"Vorsicht, Blaualgen!" Wer solche Hinweisschilder an Badegewässern sieht, sollte sie ernst nehmen. Die giftigen Algen vermehren sich zur Zeit stark und sind eine Gefahr für die Gesundheit.

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Der Hochsommer ist in vollem Gange. Hin und wieder sind Gewitter vorhergesagt, die laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) auch mal sehr heftig ausfallen und zu Unwettern mit starkem Regen ausarten können. Die Temperaturen sollen weiter hoch bleiben.

Zu den Schattenseiten gehören nicht nur eine erhöhte Waldbrandgefahr, sondern auch vermehrt auftretende Blaualgen, die Badelustigen einen bitteren Strich durch die Rechnung machen.

Warum sind Blaualgen eine Gefahr?

Auf Satellitenbildern sind an vielen beliebten Küsten und Badeorten Blaualgen gesichtet worden, wie das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow mitteilte. Es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um typische Blaualgen der Gattungen Nodularia und Aphanizomenon. In den Bodden und Haffen mit höherem Süßwassergehalt komme die Gattung Microcystis vor. Laboruntersuchungen bestätigten den Verdacht.

Bei allen drei Gattungen kann es beim Verschlucken zu Vergiftungen kommen, beim Baden zu Hautreizungen.

  • Wichtig: Wer immungeschwächt ist oder offene Wunden hat, sollte in betroffenen Gewässern nicht baden gehen!
Algenteppiche schwimmen im Hafen von Stralsund an der Ostseeküste. Das hochsommerliche Wetter begünstigt das Wachstum von Blaualgen an der Ostseeküste und in Binnenseen.

Welche Stellen zeigen die Satellitenaufnahmen?

Die Satellitenaufnahmen zeigen große Algenvorkommen an diesen Orten:

  • vor den Küsten Dänemarks
  • vor den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns
  • in den Bodengewässern Rügens und im Stettiner Haff
  • in Badeseen Niedersachsens.

Doch Vorsicht: Auch in anderen Gewässern könnten sich allerdings Blaualgen befinden.

In welchen Bundesländern wird aktuell vor Blaualgen gewarnt? Wie kann ich mich informieren?

Wie eine Recherche unserer Redaktion zeigte, liegen aktuell auch Warnungen für bestimmte Gewässer etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen und Nordrhein-Westfalen vor (Stand: 12. August 2020). Unter diesen Links können Sie sich aktuell über Gewässer in Ihrem Bundesland informieren:

An vielen Orten weisen Schilder auf die Gefahr hin. Diese sollten Besucher unbedingt beachten! Auch für Hunde sind die Algen gefährlich. Den Experten zufolge könnte die Blüte in den kommenden warmen Tagen weiterhin das Badevergnügen verderben.

Entwarnung gibt Schleswig-Holstein: Die Badewasserqualität sei während der heißen Tage gut, wird versichert. "In den schleswig-holsteinischen Badegewässern treten zur Zeit keine bakteriologischen Belastungen auf", heißt es auf der Homepage der Landesregierung.

Was sind typische Symptome?

Haut- und Schleimhautreizungen können bei Berührung mit den Blaualgen auftreten. Beim Verschlucken größerer Mengen Wasser können diese Symptome auftreten:

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Benommenheit
Besucher baden Ende Juni im Otterstedter See, in dem Schlieren zu sehen sind (Luftaufnahme mit einer Drohne). In Niedersachsen wird derzeit an mehreren Badestellen vor gesundheitsgefährdenden Blaualgen gewarnt.

Sind Blaualgen für Hunde gefährlich?

Ja, sogar sehr. Die Tierärztin Kristine Hucke weist darauf hin, dass Blaualgen für Hunde - im Gegensatz zum Menschen - sogar tödlich sein können. Die Tiere nehmen das Wasser leicht beim Baden auf oder kauen an angeschwemmten Blaualgenanteilen herum. Die Symptome bei einer Vergiftung seien zunächst unspezifisch:

  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Durchfall

Dann aber lebensbedrohlich:

  • Atemnot
  • Zuckungen, Krämpfe
  • Bewusstseinsverlust, Seitenlage
  • oft auch Fieber

Bei einem Verdacht sei Aktivkohle zu verabreichen und sofort eine Tierklinik aufzusuchen. Die Ärztin rät vor allem zur Vorsorge: "Lassen Sie Ihren Hund im Sommer nicht in stehenden Gewässern mit grünlich-trübem Wasser schwimmen oder daraus trinken. Vermeiden Sie, dass er die algenbewachsenen Steine ableckt und ja, auch das algenbewachsene Stöckchen sollte nicht zerkaut werden!"

Tödliche Fälle gab es bereits: Im Jahr 2013 starb ein zweieinhalbjähriger Mischling knapp 24 Stunden nach einem Ausflug an ein Boddengewässer auf Rügen. Er hatte dort auf getrockneten "Algenmatten" herumgekaut und auch Boddenwasser getrunken. Im vergangenen Jahr ging auch ein Fall aus den USA durch die Medien: Drei Hunde starben in North Carolina durch Blaualgen. Und in diesem Sommer verendeten zwei Hunde in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Badeausflug.

Warum vermehren sich die Blaualgen gerade so stark?

Biologisch gesehen sind Blaualgen Bakterien. Sie vermehren sich bei Wassertemperaturen ab 18 Grad und hoher Sonneneinstrahlung massenhaft. Bei ruhiger Wetterlage können sie sich an der Wasseroberfläche anreichern und bei auflandigem Wind an die Küsten getrieben werden.

Ein weiterer Grund für die Massenvermehrung sind die Nährstoffe, die vom Land ins Meer gelangen. Der Sauerstoffmangel in großen Gebieten der zentralen Ostsee verstärkt diesen Prozess noch, wie das Landesamt erläuterte.

Bleibt das Wetter so heiß und schwül?

Am Freitag soll es nordöstlich der Elbe freundlich und sonnig bleiben, im Rest des Landes bilden sich im Tagesverlauf neue Schauer und Gewitter, die laut DWD Unwetterpotenzial haben. Diesmal ist vor allem die Nordhälfte Deutschlands von Temperaturen bis 34 Grad geprägt, im Rest des Landes dürfte das Thermometer "nur" bis auf 30 Grad klettern.

Am Samstag entspannt sich die Hitzesituation nach DWD-Angaben etwas. Die Temperaturen steigen dann noch auf 25 bis 30 Grad, am wärmsten wird es dabei im Osten. (af)

Verwendete Quellen:

Badedermatitis: Was nach einem Tag am Badesee drohen könnte

Juckende Pusteln nach einem Tag am See? Dahinter kann sich eine Badedermatitis verbergen. Was Sie beachten sollten. Vorschaubild: imago images / Panthermedia