Wer oft und regelmäßig das Wasser heiß aufdreht, der bleibt von Legionellen verschont. Doch stimmt diese weit verbreitete Annahme wirklich? Alleine dieses Jahr (stand Juni) sind schon 450 Fälle von Legionellose laut Robert-Koch-Institut registriert worden. Lesen Sie hier, was Legionellen sind, wie sie übertragen werden und was Sie wirklich dagegen tun können.

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Laut Robert-Koch-Institut sind im Jahr 2017 allein in Deutschland 1.268 Fälle der Legionärskrankheit gemeldet worden, etwa 50 Menschen starben daran. 2018 waren es 1.446 gemeldete Fälle. Die Dunkelziffer der nicht registrierten oder nicht eindeutig auf Legionellen zurückgeführten Erkrankungen ist allerdings hoch.

1976 fand in Philadelphia ein Treffen von US-Kriegsveteranen statt. Nach der Veranstaltung erkrankten etwa 180 Menschen an einer Lungenentzündung. Die Behörden wurden darauf aufmerksam und erkannten: Die Erkrankung war durch das Bakterium Legionella pneumophila, umgangssprachlich als Legionellen bezeichnet, hervorgerufen worden. So kam die Legionärskrankheit zu ihrem Namen.

Eine solche Kolonie des Bakteriums Legionella pneumophila kann die Legionärskrankheit auslösen.

Bei Legionellen handelt es sich um stabförmige Bakterien, die im Wasser leben. Sie sind in vielen Gewässern nachweisbar und in geringer Anzahl unbedenklich. Zwischen 25 und 45 Grad können sie sich besonders gut vermehren und werden in einer hohen Konzentration zur Gefahr. Ab 60 Grad aufwärts allerdings werden Legionellen abgetötet.

Risiken der Legionellen

Gefährlich ist das Einatmen von Wasserdampf, denn so gelangen die Legionellen in die Lunge und können Legionellose, eine Form von Lungenentzündung, auslösen. "Wundinfektionen sind äußerst selten und auch normales Essen und Trinken ist im Normalfall ungefährlich. Lediglich wenn dabei erregerhaltiges Wasser aus Versehen in die Luftröhre gelangt, können in Ausnahmefällen Infektionen entstehen", stellt Aleksander Szumilas vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klar.

Anfällig für Legionellose sind besonders Menschen mit einem schwachen Immunsystem und Kleinkinder. Bei der Legionärskrankheit klagen Betroffene über Unwohlsein, Kopfschmerzen und Reizhusten. Später kommt meist auch Fieber dazu. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zehn Tage.

Weiterhin kann von den Bakterien auch das Pontiac-Fieber ausgelöst werden. Der Krankheitsverlauf ist dabei harmloser als bei der Lungenentzündung und das Fieber muss auch nicht zwingend vom Arzt behandelt werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.

Wo Legionellen besonders oft vorkommen

Legionellen können vor allem in Whirlpools, Klimaanlagen, Luftbefeuchtern oder auch Kühltürmen gefährlich werden, denn hier sammeln sich die Bakterien und verteilen sich über den Wasserdampf. In Wohnhäusern findet man Legionellen häufig in Leitungen, Wassertanks oder Boilern.

Legionellen vorbeugen

Wie die Legionellen in Häusern vorgebeugt werden, hängt vor allem mit der jeweiligen Art der Heizung zusammen. Bei Durchlauferhitzern wird das Wasser erst kurz vor dem Verbrauch erwärmt. Das zuvor kalte Wasser gibt den Legionellen somit keinen Nährboden. Bei Wasserspeichern sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Größe dem Wasserverbrauch angepasst ist und die Temperatur nicht unter 60 Grad fällt. Nur so können Sie einer Legionellenkontamination vorbeugen. Bei neuen, energiesparenden Wassersystemen sorgen meist sogenannte Legionellenschaltungen, die einmal am Tag das Wasser auf über 60 Grad erhitzen, für die Vermeidung von übermäßiger Bakterienbildung.

Der Verbraucher kann Legionellenverkeimung nur aktiv vorbeugen, indem alle Wasserinstallationen regelmäßig genutzt werden. So sorgt man dafür, dass Wasser nie zu lange in den Leitungen steht. "Bei solchen Spülaktionen ist es zweckmäßig, zunächst mit Warmwasser (so warm wie möglich) und dann mit Kaltwasser (so kalt wie möglich) zu spülen. Mit dieser Reihenfolge wird verhindert, dass nach der Spülaktion noch für einen gewissen Zeitraum 'legionellenfreundliches' warmes Wasser im Bereich der Zapfstelle verbleibt", erklärt Aleksander Szumilas. Sorgen Sie bei einer längeren Abwesenheit, wie zum Beispiel einer Reise, dafür, dass immer wieder jemand die Wasserhähne in dieser Art kurz aufdreht.

Das Risiko der Legionellenbildung sinkt auch, wenn Wasserhähne regelmäßig entkalkt und gereinigt werden, sodass die Bakterien keinen Nährboden mehr finden.

Professionelle Desinfektion

"Für eine echte thermische Desinfektion muss an jeder Entnahmestelle einer Trinkwasserinstallation für mindestens drei Minuten eine Wassertemperatur von mindestens 70 °C erreicht werden, wobei nicht alle Installationen solche Temperaturen erreichen können", erklärt Aleksander Szumilas. Solche Maßnahmen sollen und können aber nur richtig von Fachfirmen durchgeführt werden.

Whirlpools und Klimaanlagen sollten immer wieder gereinigt werden und, wenn sie lange nicht in Verwendung sind, müssen sie komplett ausgetrocknet werden. So verhindert der Nutzer, dass sich Legionellen über eine lange Zeit vermehren. Eine chemische Reinigung des Wassers ist möglich, kann aber Nebenwirkungen mit sich bringen. Während einer chemischen Reinigung muss sichergestellt sein, dass niemand das Wasser in der Zwischenzeit für den alltäglichen Gebrauch nutzt.

Die Aufnahme zeigt Legionellen stark vergrößert. Die Bakterien werden für die Menschen erst gefährlich, wenn sie in einer sehr hohen Konzentration vorkommen.

Wer sich bereits bewusst ist, dass er eine zu hohe Legionellenbelastung im Wasser hat, der sollte lieber kalt statt warm duschen, weil sich dann weniger Wasserdampf bildet, der eingeatmet wird. Wer auf die warme Dusche nicht verzichten möchte, der kann sich einen Filter für den Duschkopf kaufen.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Aleksander Szumilas, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • Gespräch mit Benedikt Schaefer, Umweltbundesamt
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - infektionsschutz.de: Legionellen
  • Robert Koch Institut: Legionellose
  • Robert Koch Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2017
  • Robert Koch Institut: Epidemiologisches Bulletin (Juni 2019)
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Legionellen - die am häufigsten gestellten Fragen
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