Im Mittelalter galt Kitzeln als Foltermethode, heute ist es vor allem eine scherzhafte Geste zwischen Menschen, die sich sehr vertraut sind. Aber warum lachen wir eigentlich, wenn uns jemand kitzelt? Und warum können wir uns nicht selbst kitzeln?

Das Opfer windet sich mit wilden Zuckungen unter den Händen seines Angreifers hin und her, das Gesicht zu einer Grimasse verzerrt. Und obwohl ihm die Berührungen offensichtlich unangenehm sind, lacht es zugleich schallend. Wie kann es sein, dass eine harmlose Berührung wie Kitzeln so heftige Reaktionen im Körper hervorruft?

Unser Gehirn ist ganz darauf trainiert, uns vor Gefahren zu schützen. Berührungen, die es nicht einordnen kann, stuft es grundsätzlich erst einmal als gefährlich ein. Woher sollen wir schließlich wissen, dass unser Körper in diesem Moment nicht tatsächlich angegriffen wird?

Folgerichtig sind wir an den Stellen unseres Körpers besonders kitzelig, die sehr verletzlich sind – also an Bauch, Füßen und dem Rippenbogen. Und der Schüttelreflex soll dafür sorgen, dass wir den Angreifer möglichst schnell loswerden.

Die Erleichterung, die sich kurze Zeit später einstellt, wenn unser Gehirn das Kitzeln als harmlos eingestuft hat, sorgt für schallendes Gelächter: Die vermeintliche Gefahr hat sich als Spiel herausgestellt.

Hier liegt auch der Grund dafür, dass man sich nicht selbst kitzeln kann: Unser Gehirn weiß ja schon vor der Berührung Bescheid, dass diese nicht bedrohlich sein wird.

Übrigens: Auch andere Säugetiere kitzeln sich gegenseitig, allerdings meist nur mit sanften Berührungen auf der Haut. Die einzigen Tiere, die mit ihren Fingern unablässig den Bauch ihres Gegenübers bearbeiten, bis ihm vor Lachen die Tränen kommen, sind die Menschenaffen.