Das Wochenende oder der Urlaub naht, endlich Zeit sich zu entspannen. Doch genau dann kommt eine Migräneattacke – dieses Phänomen kennen einige Kopfschmerz-Patienten. Wir klären mit einem Experten, woran es liegen kann, dass Migräne genau an freien Tagen auftritt und wie man den Anfällen vorbeugen kann.

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Migräne ist aus medizinischer Sicht in der Regel nicht gefährlich, die Kopfschmerzen stellen für Betroffene aber eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Typischerweise tritt Migräne in Anfällen auf, wird von Betroffenen als sehr stark beschrieben und kann laut der Schmerzklinik Kiel vier bis 72 Stunden andauern. Häufig verstärkt körperliche Aktivität den Schmerz. Auch Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit gehen oft mit Migräne einher.

Vielen Patienten hilft es, neben der Einnahme von Medikamenten (detailliert aufgeführt auf der Seite der DMKG), sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen.

Migräne am Wochenende

Migräne wird in der Regel durch einen zu hohen Energieverbrauch in den Nervenzellen verursacht. In ihrer Art unterscheidet sich die "Wochenend-Migräne" nicht von einer klassischen Migräne. Doch gerade das Auftreten der Schmerzen an freien Tagen, wie dem Wochenende oder am Anfang des Urlaubs, wird von Betroffenen als besonders belastend empfunden.

Die Auslöser, die sogenannten Trigger der Attacken, können bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Häufig sind Stress, ein unregelmäßiger Tagesrhythmus, das Auslassen von Hauptmahlzeiten oder Überanstrengung die Ursachen. Genauso kann aber auch das Absinken eines dauerhaft hohen Stresspegels an entspannteren, freien Tagen zu einer Attacke führen.

"Der Stressabfall, die Rückkehr in den Ruhemodus, können wesentliche Trigger der Migräne darstellen. Betroffene, die darauf empfindlich reagieren, berichten, Migräneanfälle vor allem in der Zeit zu erleiden, an der sie von ihren Alltagsverpflichtungen entlastet sind, dies ist eben häufig das Wochenende. Das Gehirn nutzt quasi die Freizeit für die Normalisierung seiner Reizverarbeitung im Rahmen des Migräneanfalles", erklärt Dr. Charly Gaul, Ärztlicher Direktor an der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein.

Für eine detaillierte Diagnose und einen erfolgreichen Therapieverlauf ist das Führen eines Kopfschmerztagebuches ratsam. So kann in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt herausgefunden werden, welche Trigger die Attacken auslösen. Dementsprechend können verschiedene Behandlungsmöglichkeiten ausprobiert werden. Wer mehr über seine Erkrankung weiß, kann sie auch gezielter behandeln.

Veränderter Schlafrhythmus kann Kopfschmerzen verursachen

Abends ausgehen und am nächsten, freien Tag lange ausschlafen: Was vielen Menschen nichts ausmacht, kann bei Migränepatienten zur nächsten Attacke führen. Denn veränderte Schlafzeiten können den Organismus aus dem Takt bringen. Auch Schichtarbeit wirkt sich durch den wechselnden Tag-Nacht-Rhythmus bei einigen Betroffenen ungünstig auf die Migräne aus.

"Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist für viele Migräne-Betroffene sehr wichtig. Der Körper liebt Regelmäßigkeit, regelmäßigen und ausreichenden Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten. Dies stellt eine ausgeglichene Erholungsfunktion und eine ausreichende Energiebereitstellung sicher. Bei in Bezug auf den Schlafrhythmus empfindlichen Migräne-Betroffenen kann die Verschiebung des Schlafes bereits ausreichen, Attacken auszulösen", sagt der Migräne-Experte.

Einschlaf- und Aufwachzeiten sollten sich also möglichst an allen Tagen ähneln. Wenn sich die Routine mal nicht einrichten lässt, kann man versuchen, mit folgendem Trick den üblichen Rhythmus zu imitieren: "Den Wecker auch an freien Tagen zur gewohnten Zeit stellen, kurz erwachen und dann weiter schlafen. Das ist zwar keine Grundregel für alle Patienten, da diese Mechanismen nicht für alle Betroffenen eine Rolle spielen. Man kann aber ausprobieren, ob es hilft", sagt Gaul im Gespräch mit unserer Redaktion.

Migräneattacken vorbeugen

Wer das Auftreten eines Migräneanfalls nicht begünstigen möchte, sollte das eigene Verhalten an die Erkrankung anpassen und die Leistungsfähigkeit des Nervensystems nicht überfordern. Da eine vollständige Heilung nicht möglich ist, ist es wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und möglichst entspannt damit umzugehen. Ausgeglichenheit senkt nämlich das Risiko von weiteren Attacken.

"Schon in der Woche während der Alltags- und Berufsroutine sollte man für einen ausgeglichenen Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe sorgen. Man kann auch am Arbeitsplatz immer mal wieder 10 Minuten Atementspannung einbauen oder die Mittagspause zu einem kleinen Spaziergang nutzen", sagt der Experte.

Auch rät Gaul dazu, Übungen der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson durchzuführen. Bei dieser Entspannungstechnik wird durch das gezielte Anspannen und Lockerlassen einzelner Muskelpartien Entspannung herbeigeführt, wie beispielsweise hier genauer erklärt wird.

Wer seinen Körper kennt und weiß, welche Auslöser zur Attacke führen, sollte die jeweiligen Triggerfaktoren vermeiden, um sich vor einem Migräneanfall zu schützen. Ein gleichmäßiger Tagesablauf kann Kopfschmerzen verhindern. Auch regelmäßige Essenszeiten sollte eingehalten werden. Sport und Bewegung helfen dem Gehirn Kraft zu schöpfen und mögliche Überbelastung auszugleichen.

Über den Experten: Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul ist Facharzt für Neurologie, Spezielle Schmerztherapie und Neurologische Intensivmedizin und Ärztlicher Direktor an der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Erforschung und Behandlung von Migräne und chronischen Kopfschmerzerkrankungen.

Verwendete Quellen:

  • Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft e.V.: Diagnostik, Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne
  • Schmerzklinik Kiel: Die 10 wichtigsten Tipps gegen Migräne- und Kopfschmerzen
  • Apotheken Umschau: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

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