Die Viruskrise trifft auch Europas Landwirte. Manche haben Schwierigkeiten mit der Ernte, und frische Ware kommt nicht mehr so schnell zu den Kunden. Die Agrarminister diskutieren Schritte, um die Produktion und den Warenverkehr sicherzustellen.

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Europas Lebensmittelproduktion stößt in der Viruskrise auf eine Reihe kritischer Hindernisse. Dennoch werde weiterhin genügend Essen produziert, erklärte die kroatische EU-Ratspräsidentschaft nach einer mehrstündigen Videokonferenz der europäischen Agrarminister am Mittwoch. "Die Minister betonten, dass ausreichend Lebensmittel für europäische Verbraucher vorhanden waren und sein werden", hieß es in der Mitteilung.

Asylbewerber und Freiwillige als Saisonarbeiter - bereits 16.000 "helfende Hände"

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland hat das Bundesinnenministerium ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Erntehelfern und anderen Saison-Arbeitskräften werde von diesem Mittwoch an bis auf Weiteres die Einreise verweigert. Agrarministerin Julia Klöckner räumte ein, der Einreisestopp treffe die Landwirte "enorm hart". Die Regelung werde aber nach zwei Monaten überprüft. Mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) sei sie darüber im Gespräch, Asylbewerbern ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland die Möglichkeit zu geben, in der Landwirtschaft zu arbeiten.

Knapp 300.000 Saisonarbeitskräfte sind jährlich in der Landwirtschaft beschäftigt, die vor allem aus Osteuropa kommen. Vielen Betrieben fehlen derzeit Arbeitskräfte für Ernte und Aussaat. Verbände und das Bundeslandwirtschaftsministerium haben Internet-Plattformen aufgesetzt, um Betriebe und Freiwillige, die auf den Feldern arbeiten könnten, in Kontakt zu bringen. Klöckner sagte, dass es bereits über 16.000 Bewerbungen von "helfenden Händen" gebe.

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Verzögerungen an den Grenzen müssen minimiert werden

In den vergangenen Wochen hatten etliche EU-Staaten versucht, die Ausbreitung des Coronavirus mit Kontrollen an den sonst offenen Binnengrenzen der EU zu bremsen. Das führte zu langen Wartezeiten für grenzüberschreitende Transporte mit verderblichen Lebensmitteln oder Schlachtvieh. Klöckner betonte, dass viel Lebensmittelhersteller ihre Rohstoffe und Zutaten aus dem EU-Ausland bezögen - beispielsweise Rohmilch für Molkereien. "Hierbei darf es zu keinen Verzögerungen an der Grenze kommen", sagte die Ministerin.

EU-Kommission darf eingreifen, wenn schwere Ungleichgewichte auf dem Markt entstehen

Die Einschränkungen reichen dabei so weit, dass mehrere EU-Staaten nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) regulierende Eingriffe in den europäischen Markt für Agrarprodukte verlangten.

Deutschland halte derzeit keine Marktmaßnahmen nötig, sagte Klöckner. Die Ministerin drang angesichts der Viruskrise jedoch auf einen Erhalt der Agrarmärkte. "Wichtig ist, dass die üblichen Bezugs- und Absatzwege weitgehend erhalten bleiben", sagte sie. Eine "wesentliche Voraussetzung" dafür sei, dass der freie Warenverkehr im Binnenmarkt weiter funktioniere. "Sollte es aufgrund des weltweiten Corona-Geschehens (...) zu außergewöhnlichen Marktstörungen kommen, sollten die Instrumente der Gemeinsamen Marktorganisation einsatzfähig sein", verlangte Klöckner. Die EU-Kommission darf beispielsweise in den Markt eingreifen, wenn es erhebliche Preisschwankungen gibt oder schwere Ungleichgewichte auf dem Markt für landwirtschaftliche Produkte entstehen

Neue Beihilferegeln gewähren finanzielle Unterstützung in Landbau und Fischerei

Die EU-Kommission hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass neue Beihilferegeln eine finanzielle Unterstützung von bis zu 120.000 Euro pro Betrieb in Landbau und Fischerei zulassen. Ministerin Klöckner begrüßte diese Möglichkeiten. Die größeren Hilfsmöglichkeiten entsprächen auch einem deutschen Wunsch. (ash/dpa)

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Bilder von leeren Supermarktregalen suggerieren Versorgungsengpässe. Aber wie bereitet man sich am besten auf eine Quarantäne vor? Klar ist: Hamsterkäufe sind unnötig. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt unabhängig von der aktuellen Situation, Vorräte für zehn Tage im Haus zu haben.