Mit ihrem Erstlingswerk "Happy Healthy Food" will Nathalie Gleitman Menschen mit Lebensmittelintoleranzen ihre Freude am Essen zurückgeben. Im Interview verrät sie, worauf man beim Kochen achten muss und warum die Liebe zum Essen keine Frage der Verträglichkeit sein darf.

Bei der Münchnerin Nathalie Gleitman wurden 2014 eine Histamin- und Laktoseintoleranz diagnostiziert. Nach anfänglicher Unsicherheit brachte die Diagnose schließlich eine neue Leidenschaft fürs Kochen und "Happy Healthy Food" hervor.

Frau Gleitman, Sie haben erst aufgrund Ihrer Intoleranzen das Kochen so richtig für sich entdeckt. Wie haben Sie Ihre Rezepte entwickelt? Wo nahmen Sie die Grundlagen her?

Nathalie Gleitman: Nach der Diagnose musste ich mir zunächst einen umfassenden Überblick über die Lebensmittel verschaffen, die ich ohne Bedenken zu mir nehmen kann.

Happy Healthy Food, Becker Joest Volk Verlag, ISBN 978-3-95453-126-4, 24,95 EUR (D), 25,70 EUR (A).

Bei der Rezeptentwicklung lag der Fokus natürlich hauptsächlich auf Dingen, die ich sehr vermisst habe – darunter zum Beispiel Kekse! (lacht)

Welche Beratung oder Kurse haben Sie wahrgenommen? Stichworte Kochen und Ernährungsberatung.

Ich habe viel Zeit in Recherche investiert. Ich sprach mit vielen Ärzten, Apothekern und natürlich Betroffenen, hatte aber auch viel Unterstützung von meinem Verlag, der mir den Kontakt zu Ernährungsmedizinern und Fachleuten gemacht hat. So hatte ich zum Beispiel Unterstützung durch eine Hamburger Low-Carb-Spezialistin für die Herstellung von glutenfreien Brotrezepten.

Zu meiner Überraschung mussten selbst Fachleute zugeben, dass hier noch großer Bedarf an alltagstauglichen Rezepten besteht, die man Betroffenen an die Hand geben kann. Die Schweizerische Interessengemeinschaft für Histaminintoleranz (SIGHI) war darüber hinaus eine sehr gute, informative Quelle für Betroffene. Mir hat die SIGHI anfangs sehr geholfen, ein tieferes Verständnis für Histaminintoleranz und histaminfreie Ernährung zu bekommen.

Haben Sie Gerichte, die Sie kannten und mochten, auf Ihre Bedürfnisse abgewandelt? Wie gingen Sie vor? Ich kann mir vorstellen, dass das ein langwieriger Prozess ist?

Erfahren Sie, wie sie trotz Intoleranzen jeden Tag mit Genuss schlemmen.


Absolut! Histamin-, laktose- und glutenfrei zu kochen war eine ganz neue Herausforderung. Bis man ein Gefühl für Zutaten und Kombinationen bekommt, ist Geduld und Experimentierfreude gefragt. Aber ich wollte unbedingt auch weiterhin leckere und gesunde Desserts essen können und bei Hauptspeisen keinen Kompromiss eingehen – vor allem nicht, was das Thema Genuss betrifft! In meinem Buch findet man daher neben tollen Snacks und vielen frischen Salaten auch Fastfood-Variationen wie eine gesunde Pizza und einen knackigen Burger.

Insgesamt zählt der Titel 100 eigenständig kreierte Rezepte, doch bis dahin war es schon ein langer Weg. Zum Glück habe ich sehr viele Freunde, die gern Testesser spielen und mir so sehr helfen, die Rezepte zu optimieren.

München, Tel Aviv, London – drei Städte, in denen Sie schon gelebt haben. Welche Essenskultur hat die meisten Einflüsse auf Ihre Rezeptideen?

Tel Aviv ist eine Metropole, in der so viele Kulturen zusammenkommen, dass diese Stadt einfach wahnsinnig viele verschiedene Einflüsse hat. Das macht sich natürlich auch in der Ernährungsweise bemerkbar. Hier treffen orientalische und europäische Esskultur aufeinander, was sich natürlich auf meine Küche ausgewirkt hat. So finden sich zum Beispiel viel Minze und Tahini als Komponenten in meinen Gerichten.

Teilweise wirkt Ihr Buch etwas "spirituell". Es finden sich viele "Lebensweisheiten" und Motivationssprüche darin. Wie kommt es dazu? Sind das Ihre eigenen Leitsätze?

Ja, absolut, es sind meine Leitsätze, aber es ist eigentlich nicht spirituell, sondern eher Motivation für den Alltag! Ich versuche immer positiv zu denken und den Tag auch mit positiven Energien anzugehen.

Ich suche also nach dem Guten in einer Sache, auch wenn sie erst mal negativ ist. Es ist erstaunlich, wie sich Dinge so zum Guten wenden lassen. Die Leitsätze helfen mir und anderen dabei, das zu vergegenwärtigen.

Buch, Blog, Beratungsstunden … Wie geht es beruflich weiter? Was sind Ihre nächsten Projekte?

Im Moment konzentriere ich mich in erster Linie auf "Happy Healthy Food". Parallel arbeite ich fleißig an Videos für meinen Youtube-Channel, mit denen ich Betroffenen noch mehr praktische Hilfe geben will.

Ich habe gemerkt, dass ich anderen Menschen helfen kann, unbeschwerter durchs Leben zu gehen. Das motiviert mich und treibt mich an weiterzumachen. Weitere Projekte sind bereits in Planung, aber noch nicht offiziell. Fest steht jedoch, dass mein Weg mit der Veröffentlichung meines ersten Buches erst begonnen hat.

Was würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, bei denen gerade eine Intoleranz diagnostiziert wurde und die verunsichert sind?

Zunächst können Intoleranzen auch wieder zurückgehen, wenn man den Körper konsequent entlastet. Ich würde den Menschen raten, den Kopf nicht hängen zu lassen und das Positive in dieser Situation zu suchen. Solche neuen Lebenssituationen sind zwar immer eine Herausforderung, können aber auch eine Chance sein.

Die Beschäftigung mit dem Essen kann zum Beispiel im Ergebnis eine tolle Bereicherung sein und der erste Schritt zu einer gesunden Ernährung mit Spaß. Ich persönlich bin durch meine Intoleranzen zu einer echten Bereicherung meines vorher einseitigen Speiseplanes gekommen – sogar zu einem neuen Lifestyle, durch den ich mittlerweile happy und healthy bin!

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