In Deutschland sind in der vergangenen Woche so viele Grippe-Erkrankungen gezählt worden wie noch nie in dieser Saison. Die Welle habe mit knapp 35.300 Fällen in diesem Zeitraum einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch in Berlin mit.

Insgesamt wurden in dieser Saison bislang rund 120.00 Fälle erfasst. Mindestens 216 Menschen starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion - vorwiegend Menschen im Seniorenalter, die oft Vorerkrankungen hatten.

Die Dunkelziffer bei Grippefällen gilt als hoch, weil nicht in jedem Fall Erregerproben analysiert werden.

Zum Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz einen besseren Impfschutz der Bevölkerung per Eilverfahren.

"Bis heute übernehmen nicht alle Krankenkassen die wichtige Vierfach-Impfung", sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Gezahlt wird häufig nur der halb so teure Dreifach-Wirkstoff."

Kritik an Impfverfahren gegen Grippe

In einem Beitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwoch-Ausgaben) betonte Brysch: "Dabei fehlt der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm, der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist."

Im November hatte die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) die Vierfach-Impfung gegen Grippe empfohlen.

Der Flug für eine Fernreise ist gebucht, die Koffer sind gepackt, und plötzlich bahnt sich eine Erkältung an.

Gerade in der aktuellen Saison hilft der Dreifachimpfstoff laut Experten nur bedingt, weil er weniger Viren abdeckt. Bestimmte Influenza-B-Viren, die rund die Hälfte der bisher nachgewiesenen Fälle verursacht haben sollen, werden nur durch die Vierfachimpfung abgedeckt.

Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im Januar mitgeteilt, nach der STIKO-Empfehlung zügig über eine Aufnahme des Vierfachstoffs in die Pflichtleistungen der Kassen zu beraten.

"Hierfür besteht eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten", sagte G-BA-Chef Josef Hecken. Ansatzpunkte für Klagen über eine Benachteiligung von Kassenpatienten gegenüber Privatversicherten, die die Impfung eher erstattet bekommen, biete der Fall nicht. Bisher habe der G-BA STIKO-Empfehlungen in den meisten Fällen übernommen.

Auf Wohlwollen der Krankenkassen angewiesen

Brysch kritisierte, heute seien chronisch und schwerstkranke Menschen beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen.

Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Entscheidung über die Vierfach-Impfung erst für April treffen wolle, sei viel zu spät für die diesjährige Grippesaison. "Deshalb muss der Gesetzgeber für solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen."

Der G-BA mit Spitzenvertretern von Ärzten, Kassen und Kliniken ist das höchste Entscheidungsgremium des Gesundheitswesens.#  © dpa

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