Wenn's mal wieder kracht: So streiten Sie richtig

Die einen explodieren förmlich, die anderen meiden jede Art der Konfrontation. Dabei kann konstruktives Streiten jeder Beziehung helfen. Allerdings sollten Sie bestimmte Regeln beachten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie richtig streiten.

Probleme totzuschweigen ist genauso wenig ratsam, wie aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Tatsächlich ist konstruktives Streiten in einer Beziehung sehr wichtig. Nur so können Sie Ihrem Partner vernachlässigte Bedürfnisse oder Wünsche äußern. Paare, die sich angeblich "nie streiten", verdrängen womöglich Probleme aus einem falschen Harmoniebedürfnis heraus.
Wenn es ein Problem gibt, sollten Sie es so schnell wie möglich ansprechen. Unstimmigkeiten, die zusammen mit Wut und Zorn heruntergeschluckt werden, können mit der Zeit noch viel größer werden. Aber: Nicht immer ist der richtige Zeitpunkt zum Streiten genau jetzt ...
Streiten Sie nach Möglichkeit nur, wenn Sie auch die Zeit dafür haben. Streitereien zwischen Tür und Angel sowie unter Zeitdruck sind selten konstruktiv. Natürlich ist es nicht immer möglich, den Zeitpunkt zum Streiten zu planen. Dabei wäre es sicherlich hilfreich, das ein oder andere Streitgespräch in Ruhe am Abend zu führen, als beispielsweise in der Hektik am Morgen vor der Arbeit.
Streiten sollten Sie stets unter vier Augen. Vor allem, wenn die eigenen Kinder anwesend sind, sollten Sie größere Streitereien nicht vor ihnen ausdiskutieren, das kann sehr belastend für sie sein. Wenn Mama und Papa streiten, suchen die Kinder die Schuld bei sich. Sie lernen die Streitkultur ihrer Eltern, ihre spätere Konfliktbewältigung wird stark beeinflusst durch das Streitverhalten im Elternhaus.
Auf der anderen Seite können Kinder aber von ihren streitenden Eltern lernen, dass sich zwei Menschen, die sich bei einem Thema uneinig sind, trotzdem wertschätzen und wieder versöhnen können - sofern sie konstruktiv streiten. Auch wenn es Ihnen in dem Moment nicht einfach fällt: Denken Sie beim Streiten vor Ihren Kindern stets an Ihre Vorbildfunktion.
Ein Streit im Büro sollte nicht vor anderen Kollegen ausgetragen werden. Das kann schnell zu Demütigung führen. Hier gilt es, das Streitthema so lange für sich zu behalten, bis es möglich ist, es unter vier Augen zu besprechen. Eine dritte Person sollte nur hinzugezogen werden, wenn sich die Fronten endgültig verhärtet haben und die objektive Meinung einer neutralen Person helfen kann.
Was "immer alle" falsch machen und "nie" richtig: Pauschalisierungen beim Streiten. Nennen Sie lieber konkrete Beispiele, als Verallgemeinerungen und Übertreibungen. Statt "Nie machst du etwas im Haushalt", sagen Sie lieber: "Ich würde mich freuen, wenn du mir im Haushalt mehr helfen würdest."
Da wären wir auch schon bei den sogenannten "Ich-Botschaften". Sprechen Sie ruhig über Ihre Gefühle in der "Ich"-Form und beschreiben Sie, wie eine störende Situation auf Sie wirkt. Kommunizieren Sie klar Ihre Gefühle, damit Ihrem Streitpartner bewusst wird, was die Situation tatsächlich bei Ihnen ausgelöst hat.
"Du, du, du": Vermeiden Sie Vorwürfe und Anklage-Sätze. Wenn Sie beim Streiten Sätze mit "Du" beginnen, wird sich Ihr Gegenüber in die Ecke gedrängt fühlen. Die Emotionen kochen über und der Streit eskaliert.
Wenn es in einem Streit bereits ordentlich brodelt, kann es schnell zu Beleidigungen kommen. Aber genau das sollten Sie um jeden Preis vermeiden. Beschimpfungen führen zum Gegenteil von konstruktivem Streiten. So schnell die Beleidigungen über die Lippen kommen, umso länger dauert es, sie zu vergessen. Gerade wenn es in einer Beziehung häufig zu üblen Beschimpfungen kommt, ist die Liebe schnell vorbei.
Auch bringt es nichts, vergammelte Suppen aufzuwärmen. Das bedeutet: Lassen Sie die Vergangenheit ruhen. Konzentrieren Sie sich beim Streiten auf den tatsächlichen Grund der aktuellen Situation und holen Sie nicht vergangene Geschichten an die Oberfläche. Nur so können Sie Ihre Argumente sachlich vortragen.
Eines der wichtigsten Punkte beim Streiten ist das Zuhören und Ausreden lassen. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber Respekt, indem Sie ihn nicht unterbrechen. Auf diese Weise lernen Sie die Argumente Ihres Streitpartners kennen.
Versuchen Sie sich in die Lage Ihres Gegenübers hineinzuversetzen. Wechseln Sie die Perspektive. Kann es sein, dass Ihr Streitpartner gar nicht so unrecht hat?
Wenn Sie erst einmal erkannt haben, dass ein Streit zwei Seiten hat, wird Ihnen auch klar, dass es nicht nur eine Lösung gibt. Bieten Sie mehrere Lösungsvorschläge für ein Problem an. Oft finden beide Seiten einen Kompromiss.
Übrigens: Wenn Sie ein wirklich konstruktives Streitgespräch führen möchten, sollten Sie am besten mit Lob beginnen und erst danach mitteilen, was Sie als störend empfinden. "Ich schätze an dir, dass du ..." gefolgt von "Es ärgert mich, dass ..." lässt das Gespräch sanfter beginnen und führt insgesamt zu einer entspannteren Gesprächssituation.