Mit der Wirkung von elektrischen und magnetischen Feldern haben sich nicht nur schon viele Studien beschäftigt, mit der Angst davor werden auch Geschäfte gemacht. Doch auch wenn noch nicht alle Risiken abschließend abgeschätzt sind, gibt es nach jetziger Studienlage keinen Grund zu Hysterie.

Sie umgeben uns fast an jedem Ort, an dem wir uns aufhalten: elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder. Sie werden von Strommasten abgestrahlt, von Handy- und anderen Funkmasten, aber auch von der Basisstation des schnurlosen Telefons daheim, von der Bohrmaschine, vom Fön. Überall, wo Strom ist, entstehen diese Felder.

Je nach Art dringen sie in unseren Körper ein oder bleiben an der Oberfläche, sind unterschiedlich stark und haben deshalb unterschiedliche Wirkungen auf unseren Körper.

Da man sie nicht sehen kann, lösen sie bei nicht wenigen Menschen Unbehagen aus. Rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung, so das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), bezeichnen sich selbst als "elektrosensibel" - als Menschen also, die elektrische und magnetische Felder wahrnehmen und negativ von ihnen beeinflusst werden. Diese Menschen haben Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten.

Grenzwerte offenbar sicher

Dass diese Beschwerden von der Strahlung kommen, ist allerdings wissenschaftlich bis heute nicht bewiesen.

"Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Symptomen und den Feldern konnte in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen werden", so Gunde Ziegelbauer, Leiterin der Arbeitsgruppe Elektromagnetische Felder im BfS, im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es gibt also bislang auch keine Diagnosemöglichkeit für Elektrosensibilität."

Für Menschen mit diesen Beschwerden kann das frustrierend sein - zumal es nicht so ist, dass elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder gar keine Wirkung auf die Gesundheit haben können.

Darum sollten Sie Ihr Handy niemals auf den Tisch legen.


Allerdings sieht es bisher so aus, dass die Grenzwerte, die etwa beim Errichten von Strom- oder Funkmasten oder der Herstellung eines Handys eingehalten werden müssen, ausreichend sind, um vor negativen Einflüssen der Strahlung zu schützen.

Drei Arten von Feldern

Doch welche Arten von Strahlung gibt es überhaupt? Zu unterscheiden ist zwischen statischen und niederfrequenten sowie hochfrequenten Feldern.

Statische und niederfrequente Felder können elektrisch oder magnetisch sein, hochfrequente sind elektromagnetisch.

Hochfrequente Felder kommen bei Handys vor, bei schnurlosen Telefonen, beim WLAN. Statische und niederfrequente elektrische Felder an allen elektrischen Leitungen, an denen eine Spannung anliegt, statische und niederfrequente magnetische Felder an allen elektrischen Geräten und Leitungen, durch die Wechselstrom fließt.

Jedes dieser Felder kann bei entsprechend hoher Intensität Auswirkungen auf die Gesundheit haben. So kann niederfrequente Strahlung elektrische Felder und Ströme im Körper erzeugen.

Diese wiederum können ab einer gewissen Stärke die natürlich im Körper vorkommenden elektrischen Felder und Ströme stören, so dass man zum Beispiel Lichtblitze oder dunkle Punkte sieht, oder die Muskeln beginnen zu zittern. Auch auf Herzschrittmacher können diese Felder störend wirken.

Langzeitwirkung noch nicht abgeklärt

Niederfrequente Felder sind quasi überall: im Zug und bei Hochspannungsleitungen, wenn man die Mikrowelle anmacht oder den Fön.

Manchmal werden andere berühmt - die wahren Schöpfer sind vergessen.


Tatsächlich ist aber der Grenzwert, dem ein Körper in der Nähe dieser Geräte oder Anlagen ausgesetzt sein darf, so niedrig angesetzt, dass es eigentlich zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung kommen kann.

Dennoch wird in dem Bereich weiterhin geforscht, denn mögliche Langzeitfolgen sind noch nicht abgeklärt. So haben Studien ergeben, dass Kinder, die längere Zeit Magnetfeldern ausgesetzt waren, deren Stärke deutlich unter dem Grenzwert lag, ein erhöhtes Risiko hatten, an Leukämie zu erkranken.

Warum das so sein könnte, können sich die Forscher bislang nicht erklären. Gerade weil im Zuge der Energiewende die Stromnetze in Deutschland ausgebaut werden, werde dieses Thema aber sehr ernst genommen, so das BfS.

