Kopfverletzungen können Spätfolgen wie Demenz oder Depressionen haben. Darunter leiden vor allem Ex-Sportler wie Boxer oder American-Football-Spieler, die im Laufe ihrer Karriere viele solcher Verletzungen erlitten haben. Aber auch Fußballer sind betroffen. Heilen lässt sich die Erkrankung nicht – nur Vorbeugen hilft.

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Dass man sich nach einer heftigen Gehirnerschütterung erst einmal schonen sollte, dürfte klar sein. Nicht immer aber machen Kopfverletzungen starke Beschwerden – und wenn sie wiederholt vorkommen, dann kann das ein ernstes Problem sein.

Das jedenfalls haben Wissenschaftler immer wieder bei Sportlern beobachtet. Etliche Sportler, die teils nur leichte, aber dafür wiederholte Kopfverletzungen erlitten hatten, entwickelten viele Jahre später verschiedene neurologische Symptome. Dazu zählten zum Beispiel aggressives Verhalten, Sprachstörungen, Depressionen und Suizide und auch Demenz.

Im Gehirn lagern sich bestimmte Proteine ab

"Das Phänomen ist unter der Bezeichnung der Boxerdemenz schon länger bekannt", sagt Professor Oliver Sakowitz, 2. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin. Insbesondere Boxer stecken oft Schläge auf den Kopf ein, aber auch American-Football-Spieler, Fußballer und andere Sportler sind von den Auswirkungen betroffen.

Heute wird dieses Krankheitsbild als Chronisch-traumatische Enzephalopathie bezeichnet, abgekürzt CTE. In den Gehirnen betroffener Sportler gibt es typische Veränderungen, darunter insbesondere Ablagerungen bestimmter Proteine, der sogenannten Tau-Proteine. Insgesamt wurden in der Forschungsliteratur zwischen 2000 und 2015 mindestens 69 Fälle von CTE bei Ex-Sportlern beschrieben.

Die Erkrankung ist noch nicht ausreichend erforscht

Das Problem: CTE tritt häufig mit einer deutlichen Verzögerung und erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Karriereende eines Sportlers auf. Heilen kann man die Krankheit nicht. Bislang lässt sie sich nur sicher diagnostizieren, indem man das Gehirn der Betroffenen untersucht – nach ihrem Tod. CTE wird vor allem in den USA erforscht und die Wissenschaftler stehen noch am Anfang. "Deshalb ist bislang nicht bekannt, wie häufig CTE tatsächlich auftritt", sagt Professor Sakowitz.

Auch über die Ursache sind die Wissenschaftler sich bislang nicht sicher. "Es gibt dazu verschiedene Theorien", sagt der Neurochirurg. Eine davon sind zum Beispiel Einblutungen, eine andere betrifft die Zerstörung von Nervengewebe, eine weitere besagt, dass eine Fehlstellung bei den Gefäßweiten eine Rolle spielen könnte.

Auch Kopfbälle können zu Kopfverletzungen führen

Was heißt das in der Folge für den Sport? American-Football-Spieler tragen beispielsweise einen Helm zum Schutz – auch wenn dieser sie wegen der Wucht des Spiels nicht immer vor schweren Kopfverletzungen bewahrt. Aber wie ist das im Fußball? Wie sieht es dort mit dem Schutz aus? Eine Studie geht davon aus, dass immerhin vier bis 22 Prozent aller Verletzungen im Fußball Schädel-Hirn-Traumen sind.

Heilen lässt sich CTE nicht, wenn es erst einmal aufgetreten ist. "Der beste Schutz ist deshalb die Vermeidung von Kopfverletzungen", sagt Sakowitz. Sie entstehen beim Fußball durch Zusammenstöße und Stürze – aber auch Kopfbälle können zu Kopfverletzungen führen. Wichtig sei es, Verletzungen auszukurieren und nicht mit einer leichten Gehirnerschütterung einfach weiterzuspielen oder das Training fortzusetzen, sagt Sakowitz.

Wie kann man die Spieler noch schützen? Sind Helme eine Option oder womöglich ein Kopfball-Verbot? "Bislang gehört der Kopfball im Fußball einfach dazu", sagt Sakowitz. Kopfbälle stellen aber definitiv eine Gefahr für das Gehirn dar. Der Deutsche Fußball-Bund äußerte sich zu einer entsprechenden Anfrage nicht.

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