Die Angst vor den Mutationen geht um: So ist die Corona-Lage in Deutschlands Nachbarländern

Deutschland schottet sich aus Angst vor Virusvarianten ab. Während die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den Nachbarländern größtenteils zurückgeht, sind Mutationen in fast jedem Land nachgewiesen worden.

In Dänemark sanken die Corona-Zahlen in den vergangenen Wochen rapide: Mitte Dezember wurden zu Spitzenzeiten mehr als 4.000 Corona-Fälle pro Tag nachgewiesen, mittlerweile sind es täglich nur noch wenige Hundert. Die wöchentliche Neuinfektionszahl lag zuletzt unter 49 pro 100.000 Einwohner und zählt somit zu den niedrigsten Europas. Dennoch befindet sich Deutschlands nördlichster Nachbar weiter im Lockdown. Grund dafür ist die Sorge vor mutierten Virusvarianten. B 1.1.7 wurde zuletzt in mehr als jeder vierten analysierten Corona-Probe nachgewiesen - Tendenz steigend.
Die dänischen Grenzen sind für die meisten Ausländer weitgehend dicht. Ins Land kommt nur, wer einen triftigen Einreisegrund hat und einen maximal 24 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen kann. Einreisebeschränkungen gibt es auch für Schleswig-Holsteiner, sie sind aber nicht so streng wie für andere Ausländer.
In Polen ist die Zahl der Neuinfektionen zurückgegangen. Zuletzt wurden regelmäßig etwa 7.000 neue Fälle pro Tag gemeldet. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 14 Tagen liegt bei 196. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag gibt es bislang landesweit acht bestätigte Fälle der britischen Variante B 1.1.7. An seinen EU-Binnengrenzen hat Polen bislang keine Grenzkontrollen eingeführt. Wer aus dem EU-Ausland einreist, muss danach allerdings für zehn Tage in Quarantäne. Ausnahmen gelten für bestimmte Berufsgruppen.
Die Corona-Lage in Tschechien bleibt ernst. Landesweit gab es zuletzt knapp 500 Fälle je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Sorgen bereiten die regionalen Hotspots im Westen und Norden des Landes. Nach einem Tageshöchststand von mehr als 17.700 Neuinfektionen Anfang Januar verharren die Zahlen auf einem hohen vierstelligen Niveau - trotz Geschäftsschließungen, Maskenpflicht und nächtlicher Ausgangssperre.
Eine Untersuchung ergab einen Anteil der wohl ansteckenderen Mutante B 1.1.7 im Bezirk Trutnov von 60 Prozent und in Prag von weniger als 10 Prozent. Die Stichprobe war klein. Nur sehr wenige Proben können sequenziert werden. Die zuerst in Südafrika festgestellte Variante B 1.351 wurde noch nicht entdeckt. Mit Äußerungen zu den deutschen Einreisebeschränkungen hat sich die Politik bisher zurückgehalten.
Seit rund einer Woche sind in Österreich alle Geschäfte, die Friseure sowie die Schulen wieder offen. Für den Besuch körpernaher Dienstleister und der Schulen ist ein negativer Corona-Test nötig. Bisher sind die Zahlen weiter stabil. Die Lage in den Kliniken hat sich ebenfalls deutlich entspannt. Österreich setzt auf einen völlig anderen Weg als Deutschland.
Ein niedriger Inzidenzwert, aktuell liegt er in der Alpenrepublik bei 107 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, wird gar nicht angestrebt. Hauptsache, die Lage bleibt so stabil wie jetzt. Das Land sieht sich bei Tests als eine Art Europameister. Es gibt inzwischen vielfältige Möglichkeiten, fast jederzeit kostenlos einen Test zu machen. Zwei Millionen werden es allein in dieser Woche sein.
In Frankreich ist die Corona-Lage weiterhin angespannt. Allerdings geht die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche langsam zurück, zuletzt fiel sie unter die Marke von 200. Es werden regelmäßig mehr als 20.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Zuletzt hatte sich auch die Situation in den Kliniken leicht gebessert. Nach Angaben von Gesundheitsminister Olivier Véran Ende vergangener Woche sind 20 bis 25 Prozent der Corona-Infektionen im Land auf die in Großbritannien entdeckte Variante zurückzuführen. Die südafrikanische und brasilianische Variante machen nur etwa vier bis fünf Prozent aus.
Im Département Moselle an der deutschen Grenze hatte es zuletzt aber einen heftigen Ausbruch mit mutierten Viren gegeben - vor allem die südafrikanische und die brasilianische Variante sind dort aufgetreten. Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune (Bild) warnte am Montagvormittag vor "bösen Überraschungen" an der Grenze und wollte sich mit den Regierungschefs der drei benachbarten Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg abstimmen. Christophe Arend, Abgeordneter aus Forbach (Moselle) in Paris, forderte eine gemeinsame Strategie beider Länder - vor allem auch mit Blick auf die Tests. (dpa/ska)