Erhöhtes Krebsrisiko wegen fehlender Langzeitstudien nicht auszuschließen

Ähnlich ist die Lage bei hochfrequenter Strahlung, der vor allem Handynutzer ausgesetzt sind. Diese Strahlung gibt beim Telefonieren Energie an das umliegende Gewebe ab, das sich dadurch erwärmen kann.

In Versuchen mit Tieren zeigte sich, dass bei einer Erhöhung der Körpertemperatur von mehr als einem Grad Celsius über einen längeren Zeitraum der Stoffwechsel gestört wurde und sich die Tiere anders verhielten.

Nun sind diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Dennoch sind die gesetzlichen Grenzwerte so gewählt worden, dass sich das Gewebe nicht so stark erwärmen kann.

Unterhalb der Grenzwerte sollte also nichts passieren, denn "die Wirkungen von nieder- und hochfrequenten Feldern sind Schwellenwirkungen. Das heißt, dass es erst ab einer bestimmten Feldstärke eine Wirkung gibt", sagt Gunde Ziegelberger.

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Allerdings könne man durch das Telefonieren mit dem Handy nah an den sogenannten Teilkörper-Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm kommen - und weit oberhalb des Grenzwertes könne sich dann auch das Gewebe am Kopf erwärmen.

"Bei intensiven Handynutzern ist das Risiko von Langzeitwirkungen, wie zum Beispiel, dass dadurch ein Tumor entsteht, nicht ganz auszuschließen", sagt die Expertin. Bislang dazu durchgeführte Studien hätten zwar kein erhöhtes Risiko ergeben, man müsse das aber noch über einen längeren Zeitraum beobachten.

Vorsicht bei Babys und Kleinkindern

Vom BfS und anderen Experten durchgeführte Messungen haben für Menschen, die sich in einem, feldtechnisch gesehen "normalen" Umfeld bewegen, keine kritischen Werte ergeben. "Sie haben sowohl für nieder- als auch für hochfrequente Felder gezeigt, dass die Belastung im Alltag meist weit unterhalb der Grenzwerte liegt", so Ziegelberger.

Bei den niederfrequenten, magnetischen Feldern lag sie pro Tag im Mittel bei etwa einem Tausendstel des Grenzwertes von 100 Mikro-Tesla, bei hochfrequenten Feldern üblicherweise bei wenigen Prozenten des sogenannten Ganzkörper-Grenzwertes von 0,08 Watt pro Kilogramm.

Wer seine Strahlenbelastung dennoch minimieren möchte, sollte beachten, dass die Feldstärke mit der Entfernung zur Quelle rasch abnimmt. "Beim Telefonieren mit dem Handy könnte man also ein Headset benutzen und das Handy dann vor sich auf den Tisch legen", sagt Ziegelberger.

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"Außerdem sollte man nicht so viel in Räumen mit schlechtem Empfang telefonieren, weil das Handy dann mit einer höheren Leistung senden muss und dann mehr Strahlung abgibt."

Außerdem kann man beim Kauf eines Handys darauf achten, dass es einen niedrigen SAR-Wert hat. SAR steht für "Spezifische Absorptionsrate". Sie gibt an, wie viel Energie vom Körper absorbiert wird. Der Wert sollte zwei Watt pro Kilogramm nicht überschreiten.

Besonders vorsichtig sollte man bei Babys und Kleinkindern sein. So rät das BfS, das Babyphon nicht zu nah ans Bett des Kindes zu stellen oder eines mit Akkus zu kaufen, da dann keine niederfrequenten Felder auftreten.

Kritiker bemängeln Studienlage

Organisationen, die den Stromnetz- und Mobilfunk-Ausbau kritisch begleiten, fordern darüber hinaus aber noch weiteren Schutz.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wünscht sich etwa einen Verzicht auf "vermeidbare Mobilfunkanwendungen" - etwa dort, wo mehrere Sender gleiche Dienste anbieten, "oder drahtlose Übertragungstechnologien durch kabelgebundene Verfahren abgelöst werden können".

Menschen, die sich nicht den Einwirkungen elektromagnetischer Strahlung aussetzen wollten oder besonders sensibel reagierten, müssten die Möglichkeit haben, sich zu schützen, findet der BUND.

Er hält übrigens einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Elektrosmog und gesundheitlichen Problemen durchaus für wahrscheinlich.

Dass eindeutige Beweise selten seien, hat für die Umweltschützer vor allem folgenden Grund: "Geeignete wissenschaftliche Studien, die die vorliegenden Aussagen eindeutig widerlegen oder beweisen könnten, sind Mangelware; sie werden praktisch nicht in Auftrag gegeben."

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