Befreundet nach der Trennung? Für viele Menschen entstehen durch den Kontakt zum Ex-Partner schwierige Situationen. Wir sprachen mit dem Paartherapeuten Dr. Wolfgang Krüger, warum das so ist und wie man damit umgeht.

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Die einen kochen vor Wut und Eifersucht, die anderen finden es gut, wenn sich Ex-Partner weiterhin gut verstehen: Der Kontakt zum ehemaligen Lebensgefährten kommt heutzutage viel häufiger vor als früher.

"Das liegt daran, dass wir heute Trennung als normaler erachten und viel sachlicher damit umgehen", sagt Dr. Wolfgang Krüger, Psychologe und Psychotherapeut aus Berlin, der auf Beziehungsprobleme spezialisiert ist.

Darum haben viele noch Kontakt zum Ex

Gründe, warum Menschen nach dem Ende einer Beziehung überhaupt noch Kontakt zum ehemaligen Partner haben, gibt es viele:

Gemeinsame Kinder, gemeinsamer Besitz und Interessen, der Freundeskreis, Sentimentalität, Erinnerungen, Gefühle der Verbundenheit und auch der Wille, respektvoll und reif miteinander umzugehen und aus der einstigen Liebesbeziehung eine Freundschaft werden zu lassen.

"Insbesondere, wenn Kinder da sind, ist es wichtig, dass die getrennten Eltern einen gedeihlichen Umgang miteinander haben und zumindest noch miteinander reden können", meint Wolfgang Krüger. Was aber, wenn dem aktuellen Partner die Post-Trennungs-Freundschaft zu schaffen macht?

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Die Sache mit dem Selbstbewusstsein

Bei getrennten Familien kommt dieses Problem oft auf, weiß der Berliner Psychologe aus mehr als 30 Jahren Erfahrung. "Da stecken Bindung und Familienleben dahinter. Der neue Partner muss lernen, damit umzugehen."

Diese Herausforderung gelinge meist nur, wenn der neue Partner über ein großes Selbstbewusstsein verfüge. "Dazu muss ich wissen, was mich ausmacht und was an mir so positiv ist, dass mein Partner mit mir das große Glück erleben will", erklärt Krüger.

Gute Freundschaften und eine nicht zu große Abhängigkeit vom neuen Partner würden den Lernprozess ebenfalls erleichtern. Soweit die Theorie. In der Praxis jedoch können viele Menschen nicht so tolerant denken und handeln. Es gelingt ihnen nicht, weil Emotionen hochkommen - insbesondere Eifersucht.

Wann ist Eifersucht berechtigt?

Eifersucht beruht nach dem Psychologen immer auf Unsicherheit, Abhängigkeit und falschen Schwerpunkten. "Es kommt jedoch darauf an, ob Eifersucht berechtigt ist oder nicht." Wenn das ehemalige Paar noch viel miteinander lache, sich auf vertraute Art anfasse und alte Rituale zelebriere, dann müsse man hellhörig werden.

"Man merkt auch, wie jemand über seine vergangene Beziehung spricht und wie intensiv Gefühle, Verletzungen und Kränkungen noch sind. Die alte Beziehung ist dann häufig noch nicht verarbeitet und zu wenig Zeit verstrichen. Da empfehle ich: Finger weg!", so der Beziehungsexperte.

Es gibt aber auch viele Beziehungen, die von Eifersucht dominiert werden. "Das ist die pathologische Eifersucht, die man nicht steuern kann und von der man wie von einem Ungeheuer überfallen wird - da kann der Partner machen, was er will", erklärt Wolfgang Krüger. Diese Form der meist unberechtigten Eifersucht beruhe auf frühkindlichen Erfahrungen.

"Wird ein Kind vernachlässigt und muss dabei erleben, wie Beziehungen plötzlich kaputtgehen, dann entwickelt es kein gutes Gefühl für Beziehungen und leidet lebenslang unter einem Grundmisstrauen. Das manifestiert sich in Kontrolle und Vorwürfen, die jede Paarbeziehung zermürben." Deshalb sei die pathologische Eifersucht auch behandlungsbedürftig.

Kennenlernen des Ex ist wichtig für die neue Beziehung

Das beste Mittel, die Kontaktsituation zum ehemaligen Partner zu entschärfen, ist für Psychotherapeut Krüger, diesen einzuladen. "Man muss den neuen Menschen in seinem Leben auch in seine Vergangenheit einbeziehen. Nur so kann Vertrauen entstehen und man will ja auch wissen, mit wem man es zu tun hat."

Nach sechs bis acht Wochen sei der Zeitpunkt gekommen, den neuen und alten Partner miteinander bekannt zu machen. "Denn im Normalfall sind beide neugierig, was für ein Mensch der andere ist", meint Krüger.

Bei diesem Treffen könne man sich zudem selbst einen Eindruck von der alten Beziehung verschaffen und würde auch schnell merken, ob man freundlich akzeptiert werde oder Rivalität da sei.

Die Frage nach dem ehemaligen Partner darf für den Paartherapeuten auch relativ schnell am Anfang einer neuen Liebesbeziehung gestellt werden. "Auf jeden Fall muss man ansprechen, wie lange die vorherige Beziehung her ist. So lässt sich checken, ob diese wirklich beendet ist."

Generell empfiehlt Wolfgang Krüger, vergangenen Beziehungen gegenüber großzügig zu sein, denn im Normalfall stelle der Ex-Partner keine Bedrohung dar. "Dass sich die beiden noch gut unterhalten können und eine Vertrautheit haben, das muss man tolerieren."

Dr. Wolfgang Krüger ist Tiefenpsychologe und Psychotherapeut mit Schwerpunkt Beziehungsschwierigkeiten sowie Autor vieler Sachbücher, darunter "So gelingt die Liebe - auch wenn der Partner nicht perfekt ist" und "Aus Eifersucht kann Liebe werden", und betreibt seit 35 Jahren eine Praxis in Berlin.
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