Manche Menschen werden unglaublich alt. Der Rekord liegt bisher bei 122 Jahren. Die Französin Jeanne Calment erlebt den Bau des Eiffelturms und stirbt, als eine Sonde auf dem Mars landete. Über eine Welt, in der man mit 80 jung ist.

Eigentlich wollte sie das Rauchen endgültig aufhören, sagte die Französin Jeanne Louise Calment 1992. Doch nur ein Jahr später fing sie damit wieder an. So weit so gut. Das Besondere: Calment war zu diesem Zeitpunkt 117 Jahre alt - und sie sollte noch fünf Jahre weiterleben.

Seit dem Jahr 1990 hält sie den Rekord als ältester Mensch, der je gelebt hat. Geboren ist sie im Jahr 1875. Sie erlebt den Bau des Eiffelturms und bedient 1889 mit 14 Jahren den Maler Vincent Van Gogh im Laden für Malbedarf ihrer Verwandten.

Bis zum Ersten Weltkrieg dauert es da noch 25 Jahre. 1896 fängt sie mit dem Rauchen an. In diesem Jahr entdeckt Konrad Röntgen die nach ihm benannten Strahlen.

Fechten lernen mit 85

Sie heiratet im selben Jahr ihren ersten Ehemann Fernand, ein Cousin zweiten Grades - die Großväter waren Brüder. Als vermögender Ladenbesitzer kann er Jeanne ein freies Leben ermöglichen.

Arbeiten will sie nicht viel, aber Opern, Klavierspielen und Rollschuhfahren haben es ihr angetan. Sie wird in ihrem Leben fast alle ihre Verwandten überleben, eine Tochter und sogar einen Enkel begraben.

Nur noch wenige Tage können Sie das einzigartige Läuten hören.

Mit 85 fängt sie das Fechten an und fährt bis sie 100 Jahre alt ist Fahrrad. Erst mit 110 Jahren geht sie in ein Altersheim. Das Rezept für ihr langes Leben? Olivenöl, Knoblauch, Gemüse und Portwein.

Sie stirbt im August 1997 - im Jahr, als die "Mars-Pathfinder" auf dem Roten Planet landet. Das ist jetzt genau 20 Jahre her.

Die Methusalems der Weltgeschichte

Calment gehört zu der Gruppe der Supercentenarians. Das ist die Bezeichnung für die Methusalems der Menschheit, oder genauer gesagt, für alle, die mindestens 110 Jahre alt geworden sind.

Insgesamt sind bisher 1.700 Fälle wissenschaftlich dokumentiert, aktuell leben geschätzt zwischen 300 und 450 Supercentenarians auf der Erde. Einer von 1.000 Centenarians, also mindestens 100-Jährige, wird zum Supercentenarian. Dabei werden es von Jahr zu Jahr immer mehr.

80 bis 90 Prozent sind Frauen. Der älteste je lebende Mann war bisher der Japaner Jiroemon Kimura, der 2013 mit 116 Jahren verstarb.

Seit April dieses Jahres sind alle derzeit lebenden Menschen frühestens im 20. Jahrhundert geboren. Die letzte Frau des 19. Jahrhunderts war die Italienerin Emma Morano, die im Alter von 117 Jahren verstarb.

Sie hat in drei Jahrhunderten gelebt und elf Päpste mitbekommen.

Schnaps und Zigaretten für ein langes Leben

Was ist nun die Formel für ein langes Leben? Die Antwort ist: Es gibt keine Antwort. Zumindest keine eindeutige. Wissenschaftler suchen schon seit Jahrzehnten eine Faustformel für ein langes Leben. Die sehr alten Menschen sind die vielversprechendsten Forschungsobjekte.

Einig ist man sich mittlerweile darüber, dass die Ernährung großen Einfluss hat. Untersuchungen ergaben, dass Menschen gerade an Orten überdurchschnittlich alt werden, die für eine besonders gesunde Ernährung bekannt sind.

Taucher sichten ein Exemplar einer Süßwasserqualle in Südchina.

Beispiele gibt es auf der ganzen Welt: Sardische Hochlandhirten essen ungesäuertes Vollkorngetreidebrot, Käse und einen besonderen Wein.

Kalifornische Siebenten-Tags-Adventisten verzichten aus religiösen Gründen auf Alkohol, Tabak und Fleisch und werden im Durchschnitt 88 Jahre alt.

In Okinawa leben viele Menschen nach der konfuzianischen Regel und hören mit dem Essen auf, bevor sie sich komplett satt fühlen.

Die Sache hat allerdings einen Haken, denn als alleinige Erklärung für ein biblisches Alter reicht das nicht aus.

Calment rauchte bis kurz vor ihrem Tod, Helmut Schmidt kann man sich ohne Zigarette nicht vorstellen und Christian Mortensen - mit 115 Jahren zweitältester bisher lebender Mann - schwor im hohen Alter noch auf eine gute Zigarre.

Viele Supercentenarians wähnen sogar den ein oder anderen Schnaps als Jungbrunnen.

Das Alter liegt in den Genen

Jeanne Calment war nicht die einzige Person in ihrer Familie, die lange gelebt hat. Ihr Vater, der Schiffsbauer Nicolas, wurde 93 Jahre alt. Die Mutter Marguerite 86. Ihr Bruder Francois wurde 97. Zufall? Wohl kaum.

Tatsächlich spielen die Gene eine wichtige Rolle im Alterungsprozess. Über die Relation ist man sich in der Fachwelt allerdings uneinig. Sicher ist, dass über 110-Jährige in ihrem Leben kaum an schweren Krankheiten gelitten haben.

Forscher vermuten, dass die so genannten Telomere einen großen Einfluss auf diese Tatsache und das Altern im Allgemeinen haben.

Telomere sind die Enden der Chromosomen. Die Telomere schützen die Chromosomen und sind unabdingbar für Wachstum von Haut und Haar oder das Verheilen von Wunden.

Sie sorgen für Stabilität. Doch jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, werden diese Telomere kürzer und die Zelle damit fragiler. Supercentenarians haben überdurchschnittlich oft besonders lange Telomere. Ihre Zellen bleiben extrem lange gesund.

Doch wie alt kann so ein Mensch eigentlich maximal werden? Perfekte Gene, perfekte Ernährung, perfektes Leben - dann sind theoretisch 125 Jahre drin. Erreicht hat das allerdings noch niemand, außer vielleicht der biblische Methusalem. Der soll es auf stattliche 969 Jahre gebracht haben.

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