Die Familienplanung ist längst abgeschlossen und Sie befinden sich bereits in der Menopause: Kann man in dieser Lebensphase auf Verhütung verzichten? Besser nicht.

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In den Medien ist immer wieder von sehr spät gebärenden Promi-Müttern zu lesen. Für viele liegt dann der Gedanke nahe, diese Frauen hätten hormonell nachgeholfen, um noch einmal schwanger zu werden. Doch das muss nicht sein. Denn auch in den Wechseljahren können Frauen schwanger werden. Tatsächlich gibt es - wenn auch ausgesprochen selten - Frauen, die jenseits der 50 noch auf natürlichem Wege zu ihrem ersten Kind gekommen sind.

Wann kommt eine Frau in die Wechseljahre?

So wie der Zyklus jeder Frauen sehr individuell ist, so unterscheiden sich auch Beginn und Dauer der Wechseljahre stark. Diese Phase, die auch als Klimakterium bezeichnet wird, umfasst den Abschnitt der hormonellen Umstellung am Ende der Fruchtbarkeit einer Frau.
Unterteilt werden die mehrere Jahre andauernden Wechseljahre in verschiedene Phasen: Die sogenannte Perimenopause beginnt durchschnittlich mit 47 Jahren und umfasst etwa vier bis sechs Jahre - die Zeit vor und nach dem Ausbleiben der Menstruation. Die Eierstöcke arbeiten langsamer, die Blutung wird schwächer und bleibt immer öfter aus.

Als Menopause wird die letzte Regelblutung bezeichnet, auf die mindestens zwölf Monate lang keine weitere Menstruation folgt. Die Eierstöcke stellen ihre Produktion. Dies ist meist im Alter von rund 50 Jahren der Fall. Auf die Perimenopause folgt die Postmenopause.

Da in den Wechseljahren eine große Hormonumstellung im Körper der Frau vor sich geht, kann es bei acht von zehn Frauen zu Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kommen. Sogar unter Schlafstörungen, Depression und Müdigkeit können Frauen in dieser Zeit leiden.

Schwanger trotz Wechseljahren?

Auch wenn zu Beginn der Wechseljahre der Hormonspiegel absinkt, der Eisprung seltener wird und die Regelblutung immer öfter ausbleibt: Frauen können in dieser Phase trotzdem schwanger werden. Besonders wenn die ovulatorischen Zyklen regelmäßig einsetzen, besteht diese Möglichkeit. Doch auch bei Unregelmäßigkeiten gibt es keine Sicherheit: Selbst wenn die Regelblutung einige Monate ausgeblieben ist, können wieder regelmäßige Blutungen einsetzen - mitunter sogar mit Eisprung. Solange der Vorrat an Eizellen einer Frau nicht aufgebraucht ist, kann sie schwanger werden.

Um ganz sicherzugehen, dass nicht doch noch eine unerwünschte Befruchtung stattfindet, ist eine zuverlässige Verhütung bis zum 52. Lebensjahr wichtig. Erst wenn die Postmenopause erreicht wurde, also ein Jahr lang keine Regelblutung mehr aufgetreten ist, ist Verhütung normalerweise nicht mehr nötig.

Anzeichen für eine Schwangerschaft

Dadurch, dass die Menstruation zunehmend seltener wird, bleibt auch eine etwaige Schwangerschaft oft länger unbemerkt. Auch, dass viele Frauen während ihrer Wechseljahre Symptome spüren, die einer Schwangerschaft ähneln, sorgt bisweilen für Verwirrung. Beides ist eben mit starken hormonellen Schwankungen verbunden.
Sollten Betroffene zusätzlich zu einer ausbleibenden Regelblutung auch unter Spannungsgefühlen in den Brüsten, Abgeschlagenheit und/oder Übelkeit leiden, kann nur ein Schwangerschaftstest Aufschluss geben.

Ab einem Alter von 52 Jahren geht die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, gegen 0. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2018 in Deutschland 14 Schwangerschaftsabbrüche in der Altersgruppe 50+. Bei den 45- bis 50-Jährigen waren es 631. Daher sollte bis zur Postmenopause verhüten, wer keine Kinder mehr möchte.

Verhütungsmittel für die Wechseljahre

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hormonbasierte Verhütungsmittel wie Kombi-Pillen und Vaginalring sind in den Wechseljahren daher meist keine gute Wahl. Etwas verträglicher sind die Minipille und Hormonstäbchen, da sie nur Gestagene in niedriger Dosierung enthalten. Kupferspiralen geben im Gegensatz zu Hormonspiralen keinerlei Hormone ab. Nachteilig ist, dass Kupferspiralen Blutungen oft verstärken, für Frauen mit starker Menstruation sind sie also weniger geeignet.

Die symptothermale Methode aus dem Bereich der natürlichen Verhütung, bei der körperliche Anzeichen wie Körpertemperatur beim Aufwachen und Beschaffenheit des Zervixschleims beobachtet und gemessen werden, funktioniert nur aussagekräftig, solange eine Frau mehr oder weniger regelmäßige Zyklen mit Eisprüngen hat.

Um sich weder Gedanken über Hormone noch über Zyklen machen zu müssen, kommen bei älteren Frauen sehr häufig nichthormonelle Barrieremethoden wie Kondome oder Diaphragmen zum Einsatz. Diese können auch dann als Verhütung genutzt werden, wenn sich Frauen wegen Wechseljahrbeschwerden einer Hormontherapie unterziehen. Die natürliche Empfängnisverhütung hingegen ist während einer Hormontherapie nicht mehr möglich, da sich die Schleimbeschaffenheit und die Körpertemperatur ändern. Auch Sterilisation ist bisweilen ein Thema, allerdings ist sie sehr kostspielig und mit den Risiken einer Operation verbunden.

(tsch)

Verwendete Quellen:

  • Frauenärzte im Netz: "Wechseljahre & Wechseljahresbeschwerden"
  • Deutsche Menopause Gesellschaft e.V.: "Verhütung vor der Menopause"
  • Familienplanung.de: "Wie lange ist Verhütung nötig?"
  • Mama im Ländle: "Späte Eltern - Mama werden mit 53"
  • DeStatis: "Schwangerschaftsabbrüche"
  • Entspannte Wechseljahre.de: "Schwanger in den Wechseljahren"
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Verhütung: Diese Methoden sind nicht nur unwirksam, sondern auch gefährlich

Vor über 50 Jahren wurde auf der Internationalen Konferenz für Menschenrechte beschlossen, dass Familienplanung ein Menschenrecht ist. Doch noch immer haben Hunderte Millionen Frauen und Männer keinen Zugang zu sicherer Verhütung. Der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen hat weltweit verzweifelte und gefährliche Versuche zur Verhütung dokumentiert.