Gesund? Mitnichten. Zwar wird Säuglingsnahrung meist als "sicher und gesund" beworben, steckt aber voller Zucker. Die Folgen: Babys leiden später häufiger an Karies und Übergewicht. So geht es nicht, finden Kinderärzte und die Bundeszahnärztekammer. Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" fordert daher eine strengere gesetzliche Regelung für die Vermarktung.

Ob Babykekse, Trinkmahlzeiten, Brei oder Baby-Tees: Spezielle Produkte für Säuglinge widersprechen oft den ernährungswissenschaftlichen und ärztlichen Empfehlungen und sind daher alles andere als empfehlenswert, obwohl sie als gesund und kindgerecht beworben werden.

Diese Tricks der Lebensmittelhersteller machen Kinder zu Konsumenten.

Babykekse bestehen beispielsweise bis zu einem Viertel aus Zucker. Auch von Babytees aus Zuckergranulat ist dringend abzuraten. So empfiehlt beispielsweise die Bundeszahnärztekammer, dass Babys und Kleinkinder nach dem Stillen nur Wasser und ungesüßte Kräutertess trinken sollten. Von kohlenhydrathaltigen Trinkmahlzeiten aus Milch und Getreide rät die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) ebenfalls ab.

Zu viel Zucker im Babyalter ist gefährlich

Überfütterung und Kariesbildung haben nämlich nicht nur Auswirkungen im Säuglingsalter, sondern auch Effekte auf das Erwachsenenleben: Kinder werden zu früh an zuckerreiche Ernährung gewöhnt und leiden später häufiger an Übergewicht. Auch Zahnschäden setzen sich bis ins Erwachsenenalter fort: "Kinder mit frühkindlicher Karies entwickeln auch im Erwachsenengebiss deutlich häufiger Karies", warnt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Versprechen wie "fettarm" oder "stärkt die Abwehr" sind oft fragwürdig.

Die DGKJ fordert schon seit 2007 einen unverzüglichen Stopp der Vermarktung solcher Produkte an gesunde Babys. Säuglingsnahrung unterliegt zwar EU-weiten Bestimmungen, bei der Zusammensetzung der Zutaten sind die Hersteller jedoch relativ frei. Die Vermarktungspraktiken stimmen oft nicht mit den Ernährungsempfehlungen von Ärzten und Fachgesellschaften überein. So dürfen selbst ungesunde Produkte als gesund beworben werden.

Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" setzt sich daher für eine strengere gesetzliche Regelung ein, nach der lediglich solche Produkte vermarktet werden dürfen, die den Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften entsprechen.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie, welche Produkte von Fachgesellschaften und der Verbraucherorganisation Foodwatch besonders kritisiert werden.