Wenn die Scheide juckt und brennt, denken viele Frauen zunächst an eine Pilzinfektion. Obwohl es dagegen rezeptfreie Mittel in der Apotheke gibt, sollte man mit solchen Beschwerden besser zum Arzt gehen. Manchmal haben sie ganz andere Ursachen, die anders behandelt werden müssen. Einige Frauen leiden aber auch an Pilzinfektionen, die immer wiederkehren.

Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, wie Sie die Symptome richtig deuten und Vaginalpilze behandeln sollten.

Herr Albring, was sind die typischen Symptome einer Infektion mit Vaginalpilzen?

Christian Albring: Typischerweise beginnen die Symptome kurz vor der Menstruation, weil in diesen Tagen die Zuckerkonzentration in der Vagina erhöht ist.

In den meisten Fällen ist Juckreiz das wichtigste Symptom. Der Ausfluss ist anfangs dünnflüssig, später kann er weißlich-flockig sein. Er kann aber auch völlig fehlen. Und der Juckreiz kann auch durch andere Krankheiten hervorgerufen werden.

Die starke Vermehrung der Pilze in der Vagina und im äußeren Intimbereich verursacht Rötungen, Schwellungen, das Gefühl wund zu sein, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder auch beim Wasserlassen.

Einen typischen unangenehmen Geruch gibt es bei Pilzinfektionen nicht.

Sollte man mit solchen Symptomen besser zum Arzt gehen, statt sich ein Mittel aus der Apotheke zu holen?

Auf jeden Fall. Diese Symptome können auch durch eine Infektion mit Bakterien ausgelöst werden, die auf Pilzmittel nicht reagieren.

Untersuchungen haben ergeben, dass nur bei jeder dritten Frau, die bei sich selbst eine Pilzinfektion der Vagina diagnostiziert und ein rezeptfreies Antipilzmittel angewendet hat, tatsächlich eine solche Infektion die Ursache der Symptome war.

Eine exakte Diagnose ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Viele Frauen berichten, dass sie nach einer Behandlung mit Antibiotika eine Pilzinfektion bekommen haben. Wie hängt das zusammen?

Antibiotika an sich beeinflussen das Wachstum der Pilze nicht. Sie können lediglich das bakterielle Gleichgewicht im Darm und in der Vagina stören und so den Pilzen die Gelegenheit geben, sich stärker zu vermehren.

Wie viele Frauen sind mindestens einmal in ihrem Leben von einer Pilzinfektion der Scheide betroffen?

Bei rund 20 Prozent aller Frauen wird eine Besiedlung der Scheide mit Candida, also Hefepilzen, diagnostiziert.

Wer unter diesen Symptomen leidet, versteckt Psoriasis oft jahrelang.

Bei Schwangeren, bei Frauen vor der Menopause, mit Immundefiziten wie zum Beispiel durch eine Cortisonbehandlung, mit Allergien oder bei Frauen mit einem schlecht eingestellten "Diabetes mellitus" steigt die Zahl auf 30 Prozent.

Irgendwann im Laufe des Lebens tritt wahrscheinlich bei fast allen Frauen eine vorübergehende und symptomlose Besiedlung der Vagina mit Hefepilzen auf.

Krankheitswert bekommt eine solche Besiedlung erst, wenn sich die Hefepilze sprunghaft vermehren.

Kann man sich mit Pilzen überhaupt anstecken oder sind sie ähnlich wie im Darm ohnehin Bestandteil einer gesunden Vaginalflora, solange sie sich nicht übermäßig vermehren?

Hefepilze sind zwar häufig auf der Haut, im Mund, im Darm und auch im Intimbereich anzutreffen. Aber man kann sie nicht als Bestandteil einer gesunden Vaginalflora bezeichnen.

Einige Frauen werden eine Pilzinfektion kaum los oder berichten, dass sie immer wiederkommt. Was kann man in einem solchen Fall tun?

Im Ausland wird empfohlen, Borsäurezäpfchen zu verwenden. Diese sind in Deutschland aber verboten. Bei uns wird die Einnahme von Arzneimitteln gegen Pilzinfektionen auch als Tabletten über einen längeren Zeitraum empfohlen.

Etwa 50 Prozent aller behandelten Frauen bleiben nach einer solchen Behandlung für längere Zeit ohne Rückfall.

Es gibt Hinweise darauf, dass bei wiederkehrenden Infektionen häufig der Partner betroffen ist, auch wenn er keine Symptome spürt.

Auch eine Übertragung der Keime aus der Mundhöhle durch sexuelle Kontakte ist denkbar.

Die Verwendung von Kondomen und der Verzicht auf Kontakte zwischen Mund und Geschlechtsorganen – sowohl beim Mann als auch bei der Frau – können diese Übertragungswege stoppen und die Gefahr wiederkehrender Infektionen eingrenzen.

Kurze Nächte können auf die Dauer richtig schlimme Folgen haben.

Welche Hygienemaßnahmen sollte man während der Behandlung durchführen?

Es ist immer sinnvoll, die Unterwäsche täglich zu wechseln, nur reine Baumwoll-Unterwäsche zu tragen und immer mit 60 Grad zu waschen.

Ich empfehle, keine String-Tangas zu tragen – sie können dazu führen, dass Keime aus dem Bereich des Darmausgangs zwischen die Schamlippen gelangen.

Die Bettwäsche muss nicht ausgekocht werden. 60 Grad reichen aus. Das sollte aber eigentlich zur normalen Haushaltshygiene gehören.

Wenn Slipeinlagen verwendet werden, um den Ausfluss aufzufangen, dann sollten sie häufig gewechselt werden und möglichst luftdurchlässig sein.

Besser ist es allerdings, die Unterwäsche häufiger zu wechseln, da Slipeinlagen das feuchte Milieu in der Intimregion verstärken können.

Was ist von einer Selbstbehandlung mit Naturjoghurt-Tampons zu halten?

Gar nichts. Erstens wird Joghurt nicht immer nur durch Zusetzen von "Lactobacillus acidus" erzeugt, dem einzigen Keim, der in der Vagina wünschenswert ist, sondern auch durch andere Laktobazillen oder durch Streptokokken.

Bei der Produktion in der eigenen Küche kommen noch alle möglichen Flugkeime hinzu und auch Pilzsporen, die sich in dem Joghurtansatz vermehren können.

Es besteht also eher die Gefahr, sich weitere Infektionen einzuschleppen, statt die Pilzinfektion einzudämmen.

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Dr. med. Christian Albring hat sich im Jahr 1987 als Frauenarzt in Hannover niedergelassen. Seit 2015 ist er Vorstandsmitglied im "Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V." und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.