• Multiple Sklerose – kurz MS – ist eine unheilbare entzündliche Erkrankung des Nervensystems.
  • Häufige Symptome sind Gefühlsstörungen, Schwindel und Lähmungen.
  • Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten ist ein gutes Leben mit MS in vielen Fällen möglich.

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Christina Applegate, Malu Dreyer, Leichtathletin Anna Kraft: Diese Frauen haben eines gemeinsam - sie leiden unter Multiple Sklerose.

Auch Hollywoodstar Selmar Blair hatte ihre Diagnose 2018 bekannt gemacht. In einem Interview mit der US-Fernsehsendung "Good Morning America" gab die Schauspielerin jüngst ein Update zu ihrem Gesundheitszustand. Demnach gehe es ihr "momentan" gut. Was das konkret bedeutet, möchte Blair in der neuen Dokumentation "Introducing, Selma Blair" zeigen.

Darin thematisiert die 49-Jährige ihren Umgang mit der "Krankheit der 1.000 Gesichter" und zeigt, was es für Betroffene bedeutet, in ihrem Alltag stark eingeschränkt zu sein und unter unangenehmen Schüben zu leiden.

Multiple Sklerose: Angriff auf das eigene Nervensystem

Multiple Sklerose – kurz MS – ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Nervensystems junger Erwachsener in den westlichen Industrieländern. In Deutschland sind mehr als eine Viertelmillion Menschen betroffen, 75 Prozent davon sind Frauen. "Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, ähnlich dem Rheuma", erklärt Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. "Das Immunsystem erkennt das eigene Nervensystem plötzlich als fremd und greift es mit Antikörpern und autoaggressiven Zellen an."

Durch diesen Prozess kommt es zu Entzündungen an den Hüllsubstanzen der Nervenbahnen, dem sogenannten Myelin. Die Folge sind Vernarbungen, die die Leitung der Nervenimpulse im Gehirn, Rückenmark und den Sehnerven stören. "Die Ursache der Erkrankung ist nach wie vor unbekannt", weiß Prof. Haas. "Neben einer erblichen Empfänglichkeit gelten Umweltfaktoren und der Lebensstil als Risiko für die Erkrankung."

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Das sind die Symtpome einer Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose zeigt sich bei Betroffenen mit unterschiedlichen Verläufen, daher wird sie auch die "Krankheit der 1.000 Gesichter" genannt. "Die MS verläuft bei 90 Prozent der Patienten zunächst in Schüben und geht erst im Laufe des Lebens in einen schleichenden Verlauf über", erklärt Prof. Judith Haas. Die Schubhäufigkeit und die Schubschwere unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. "Generell haben jüngere Menschen in der Regel mehr Schübe, während jenseits des 50. Lebensjahr eher die fortschreitende MS zu beobachten ist."

Das Erscheinungsbild einer Multiple Sklerose ist vielfältig, oftmals entsprechen die Anfangsbeschwerden auch denen anderer Erkrankungen. MS betrifft häufig das Kleinhirn, das die Bewegungsabläufe im Körper koordiniert. Typische Symptome sind daher Gefühlsstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle, Sehstörungen wie Schleiersehen und Doppelbilder, Gangunsicherheit, Schwindel, Lähmungen aber auch Blasenstörungen. Viele Menschen mit MS leiden zudem unter einer abnormen Erschöpfbarkeit, der sogenannten Fatigue.

Sind die Symptome zu Beginn einer Erkrankung weniger ausgeprägt oder verschwinden sie sogar wieder, wird eine Multiple Sklerose oftmals erst spät erkannt. "Flüchtige Gefühlsstörungen, eine unter Belastung auftretende Schwäche der Beine oder Arme, unerklärlicher Schwindel oder Schleiersehen können auf eine MS hinweisen", sagt Prof. Judith Haas. "Die Diagnose wird heute mithilfe der Kernspintomografie von Gehirn und Rückenmark gestellt, wo man ganz typische Veränderungen sieht." Eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit sollte die Diagnose stützen. Andere, sehr seltene Erkrankungen müssen mit weiteren Laboruntersuchungen ausgeschlossen werden.

Therapien ermöglichen vielen Betroffenen ein gutes Leben

Trotz international anerkannter Diagnosekriterien für die Krankheit der 1.000 Gesichter kann es Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, bis MS eindeutig erkannt wird. "Die Konfrontation mit der Diagnose ist immer ein Schock", weiß Prof. Judith Haas aus Erfahrung. "Die Angst vor dem Rollstuhl einerseits und die Angst, viele Lebenspläne nicht mehr umsetzen zu können, ist bei jedem Neubetroffenen zu spüren."

Die Vorhersage des individuellen Verlaufs ist nicht möglich, da sich eine MS sehr unterschiedlich zeigen kann. Dies stellt für Neuerkrankte und ihre Angehörigen eine besondere Belastung dar. Doch in nur sehr wenigen Fällen führt die Krankheit innerhalb weniger Jahre zu schwerer Behinderung. "Wichtig ist, den Betroffenen zu vermitteln, dass es heute viele hochwirksame Immuntherapien gibt, die die Schubhäufigkeit und Schubschwere reduzieren und schon heute eine bleibende Behinderung deutlich hinausschieben", gibt die Expertin Hoffnung. So können Entzündungsreaktionen der Schübe gehemmt, die beschwerdefreie Zeit verlängert und das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden. "Hinsichtlich Beruf und Familienplanung, ein wichtiges Thema gerade bei den Betroffenen unter 40 Jahren, kann man in der Mehrzahl der Fälle diese Wünsche auch mit MS realisieren."

Die wichtigste Botschaft lautet: MS ist nicht heilbar, aber behandelbar und ein gutes Leben mit MS ist möglich. Gespräche mit dem Arzt des Vertrauens und anderen Erkrankten helfen in der Regel dabei, ein realitätsnahes Bild von Multiple Sklerose zu erhalten.

Informationen für Betroffene und Angehörige:
Unabhängige Informationen über Erkrankung, Therapie und Leben mit MS bietet der DMSG-Bundesverband auf www.dmsg.de. Die Austauschplattform msconnect.de lädt MS-Erkrankte und Angehörige zum Gespräch im geschützten Rahmen ein.

Verwendete Quellen:

  • Interview mit Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (17.09.2021)
  • Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft: "Was ist MS?".
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