Wer sich ohne Sonnenschutz länger im Freien aufhält, tut seiner Haut nichts Gutes. Denn UV-Strahlung kann schwere Schäden anrichten. Eine Dermatologin erklärt, worauf es bei der Anwendung von Sonnencreme ankommt.

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Alles klebt, es bildet sich ein weißer Film auf der Haut – nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene empfinden das Eincremen mit einem Sonnenschutzmittel als lästig. Doch um die Haut vor Verbrennungen oder lichtbedingter Hautalterung zu schützen, kommt man an Sonnencreme nicht vorbei.

Welcher Lichtschutzfaktor ist der richtige?

Die Höhe des Lichtschutzfaktors hängt vom Hauttyp und den Umständen ab. "In unseren Breitengraden haben die meisten eine Eigenschutzzeit von 10-20 Minuten", sagt Friederike Wagner, Fachärztin für Dermatologie und Leitung der Abteilung Lasermedizin am Dermatologikum Hamburg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenn die Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist, kann es schnell zu Rötungen kommen. Deshalb rät die Hautärztin zu folgender Methode: "Anfang des Jahres zu LSF 50 greifen, im Sommer, wenn man bereits vorgebräunt ist, kann man auf LSF 30 reduzieren. Das Gesicht am besten immer mit LSF 50 schützen."

Viele Sonnencremes enthalten gefährliche Schadstoffe, die nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Menschen schaden. Daher haben wir eine Liste mit unbedenklichen Sonnencremes, Ölen und Sprays zusammengestellt, die frei von jeglichen chemischen Inhaltsstoffen sind.

Viel Creme für langen Schutz

Je höher der angegebene Lichtschutzfaktor, desto länger ist die maximal erreichbare Schutzzeit. Um sie herauszufinden, muss man die Eigenschutzzeit mit dem angegebenen Lichtschutzfaktor multiplizieren. Beispiel: Wer ohne Sonnencreme nach 10 Minuten rot wird, kann die Schutzzeit mit LSF 30 auf maximal 300 Minuten ausdehnen. Es ist dafür aber wichtig eine große Menge an Creme aufzutragen.

"Wenn man einen LSF 50 erreichen möchte, müsste ein erwachsener Mensch fast eine große Tube einer Sonnencreme mit LSF 50 auf einmal auftragen. Nimmt er nur die Hälfte, hat er nicht automatisch den halben Schutz, sondern der Wert sinkt exponentiell. Das heißt, mit einer kleinen Menge kommt man nur noch auf LSF 8," erklärt Dr. Wagner.

Wie unterscheiden sich chemische und mineralische Filter?

In konventionellen Sonnencremes befinden sich chemische Filter. Sie dringen in die Haut ein und wandeln dort eintreffende UV-Strahlen in weniger schädliche Strahlung um.

Da so chemische Substanzen in den Organismus gelangen, stehen herkömmliche Sonnencremes mittlerweile auf dem Prüfstand. Denn einige ihrer chemischen Inhaltsstoffe sollen nicht nur die Unterwasserwelt beeinträchtigen, sondern auch menschliche Organe schädigen und sogar Krebs auslösen können. Auch allergische Reaktionen können auftreten.

Eine aktuelle Untersuchung der US-Arzneimittelbehörde FDA belegt, dass Chemikalien aus handelsüblichen Sonnencremes ins Blut gelangen. Gängige chemische UV-Filter wie Oxybenzon (auch: Benzophenone), Octocrylen, Avobenzon und Ecamsul konnten mehrere Tage im Blut der Probanden nachgewiesen werden.

Wie groß die gesundheitlichen Gefahren für den Menschen sind, ist aber noch nicht ausreichend belegt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und schnell zu allergischen Reaktionen neigt, sollte Cremes mit diesen Inhaltsstoffe meiden.

Da der Verzicht auf Sonnenschutzmittel aber schwere gesundheitliche Folgen haben kann, sollte man Sonnencreme nicht komplett umgehen. Wer sich eine Alternative wünscht, solange die Beweislage noch nicht eindeutig ist, kann zu Sonnencremes mit physikalischem Schutz greifen. Sie ziehen nicht in die Haut ein, sondern bilden eine Art Film auf der Haut.

