Viele Menschen haben eine Parodontitis – aber wissen oft gar nichts davon. Die Krankheit im Mund schreitet oft unbemerkt voran. Das ist gefährlich, da sich irgendwann nicht nur die Zähne lockern, sondern sich die Entzündung auch im Körper ausbreiten kann.

Wenn das Zahnfleisch blutet, dann putzen viele Menschen erst einmal sehr vorsichtig ihre Zähne. Manche lassen solche Stellen beim Zähneputzen sogar ganz aus. "Das ist aber genau der falsche Weg", sagt Privatdozent Dr. Thomas Wolf. Er ist Zahnarzt in der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie in der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. "Viele Patienten berichten, dass sie nicht putzen, wenn es weh tut und blutet – aber die Beschwerden werden immer schlimmer, wenn man gerade dort nicht putzt."

Kein Tabu daraus machen! Betroffene sollten sich Hilfe suchen.

Wenn das Zahnfleisch beim Putzen blutet, dann kann das auf eine Parodontitis hinweisen. Die Krankheit gehört zum Spezialgebiet von Dr. Wolf. Bei dieser Erkrankung dringen Bakterien in das Zahnbett ein. Meistens zeigt sich die Krankheit zunächst dadurch, dass sich das Zahnfleisch entzündet, anschwillt und blutet. "Häufig erkennen Patienten die Erkrankung erst einmal gar nicht", sagt der Experte. "Deshalb ist es wichtig, zweimal im Jahr zu einer Routineuntersuchung zum Zahnarzt zu gehen."

Früh erkennen, effektiv behandeln

Je früher eine Parodontitis festgestellt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Dafür wird zunächst der Zahnstein entfernt, den Bakterien besiedeln. Dazu sind in der Regel mehrere Zahnreinigungen notwendig. Der Belag wird dabei zunächst oberhalb des Zahnfleisches entfernt.

Darauf folgt die eigentliche Behandlung der Parodontitis, bei der verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen. Früher brachte eine solche Behandlung oft gleich einen chirurgischen Eingriff für die Patienten mit sich: "Man hat das Zahnfleisch aufgeschnitten und heruntergeklappt, um die Zähne zu reinigen – und es später wieder zugenäht", sagt Dr. Wolf. "Inzwischen verzichtet man meistens auf solche invasiven Verfahren." Stattdessen helfen nun häufig Geräte, die zum Beispiel mit Ultraschall arbeiten, um den Belag unterhalb des Zahnfleisches zu entfernen.

Zähne und Zahnfleisch gut pflegen

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Um einer Parodontitis vorzubeugen, sollte man seine Zähne und das Zahnfleisch gut pflegen. Das ist auch wichtig, um einem Rückfall nach einer Behandlung vorzubeugen. "Entscheidend ist immer eine gute Mundhygiene", sagt der Experte. Dazu zählt zum einen, mehrmals täglich die Zähne putzen: "Ob man dabei eine Handzahnbürste oder eine elektrische Zahnbürste benutzt, ist nicht so entscheidend – wichtig sind die Putztechnik und das Ergebnis."

Dabei sollte man immer auch die Zahnzwischenräume reinigen. "Dafür bieten sich Interdentalbürsten oder Zahnseide an", sagt der Experte. "Wenn die Zwischenräume sehr klein sind, passt eine Bürste manchmal gar nicht hinein. Dann sollte man besser Zahnseide benutzen." Bei der Zahncreme sollte man außerdem darauf achten, dass sie Fluorid enthält. "Andere Wirkstoffe haben in der Regel keinen wesentlichen Effekt, um die Mundgesundheit zu unterstützen."

Entzündung kann sich im Körper ausbreiten

Tückisch bei einer Parodontitis ist, dass sie oft unbemerkt voranschreitet. Manche Menschen gehen erst zum Zahnarzt, wenn der Knochen angegriffen ist und die Zähne sich lockern. Dann helfen oft nur noch operative Maßnahmen, bei denen die Knochensubstanz wieder aufgebaut wird.

Behandeln sollte man eine Parodontitis aber nicht nur, weil die Entzündung im Kiefer sonst immer weiter fortschreitet, sondern weil die Bakterien auch andere Organe angreifen können: "Es ist beispielsweise bekannt, dass eine Parodontitis auch das Herz-Kreislaufsystem negativ beeinflussen kann", sagt Dr. Wolf. "Deshalb sollte man auf jeden Fall regelmäßig zum Zahnarzt gehen, damit man die Erkrankung frühzeitig behandeln kann."