Neurodermitis - das kennt man vor allem bei Kindern. Doch auch Erwachsene leiden daran, wenn auch deutlich seltener. Was Sie als Betroffener tun können.

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Neurodermitis, auch bekannt unter den Begriffen atopisches Ekzem, endogenes Ekzem oder atopische Dermatitis, ist besonders im Kindesalter weit verbreitet und hat in den Industriestaaten, in denen immer mehr Wert auf Hygiene gelegt wird, in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen.

Laut Studien des Robert-Koch-Instituts erkranken rund 15 Prozent der Kinder daran - zum Teil verschwinden die Symptome schnell wieder, mancher plagt sich länger und heftiger. Bei den meisten Neurodermitikern lassen die Schübe bis zur Pubertät nach. Nur etwa drei Prozent der Betroffenen leiden auch als Erwachsene noch oder erneut an den Symptomen des atopischen Ekzems. Doch auch wenn es seltener vorkommt: Neurodermitis kann im Alter auch zum ersten Mal aufblühen.

Was genau ist Neurodermitis?

Es ist ein quälender Kreislauf: Irritierte und gerötete Neurodermitis-Haut führt zu heftigem Juckreiz. Kratzen schafft kurze Erlösung. Durch das Kratzen dringen jedoch Reizstoffe und Allergene in die offenen Hautpartien und nässenden Wundstellen. Der Juckreiz wird sogar noch verstärkt. Oberstes Gebot lautet also, auch wenn es noch so schwerfallen mag: nicht kratzen!

Besonders betroffen sind Ellenbogen und Kniebeugen sowie Hände, Hals und Gesicht, aber auch die Kopfhaut, auf der sich juckende Krusten bilden. Ältere Betroffene klagen oft über Brennen und Missempfindungen im Mund- und Rachenbereich. Weitere Symptome können Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen sein.

Die Hauterkrankung ist nicht heilbar, aber - wie auch die Schuppenflechte - nicht ansteckend und verläuft meist schubweise.

Ursachen für Neurodermitis im Alter: Was ist bekannt?

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind trotz intensiver Forschung bislang nicht geklärt. Man weiß allerdings von einigen Faktoren (Triggern), die Schübe auslösen und die Krankheit begünstigen können. Dazu gehören:

  • genetische Veranlagung
  • Infektionen wie etwa grippale Infekte oder Magen-Darm-Erkrankungen
  • Textilien wie Wolle
  • Stress und andere psychische Belastungen
  • übermäßiges Schwitzen
  • Klima (schwüle oder zu trockene Luft)
  • Allergene wie Tierhaare und Pollen
  • bestimmte Tätigkeiten und Berufe, bei denen Gummihandschuhe getragen werden müssen
  • Tabakrauch

Um unangenehme Schübe zu vermeiden, sollten nach Möglichkeit alle Trigger-Faktoren umgangen werden.

Auch ein Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen besteht: Während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren kann es verstärkt zu Neurodermitisschüben kommen. Im Alter lassen zudem die Barrierefunktion und somit der Schutzmechanismus der Haut nach.

Weniger Erkenntnisse über Risikofaktoren gibt es bei Neurodermitis, wenn sie erstmalig im Erwachsenenalter auftritt. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung (IUF) haben im Jahr 2018 Daten aus einer Langzeitstudie ausgewertet. Acht Prozent von 834 Frauen entwickelten nach eigenen Angaben erstmals ein Ekzem im Alter von 55 Jahren oder älter. Deutlich wurde ein Zusammenhang zwischen der Hauterkrankung und einer langjährigen Luftschadstoffbelastung durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung. "Bisher wissen wir kaum etwas über Ekzeme, die erstmals im höheren Lebensalter auftreten", so Prof. Jean Krutmann, Dermatologe und Direktor des IUF. "Die Erkenntnis, dass sich das Ekzem der Älteren von der Neurodermitis der Kinder unterscheidet, weist darauf hin, dass es sich hierbei um ein eigenständiges, bislang unbekanntes Krankheitsbild handelt."

