Nicht nur ältere Menschen können einen Herzinfarkt erleiden, es kann durchaus auch jüngere treffen. Oftmals ist der Grund eine lebensbedrohliche Erkrankung, die nur selten diagnostiziert wird. Was dahinter steckt - und wie man vorbeugen kann.

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Der ehemalige spanische Nationaltorhüter Iker Casillas ist mit seinen 37 Jahren zwar im Herbst seiner Karriere, aber vergleichsweise noch ein junger Mann. Nun hat er im Training einen Herzinfarkt erlitten. Warum wird ein junger und gut durchtrainierter Mensch wie Casillas davon heimgesucht?

Ein Herzinfarkt kommt für viele plötzlich und unerwartet. Gerade für jüngere Menschen liegt der Gedanke daran oft in weiter Ferne. Denn das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt erst ab dem 50. Lebensjahr. Doch auch junge Menschen können davon betroffen sein – und unterschätzen die Gefahr aufgrund des geringeren Risikos oftmals.

Dabei stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Platz eins der Todesursachen. Laut dem Deutschen Herzbericht der Deutschen Herzstiftung erleiden jährlich über 300.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt, etwa 50.000 sterben daran.

Bei einem Herzinfarkt - egal, in welchem Alter - verschließt sich ein Gefäß des Herzens, der Herzmuskel kann seine Arbeit nicht mehr richtig verrichten und das betroffene Muskelgewebe stirbt ab. Das Herz kann dann unter Umständen seiner Funktion, also Blut durch den Körper zu pumpen, nicht mehr ausreichend nachkommen.

Cholesterin als Auslöser für Ablagerungen

Ursache für den Gefäßverschluss ist meist Arteriosklerose – eine Störung der Blutgefäße, die diese verkalken lässt. Sie werden immer enger und steifer und transportieren das sauerstoffreiche Blut nicht mehr gut – bis es letztendlich zum kompletten Verschluss kommt.

Hauptverantwortlich hierfür ist vor allem der Cholesterinwert: "Erhöhte Cholesterinkonzentrationen im Blut sind ein entscheidender Risikofaktor für Gefäßverkalkungen, die zu Herzinfarkt und Schlaganfällen führen", erklärt Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, leitender Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums des Saarlandes.

Cholesterin ist eine für den Menschen lebenswichtige, fettähnliche Substanz, die im Organismus natürlich vorkommt und vom Körper selbst hergestellt wird. Grundsätzlich ist sie überlebenswichtig, doch kommt sie in zu hohem Maße vor, ist das sehr schädlich für die Gefäße, da sie sich in diesen ablagert.

Schon in jungen Jahren starke Ablagerungen

Tritt ein Herzinfarkt bei jungen Patienten auf, wirken ihre hohen Cholesterinwerte oft schon in jungen Jahren gefäßschädigend. Während bei älteren Menschen ein entsprechender Lebensstil wie ungesundes Essverhalten, Übergewicht und Nikotingenuss diese Schädigung fördert, ist sie bei jüngeren Menschen in der Regel deutlich genetisch bedingt. Aufgrund einer erblichen Veranlagung haben sie bereits in jüngeren Jahren starke Ablagerungen in den Herzgefäßen.

Doch häufig kommt die Diagnose bei ihnen erst dann, wenn es zu spät ist: nach einem Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod. Dabei leiden nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung in Deutschland 160.000 bis 200.000 Patienten an der vererbbaren Stoffwechselkrankheit Familiäre Hypercholesterinämie, die zu den häufigsten genetischen Störungen zählt – und oftmals unerkannt bleibt.

"Nur höchstens 15 Prozent der Patienten mit dieser Erbkrankheit, die zu massiv erhöhtem Cholesterinspiegel im Blut führt und unbehandelt bereits vor Erreichen des 30. Lebensjahres zum Herzinfarkt führen kann, werden diagnostiziert und behandelt", erklärt Prof. Dr. med. Frank Ulrich Beil, Endokrinologe und Lipidspezialist im Ambulanzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und am Klinikum Stephansplatz in Hamburg.

Gleichzeitig warnt er: "Unerkannte Fälle leben mit einer 'tickenden Zeitbombe' in ihrem Blut, weil sich ihre Herzkranzgefäße ungehindert und zunächst unbemerkt bis zum Herzinfarkt verengen können."

Regelmäßige Check-ups und gesunder Lebensstil helfen

Das Problem: Arteriosklerose kann meist über viele Jahre hinweg schleichend und ohne Beschwerden verlaufen. Prof. Dr. Beil rät daher: "Familien mit gehäuften Fällen erhöhter Cholesterinspiegel und Herzinfarkten sollten ihre Angehörigen möglichst früh, am besten mit Schuleintritt, auf erhöhte Cholesterinwerte untersuchen lassen."

Doch ein einfacher Cholesterinwert bei der Blutabnahme sagt nicht immer genug aus – daher sollten auch die Untereinheiten HDL und LDL bestimmt werden, wie Prof. Dr. Laufs empfiehlt. Beim LDL-Cholesterin handelt sich um die Form, die sich in den Gefäßen ablagert, während HDL-Cholesterin das Gegenteil bewirkt und Ablagerungen abtransportiert. Deshalb ist es wichtig, dass der LDL-Cholesterinwert im Körper möglichst niedrig und der HDL-Wert hoch ist.

Und auch wenn die Höhe des Cholesterinspiegels über genetische Eigenschaften beeinflusst wird, ist ein gesunder Lebensstil eine wirksame Maßnahme, um dauerhaft schlechten Cholesterinwerten entgegenzuwirken.

Denn: "Es sind nicht nur die Fettstoffwechselstörungen, die als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind – es ist vor allem die Kombination aus mehreren Herz-Kreislauf-Risikofaktoren: Rauchen, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, bauchbetontes Übergewicht und erbliche Vorbelastung”, so Professor Laufs. Und viele dieser Faktoren können – bereits in jungen Jahren – gezielt beeinflusst wurden.

Sie möchten wissen, wie es um Ihr persönliches Herzinfarkt-Risiko bestellt ist? Die Deutsche Herzstiftung e.V. bietet online einen Herzinfarkt-Risiko-Test an.

Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine persönliche Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

Verwendete Quellen: