• Die Kamille ist eine der bekanntesten Heilpflanzen in Deutschland.
  • Doch nicht immer ist sie so wirkungsvoll wie erhofft: Im heißen Teewasser aufgebrüht entfaltet die Kamille beispielsweise kaum ihre Wirkung.
  • Welche Alternativen es gibt, erklärt Apothekerin Dr. Ursula Sellerberg.

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Welche Inhaltsstoffe hat Kamille?

"Ihr Wirkstoff ist das ätherische Öl, in dem viele verschiedene Substanzen enthalten sind", sagt Dr. Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Das sind unter anderem a-Bisabolol, Matricin, die Flavonoide Apigenin und Quercetin, sowie Cumarine.

Gegen was hilft Kamille allgemein?

"Die Kamille kann traditionell gegen eine Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt werden", sagt Sellerberg. Die Europäische Arzneimittelkommission EMA folgert aus der langjährigen Anwendung der Kamillenblüten, dass sie bei folgenden Problemen helfen können:

  • Zur Behandlung bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Blähungen und leichten Krämpfen.
  • Zur Linderung von Erkältungssymptomen.
  • Zur Behandlung kleiner Geschwüre, offener Wunden und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
  • Als Zusatzbehandlung bei Reizungen der Haut, im Bereich des Afters und der Genitalien, nachdem schwere Erkrankungen von einem Arzt ausgeschlossen werden konnten.
  • Bei der Behandlung leichter Entzündungen der Haut wie einem Sonnenbrand, bei oberflächlichen Wunden und bei kleinen Beulen wie Furunkeln.

Achtung: Halten die Symptome während der Behandlung länger als eine Woche an, sollte ein Arzt oder ein Apotheker zu Rate gezogen werden.

Wieso wirkt das wässrige Extrakt nicht so gut wie das alkoholhaltige?

Pflanzliche Arzneimittel mit Kamillenblüten sind zum Beispiel Kräutertees und alkoholische Extrakte. "Beide werden gegen die gleichen Beschwerden eingesetzt", erklärt Sellerberg. "Es wird bei den Anwendungsgebieten also nicht zwischen wässrigen und alkoholischen Extrakten unterschieden."

Allerdings: Die verschiedenen Bestandteile des ätherischen Öls sind unterschiedlich gut in Wasser und Alkohol löslich, weshalb ein Tee nicht identisch wie ein alkoholisches Extrakt zusammengesetzt ist. "Kocht sich jemand einen Tee aus getrockneten Kamillenblüten, geht nicht das gesamte ätherische Öl der Kamille in das Teewasser über", erklärt Sellerberg. Denn das Öl löst sich nicht so leicht. "Ein Teil davon bleibt im Teebeutel und wird mit ihm weggeworfen." Die Wirkung könnte beeinträchtigt sein.

Standardisierte wässrig-alkoholische Extrakte sind deshalb eine sinnvolle Alternative, ergänzt Sellerberg, "weil bei solch industriell hergestellten Kamillenextrakten auf eine gleichbleibend hohe Konzentration der Inhaltsstoffe geachtet wird".

Und wie kommt es zu dem Irrtum mit dem Kamillentee?

Die Kamille ist eine altbekannte Heilpflanze und wird schon seit Jahrhunderten eingesetzt. Das ätherische Öl, das für ihre Wirkung verantwortlich ist, findet sich vor allem in den Blüten. Anders als bei den Arzneimitteltees, die aus getrockneten Kamillenblüten in Arzneibuchqualität bestehen, "werden für Lebensmitteltees zum Teil auch die Blätter verwendet und mit einem kleinen Anteil der Blüten gemischt", erklärt Sellerberg. "Dann schmeckt der Lebensmitteltee nach Kamille – und diesen Geschmack mögen viele Menschen – aber eine medizinische Wirkung ist nicht zu erwarten."

Wirkt Kamille bei einer äußeren Anwendung?

Äußerlich werden Arzneimittel mit Kamillenblüten und ihren Extrakten gegen leichte Entzündungen der Haut wie Sonnenbrand oder oberflächliche Wunden eingesetzt. Dafür gibt es unter anderem Salben und Gels in der Apotheke. "Ein Patient sollte sich immer zuerst beraten lassen, welche Darreichungsform für die individuellen Beschwerden am besten ist oder ob es Alternativen gibt", sagt Sellerberg.

Über die Expertin: Dr. Ursula Sellerberg ist Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

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