So leiden sogenannte "senile, very late onset"-Patienten (ab einem Alter von 65 Jahren oder mehr) oftmals an einer extrem schweren Form der Neurodermitis. Ihre Haut ist am gesamten Körper gerötet und teilsweise so trocken, dass sie sich schuppt. Der Juckreiz ist besonders heftig.

Neurodermitis im Alter: Das kann helfen

Ob ein Wiederaufblühen des Ekzems oder eine erstmalige Erkrankung im Alter: Besonders wichtig ist bei Hautekzemen die richtige und konsequente Pflege - auch in beschwerdefreien Zeiten. Salben oder Cremes, versetzt mit Fetten, Ölen und oft auch Harnstoff (Urea) oder Glycerin und Ceramiden, versorgen die rissige, trockene Neurodermitis-Haut mit Feuchtigkeit. Außerdem sollten Betroffene nicht zu heiß baden oder duschen, pH-neutrale Seifen verwenden, sowie auf Produkte mit Konservierungs-, Duft- und Farbstoffen, Emulgatoren, Paraffinölen oder Vaseline verzichten. Es gibt zahlreiche, speziell für Neurodermitiker entwickelte Pflegeprodukte.

Bei akuten Krankheitsschüben versprechen Immunsuppressiva wie etwa Cortison, Ciclosporin A oder Calcineurinhemmer (Tacrolimus und Pimecrolimus) Linderung bei Entzündungen und Juckreiz - in der Regel in Form einer dünn aufgetragenen Salbe. Bei schweren Fällen im Erwachsenenalter kann es notwendig sein, Kortison oder Ciclosporin A als Tablette einzunehmen. Der Hautarzt verschreibt das passende Medikament und überwacht die Behandlung.

Weitere Maßnahmen bei der Neurodermitis-Behandlung können sein:

  • Einnahme von Antihistaminika
  • Lichttherapie (Bestrahlung mit UV-Licht)
  • Bädertherapie (Baden in salzhaltigem Wasser)
  • Klimatherapie (Aufenthalte am Meer und in den Bergen)
  • Kryotherapie (Behandlung mittels Kälte)
  • entzündungshemmende Zinksalben
  • spezielle (Unter-)Wäsche aus antimikrobiell wirkenden Textilien
  • Hausmittel wie kühle, feuchte Umschläge
  • Alternativmedizin wie Homöopathie, Arganöl, Nachtkerzenöl oder Aloe Vera
  • Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training

Darauf sollten Sie außerdem achten

Nahrungsmittelallergien können einen Triggerfaktor der Neurodermitis darstellen. Um Gewissheit zu bekommen, ob Sie tatsächlich auf bestimmte Lebensmittel verzichten sollten, kann sich ein Allergietest lohnen. Oft können Kaffee, Alkohol oder stark gewürzte Speisen die Symptome verstärken.

Versuchen Sie außerdem, starkes Schwitzen und Zigarettenrauch zu vermeiden. Und achten Sie beim Kauf von Kleidungsstücken auf hautfreundliches Material wie Baumwolle, Leinen oder Seide. Waschen Sie Waschmittel gut aus - zum Beispiel durch den Knopf "Extra spülen". Weichspüler hingegen sind nach neuesten Erkenntnissen unproblematisch: Der 'Weichspül-Effekt' könnte sogar eine positive Auswirkung auf die Haut bei Ekzemen haben.

(tsch)

Verwendete Quellen:

  • Allergieinformationsdienst: "Neurodermitis (Atopisches Ekzem)"
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.: "Neurodermitis - Ursachen und Auslöser"
  • Ärztliches Journal: "Ekzeme im Alter: Eigenständiges Krankheitsbild?"
  • Mein-Allergie-Portal.com: "Neurodermitis"
  • Netdoktor: "Neurodermitis"