete die Gesundheitskommission am Mittwoch in Peking rund 100 neue Fälle.

Größere Ausbrüche gibt es in Ürümqi in der Nordwestregion Xinjiang und in Dalian. Von der nordostchinesischen Hafenstadt haben sich die Infektionen durch Reisende in neun andere Städte ausgebreitet - auch nach Peking, das den ersten Fall seit drei Wochen verzeichnete.

Im Vergleich zu der dramatischen Entwicklung in anderen Ländern sind die Zahlen in China mit insgesamt rund 500 offiziell berichteten aktuellen Erkrankungen eher gering. Allerdings verfolgt China praktisch eine "Null-Fälle-Politik" und hat deshalb mit strengen Vorsichtsmaßnahmen auf die jüngsten Entwicklungen reagiert.

In Dalian, wo der Ursprung des Ausbruchs in einer Fischfabrik vermutet wird, wurde schon die Hälfte der sechs Millionen Einwohner getestet. In Ürümqi stehen die Tests der 3,5 Millionen Einwohner vor dem Abschluss.

Zudem wurden Hunderte Flüge und Züge gestrichen. Der öffentliche Nahverkehr in Dalian wurde eingestellt. Reisende aus Risikobezirken der Hafenmetropole müssen in der umliegenden Provinz Liaoning 14 Tage in Quarantäne.

Unabhängig der neuen Fälle gelten in China, wo Anfang Dezember die ersten Fälle der Pandemie aufgetreten waren, strikte Anti-Corona-Regeln. Corona-App, Mundschutz und Fiebermessen gehören zum Alltag.

Ohne grünes Licht durch das Handy-Programm lassen sich etwa in Peking keine Supermärkte, Läden und Restaurants betreten. Märkte oder Wohnanlagen installieren am Eingang schon Geräte zur automatischen Messung der Temperatur.

Auch ist Chinas Grenze für Ausländer praktisch noch dicht, da keine regulären Visa vergeben werden. Mit acht Ländern - darunter Deutschland - gibt es aber Ausnahmeregelungen. (thp/dpa/afp)

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