Jeder knirscht mal mit den Zähnen. Bei manchen Menschen aber geht das Knirschen soweit, dass Zähne, Kiefer und die Muskulatur leiden. Häufig pressen Betroffene ihre Zähne unbewusst oder im Schlaf und merken davon gar nichts. Das kann auf Dauer zu massiven Problemen führen.

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Zähne zusammenbeißen und durch! In bestimmten Lebenslagen ist das ein guter Ratschlag. Auf Dauer kann diese Art der Stressbewältigung jedoch zum Problem werden und zu Kopfschmerzen, Kieferverspannungen und kaputten Zähnen führen.

"Deshalb ist es wichtig, Bruxismus so früh wie möglich zu erkennen", sagt die Zahnmedizinerin Prof. Ingrid Peroz. Sie ist Oberärztin in der Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre an der Charité Berlin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT).

Bruxismus umfasst sowohl das Zähneknirschen und Aufeinanderpressen von Zähnen als auch Formen der Kieferanspannung ohne Zahnkontakt. Bruxismus kann im Schlaf auftreten und im Wachzustand. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen.

Stress, Nikotin und Alkohol können Knirschen begünstigen

Auch wenn Ursachen noch nicht eindeutig zu bestimmen sind, sind Faktoren bekannt, die Bruxismus begünstigen: Dazu zählen Stress, Schlafstörungen, genetische Einflüsse, Medikamente sowie bestimmte stimulierende Substanzen wie Nikotin, Alkohol und andere Drogen. In Verbindung mit Schlafapnoe, also Atemaussetzern im Schlaf, und damit zusammenhängendem Sodbrennen tritt das Phänomen ebenfalls auf.

"In der Physiotherapie gibt es noch die Theorie, dass eine Fehlstellung des Beckens Verspannungen bis in den Kopfbereich auslösen kann", sagt der Physiotherapeut Hans-Otto Rühl aus dem Vorstand des Landesverbandes Hessen des VDB-Physiotherapieverbandes.

"Etwa 80 Prozent meiner Patienten mit Kieferverspannungen haben einen Beckenschiefstand. Wenn ich das mitbehandele, kann ich oftmals schon einen großen Faktor für die Verspannungen ausschalten", sagt er und fügt hinzu: "Natürlich ist das nie der einzige Auslöser. Deshalb arbeiten wir immer eng mit Psychologen zusammen."

Mit Entspannung gegen das Knirschen

Der Diplom-Psychologe Thomas Welker sagt: "Bestimmte Entspannungsverfahren können dabei helfen, Anspannungen zu lösen und besser mit Stress umzugehen." So gibt es Kurse für Autogenes Training nach Schultz und Progressive Relaxation nach Jacobsen, welche auch als Progressive Muskelentspannung bekannt ist.

"In diesen Kursen werden auch spezielle Übungen angeboten, um den Bruxismus zu lindern", sagt Welker, der im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die Fachgruppe Entspannungsverfahren leitet.

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Abhilfe mit farbigen Punkten und Tennisbällen

Wer im wachen Zustand mit den Zähnen knirscht, kann sich mithilfe farbiger Punkte stetig daran erinnern, den Kiefer zu entspannen. Man klebt sie an Gegenstände in der eigenen Umgebung. Und immer, wenn man einen solchen Punkt sieht, kontrolliert man seine Zahnstellung, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ( DGZMK).

Für die Entspannung der Kiefermuskulatur empfiehlt Physiotherapeut Rühl, einen Tennisball zur Hilfe zu nehmen. "Der wird etwa eine Minute fest auf den Musculus masseter gepresst, also den Bereich an der Wange vor dem Ohr, der weh tut", erklärt er. "Das darf auch schmerzen. Meist ist der Muskel danach wieder entspannt oder man wiederholt das Verfahren an ein bis zwei anderen schmerzenden Punkten." Auch den Kiefer nach vorne zu schieben und dann zu entspannen, könne helfen.

Schiene nicht jede Nacht

Bei Bruxismus im Schlaf ist eine Schiene empfehlenswert. Sie ist beim Zahnarzt erhältlich und soll vor allem die Zähne schützen. Sie kann aber auch helfen, weniger zu knirschen, wenn noch kein Gewöhnungseffekt eingesetzt hat. Ingrid Peroz empfiehlt daher, die Schiene nicht jede Nacht zu tragen.

Aber ab wann sind diese Maßnahmen überhaupt notwendig? "Das hängt vom individuellen Leidensdruck ab", sagt die Medizinerin. "Grundsätzlich würde ich empfehlen, zum Arzt zu gehen, wenn nach dem Aufwachen Kieferschmerzen auftreten oder die Zähne Schaden nehmen." (dpa/kad)