Dieser Film reflektiert UV-Strahlen mithilfe von mineralischen Partikeln, die Sonnenstrahlen können nicht in die Haut eindringen. Mineralische Filter kommen vor allem in Naturkosmetik zum Einsatz, man erkennt sie an ihrem typischen weißlichen Effekt auf der Haut.

Auf UVA-Schutz achten

Lange Zeit ging man davon aus, dass nur UVB-Strahlen für Hautkrebs verantwortlich sind und UVA-Strahlen für die vorzeitige Hautalterung. "Mittlerweile weiß man, dass auch UVA-Strahlen Hautkrebs fördern. Dementsprechend sollte man darauf achten, dass die Sonnencreme auch einen UVA-Schutz enthält", sagt die Haut-Expertin.

Nach Schwimmen Schutz erneuern

Regelmäßiges Nachcremen ist unerlässlich, vor allem wenn man viel schwitzt oder Kleidung die Creme abreibt.

Der Schutz sollte auch erneuert werden, wenn man im Wasser war. Denn selbst wasserfeste Cremes halten dort nur eine gewisse Zeit. Beim anschließenden Abtrocknen bleibt auch immer eine gewisse Menge der Creme im Handtuch hängen.

Wichtig: "Durch Nachcremen verlängert sich die Zeit, in der man geschützt ist nicht, sondern man hält den Lichtschutzfaktor quasi damit nur aufrecht", erklärt Dr. Wagner.

Das hilft bei Sonnenallergie & Co.

Wenn die Haut nach dem Winter oder am Anfang des Sommerurlaubs zu viel Sonne auf einmal abbekommt, kann es zu einer Sonnenallergie kommen. Rötungen und Juckreiz treten dabei aber unabhängig davon auf, ob man sich mit Sonnencreme eingecremt hat oder nicht. Betroffene sollten ihre Haut langsam an die Sonne gewöhnen und sie mit Sonnencreme und Kleidung schützen.

Bei sogenannter Mallorca-Akne entwickelt der Betroffene eine Allergie auf die Inhaltsstoffe von Sonnencremes, die in Kombination mit UV-Strahlung auftrifft. Hier empfehlen sich Produkte mit mineralischen oder anders gesagt physikalischen Filtern. "Sonnencremes mit physikalischen Filtern verursachen in der Regel keine allergischen Reaktionen und sind in dem Fall eine gute Wahl", sagt die Haut-Expertin.

Wer lieber konventionelle Sonnencremes verwendet, sollte Produkte mit maximal LSF 30 auftragen. Sie enthalten weniger Filter als Mittel mit LSF 50 und sind deshalb besser verträglich.

Schutz für Baby & Kind

Kinder sollten sich vor allem im Schatten aufhalten und mit Sonnenbrille, Hut und Kleidung vor der Sonne geschützt werden. "Man geht davon aus, dass schwarzer Hautkrebs durch Sonnenbrände hervorgerufen wird, die vor allem etwa bis zum 12. Lebensjahr aufgetreten sind. Es reicht schon ein Sonnenbrand im Kindesalter, um das Risiko zu erhöhen," sagt die Hautärztin.

Säuglinge gehören nicht in die Sonne. Auch Cremes mit chemischen Filtern sind nichts für zarte Babyhaut. Zugelassenen Sonnenschutz mit den besser verträglichen mineralischen Filtern gibt es für Babys ab ein paar Monaten.

Was tun bei Sonnencreme-Flecken?

Sonnencremes können gelbliche Flecken auf Kleidung hinterlassen. Die Verfärbungen bleiben oft hartnäckig haften und fallen teilweise erst nach dem Waschen auf. Betroffene Stellen möglichst schnell auswaschen, das funktioniert mit klassischem Spülmittel gut, da Sonnencreme Fett enthält.

Damit es erst gar nicht zu Rändern und Flecken kommt, die Sonnencreme immer vollständig einziehen lassen.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Dr. med. Friederike Wagner, Fachärztin für Dermatologie und Leitung der Abteilung Lasermedizin am Dermatologikum Hamburg
  • Blog Dermatologikum Hamburg: "Sonne & Strahlung"
  • www.medical-tribune.de: "Sonnencreme: Wirkstoffe wandern in die Blutbahn"
  • www.jamanetwork.com: "Effect of Sunscreen Application Under Maximal Use Conditions on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients"

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